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Projekthintergrund

Foto: Siegfried Klaus

Das Auerhuhn war über Jahrhunderte der Charaktervogel der Lausitzer Kiefernheiden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts zählte man in der Lausitz etwa 18 Balzplätze mit circa 200 Hähnen. Somit dürfte der Gesamtbestand bei über 400 Tieren gelegen haben. Zu Beginn des  20. Jahrhunderts gingen die Bestände deutlich zurück. Die letzten Rückzugsareale waren die Lausitzer Kiefernheiden. Etwa ab 1970 nahmen die Bestände dramatisch ab. Trotz verschiedener Schutzbemühungen ließ sich das Aussterben nicht aufhalten. Die letzten Nachweise stammen aus den 1990er Jahren, 1998 wurde in der Rochauer Heide letztmalig eine Henne gesichtet.

Warum ist das Auerhuhn in der Lausitz ausgestorben?

Foto: Archiv Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft

Die Hauptursachen für das Aussterben waren die Lebensraumveränderungen, die durch eine holzorientierte Forstwirtschaft, den Braunkohletagebau sowie den Betrieb von Truppenübungsplätzen sowie die Umweltverschmutzung verursacht wurden. Eine Rolle spielten auch die Tierverluste durch Verkehrswege, Zäune und Stromleitungen. Erhöhte Wildschwein- und Raubwildbestände trugen vermutlich ebenso zum Aussterben bei, da Auerhühner Bodenbrüter sind und ihre Jungen in der Beerkrautvegetation großziehen. Zu hohe Schalenwildbestände stellten ebenfalls ein Problem dar, weil dadurch die Beerkräuter zu stark beäst wurden, die für die Auerhühner als Nahrung und Deckung gleichermaßen lebenswichtig sind. Weiterhin trug ebenso eine zu starke jagdliche Nutzung des Bestandes zum Verschwinden des Vogels in der Lausitz bei.

Wie hat sich die Lebensgrundlage seit damals verbessert?

Viele der Lebensraumveränderungen, die zum lokalen Aussterben der Art beitrugen, sind heute nicht mehr wirksam. Der militärische Übungsbetrieb und der Bergbau wurden eingestellt. Die Umweltverschmutzung ging deutlich zurück, was die Beerkrautentwicklung begünstigte.

Zusätzlich wurden Maßnahmen zum naturnahen Waldumbau und zur Wiedervernässung von Mooren eingeleitet. All dies trug Verbesserung der Auerhuhnlebensräume bei.Gleichzeitig wird die naturnahe Waldentwicklung gefördert, die vielen anderen Tier- und Pflanzenarten nützt. Das Auerhuhn dient hier als Leitart für die Umsetzung von Naturschutzzielen im Wald.

Was sind die Ziele der Auerhuhn-Pilotstudie?

Foto: Archiv Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft

Mit der Umsetzung des Artenschutzprogramms "Auerhuhn" des Landes Brandenburg soll ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet werden. Konkret soll in der Pilotstudie überprüft werden, ob sich durch die eingeleiteten Maßnahmen die Lebensbedingungen für die Auerhühner so verbessert haben, dass ihnen ein langfristiges Überleben möglich ist. Perspektivisch wird der Aufbau einer sich selbst erhaltenden Auerhuhn-Population angestrebt.

Wie wird die Auerhuhn-Wiederansiedlung durchgeführt?

Foto: Siegfried Klaus

Da Wiederansiedlungen mit Gehegetieren in der Vergangenheit weitgehend erfolglos waren, werden in der Niederlausitz schwedische Wildfänge freigesetzt. Die Tiere stammen aus einer gesunden Population in Mittelschweden. Im Frühjahr 2012 werden 20 Auerhühner in der "Liebenwerdaer Heide", und im Frühjahr 2013 weitere 20 Tiere in der "Rochauer Heide" ausgewildert. In beiden Fällen wird ein Geschlechterverhältnis von 1 : 1 angestrebt. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen vor allem die Ausbreitung und Habitatnutzung der Tiere, die Fortpflanzungsaktivitäten sowie mögliche Todesursachen. Zur Aufenthaltsbestimmung der Auerhühner in ihrem neuen Lebensraum wird neueste Satellitentelemetrietechnik eingesetzt.