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Vom Klostergarten zur Streuobstwiese

Unter Obstbäumen im Pomologischen Schau- und Lehrgarten Döllingen wandeln, Foto: A. Franke

Kleine Geschichte des Obstanbaus im Naturpark

Die Streuobstwiesen rund um Hohenleipisch, Döllingen und Kraupa sind eine der Landschaftsformen, die den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft zu etwas Besonderem machen.

Begünstigt wird der Obstanbau rund um diese Ort von südexponierten, wärmebegünstigten Standorten und einer besonders günstigen Gesteinskomposition (Geschiebemergel), die Konsequenz der Endmoräne der letzten Eiszeit ist. 

Selbst erzeugtes Obst bereicherte schon vor Jahrhunderten den Speiseplan der Menschen im heutigen Naturpark.Die Zisterziensermönche legten die ersten Gärten an - der erste Obstgarten der Region wurde im Kloster Mühlberg nachgewiesen. Im 18. Jahrhundert erfuhr der Obstanbau kurfürstliche Hilfe -  1726 erlässt Kurfürst Friedrich August von Sachsen ein Mandat, dass Sachsen mit Obstbäumen gefüllt werden soll. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden unter nun preußischer Herrschaft auch an Feldern und Straßen Obstbäume gepflanzt.

Apfelblüte, Foto: J. Barig

Ein lokaler Helfer des Obstbaus war der Pfarrer und Superintendent der Stadt Bad Liebenwerda - Traugott August Seyffarth im 19. Jahrhundert. Er legte Baumschulen an und erteilte Lehrern zwei Mal in der Woche Unterricht in Obstkultur. So kamen die Obstbäume in die Gärten der Lehrer. Bald wurden Obstbauvereine gegründet und die Pomologie - die Lehre vom Obstanbau - wurde verbreitet, neue Sorten entstanden.

Zu DDR-Zeiten wurden die Obstplantagen als „Obstäcker“ betrieben- intensiv bewirtschaftete Apfel- oder Kirschplantagen, zu deren Füßen man Erdbeeren oder auch Kartoffeln anbaute. Nach 1990 brach der Handel zusammen, da die Produktionsmethoden zu ineffizient waren.

Heute befindet sich Grünland unter den Bäumen – die ehemaligen Obstäcker sind nun Streuobstwiesen. Streuobstwiesen bedürfen ständiger Pflege - es müssen regelmäßig junge Bäume nachgepflanzt werden. Davon abgeleitet ist auch die Bezeichnung „Streuobst“ - die Obstbäume wirken durch die unterschiedliche Altersstruktur und Sortenmischung wie in die Landschaft „hingestreut“. Mittlerweile ist es mit rund 300 Hektar Fläche das größte zusammenhängende Streuobstgebiet Brandenburgs.  Zwar sind in dieser Dichte Streuobstwiesen nur zwischen Kraupa und Döllingen zu finden, doch auch andernorts im Naturpark ist diese Form des extensiven Obstbaus nicht unbekannt. Über Naturschutzprojekte sind Streuobstwiesen auch in anderen Orten, etwa in Maasdorf oder in Lugau, angelegt worden.

Pomologischer Schau- und Lehrgarten in Döllingen mit Baumpatenschaft

Er ist ein lebendes Museum, Herz und Veranstaltungszentrum der Streuobstregion Hohenleipisch-Döllingen: Auf drei Hektar Fläche wachsen im „Pomologischen Schau- und Lehrgarten“ bei Döllingen Obstsorten aus Urgroßmutters Zeiten. Insgesamt sind es über 400 verschiedene Sorten der Hauptobstarten Apfel, Kirsche und Pflaume, aber auch so genanntes Beiobst wie Nüsse, Quitten oder Pfirsich.

Dem Verlust an Vielfalt entgegenzuwirken und die alten Sorten für die Nachwelt zu retten, ist das Anliegen des Pomologischen Gartens. Und nicht zuletzt ist der Garten ein attraktiver touristischer Anlaufpunkt , der gleichzeitig für die regionalen Streuobsterzeugnisse in Bio-Qualität wirbt.

Sie können den Erhalt des Pomologischen Schau- und Lehrgartens mit einer Baumpatenschaft fördern. Weitere Infos und Kontaktdaten finden Sie auf www.pomologischer-garten.de.

Der Garten kann in einer individuellen Führung besucht werden, oder zu den öffentlichen Veranstaltungen. 

Flyer zum Pomologischen Schau- und Lehrgarten. 

Veranstaltungen

Auf dem Apfeltag, Foto: Archiv Naturpark

Jedes Jahr lädt am 1. Mai findet das Blütenfest zum Saisonstart in den Pomologischen Schau- und Lehrgarten Döllingen ein. Ab 10 Uhr. Programm 2016.

An jedem letzten Sonntag im Monat von Mai bis August findet der "Gartenplausch" statt - Führungen mit Kaffee und Kuchen durch den Pomologischen Schau- und Lehrgarten Döllingen. 14 Uhr bis 17 Uhr. Details

Jedes Jahr am letzten Sonntag im September findet der Niederlausitzer Apfeltag im Pomologischen Schau- und Lehrgarten Döllingen statt. Ab 10 Uhr.

Auf eigene Faust - Radfahren, Wandern, Kremser...

Kremsertour durchs Streuobst, Foto: V. Rösler

Zu Fuß, mit dem Drahtesel oder mit dem Kremser - das Streuobstgebiet um Hohenleipisch-Döllingen kann einfach eigene Faust erkundet werden!  

Anreise: Bahnhof Hohenleipisch alle 2 Stunden von/nach Berlin. Bahnhof Elsterwerda/Elsterwerda-Biehla jede Stunde von/nach Cottbus/Dresden (je ca. 1 Stunde 20 Minuten), Bus 581/587 des Elbe-Elster Nahverkehrs GmbH von Elsterwerda nach Hohenleipisch, Montag bis Freitag (Fahrpläne unter www.vbb.de)

Mit dem Leihrad: Fahrradverleihe im Naturpark finden Sie hier.

Selbstgeführte Radtour „Unterwegs auf der Apfelroute“ (75km) durch den Naturpark. GPS-Tracks zum Herunterladen hier. Weitere Informationen, Karte und Faltblatt zur Route zum Herunterladen hier. Es gibt auch die Möglichkeit, die "Apfelroute" geführt zu buchen (Angebot "Apfel(ver)führung").

Kremsertour durch die Streuobstlandschaft: Individuelle Kremserfahrten in die  können gern mit einem der Kremseranbieter in Hohenleipisch und Umgebung vereinbart werden. Alle Kremseranbieter im Naturpark finden Sie hier. Preis (Richtwert, ohne Gewährleistung): 2 Stunden ca. 100€ - 120€ pro Kremser (10- 15 Personen)

Buchbare Angebote

  • Apfel(ver)führung - eine geführte Radtour durch den Naturpark, 30. April/1. Mai und 23./24. September 2017. Details und Preise
  • Geführte Naturpark-Radtouren und "Premium-Naturparkradtouren" rund ums Streuobst finden am Sonntag, 23. April, Sonntag, 17. September 2017 statt. Details und Preise
  • Erlebnis-Kremsertour „Im Reich der Blütenkönigin“ Der Verein „Die Lobenburger e. V.“ lädt zu einer frei buchbaren zweistündigen Erlebnis-Kremsertour inklusive Picknick. Details und Preise.
  • Erlebnis-Kremsertour "Apfelbäume - Blütenträume" - Kremserfahrt für Gruppen mit Führung durch den Pomologischen Schau- und Lehrgarten plus Kaffee und Kuchen. Details und Preise.
  • Buchbarer Vortrag "Streuobst im Naturpark" im Naturparkhaus (oder außerhalb). Details und Preise
  • "Frau Holles Apfelbaum"- ein Bildungsangebot für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren im Naturparkhaus. Details und Preise.

Streuobst kulinarisch

Foto: Archiv Naturpark

Die Gaststätten der Regionalen Speisekarte bieten jedes Jahr von Ende September bis Ende Oktober zu den Niederlausitzer Apfelwochen kreative Gerichte rund um den Apfel an. Weitere Informationen und teilnehmende Gaststätten hier.

 Die Schradenhof Gröden GmbH bewirtschaftet Streuobstflächen im Naturpark und bietet Produkte aus heimischem Streuobst wie Liköre, Säfte oder Marmeladen an.

In der Hofmosterei in Dobra wird Obst - auch kleinste Mengen - zu Säften verarbeitet. 

Die Heidemanufaktur Hohenleipisch verarbeitet Obst aus dem Pomologischen Schau- und Lehrgarten in Döllingen zu Marmeladen, Likören oder Chutneys. 

Seminare und Baumbestellungen

Streuobstwiesen bedürfen Pflege, Foto: A. Franke

Zum Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen gibt es im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft verschiedene Maßnahmen und Angebote.

Im Februar und März bietet der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft in Kooperation mit Kerngehäuse e. V. an zwei Wochenenden Baumschnitt- und Veredlungsseminare in Döllingen an.

Die Naturparkverwaltung organisiert jedes Jahr Baumbestellungen alter Obstsorten. Im Spätherbst werden die Bäume im Pomologischen Schau- und Lehrgarten in Döllingen an Selbstabholer ausgegeben. 

Weitere Informationen zu den Baumschnitt- und Veredlungsseminaren sowie Baumbestellungen erhalten Sie bei:

Andrea Opitz, Naturparkverwaltung Niederlausitzer Heidelandschaft

Markt 20, 04924 Bad Liebenwerda

Tel. 035341 61512 oder andrea.opitz (a) lfu.brandenburg.de 

Tagungsband zur Fachtagung Streuobst 2014

In unserem Naturpark nehmen Obstanbau und Streuobstkultur und damit verbundene Artenschutzvorhaben und Naturschutzprojekte seit mehr als 20 Jahren einen wichtigen Platz ein. Das reicht vom Aufbau des Pomologischen Schaugartens in Döllingen über die Wiederbelebung der Streuobst- und Baumobstkultur in der Niederlausitz bis zu den damit verbundenen vielfältigen Aktivitäten der Vermarktung, Öffentlichkeitsarbeit und Erhaltung alter Obstsorten und -arten.

Dazu fand vom 27. September bis 29. September 2014 eine Fachtagung mit verschiedenen Beiträgen zur Erhaltung des Natur- und Kulturerbes von Obstgehölzen statt. Den Tagungsband zu dieser Veranstaltung können Sie hier downloaden.