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Landschaftsentwicklung

Die älteste Landschaft Brandenburgs findet sich hier. Die vor ca. 180 000 Jahren zu Ende gegangene Saale-Eiszeit hatte Hügel und Becken hinterlassen, die im Laufe der Jahrtausende von Wind und Wasser zu sanften Formen geebnet wurden. Auch die im Zuge der Eiszeit entstandenen Seen sind inzwischen verlandet. Aber die landschaftliche Vielfalt ist geblieben, und dafür hat auch der Mensch gesorgt.

Weite Wälder auf der Hochebene im Norden, moorige, sumpfige Landschaft in den Niederungen der Kleinen und Schwarzen Elster im Süden, so muss man sich das Gebiet des Naturparks vor über 800 Jahren vorstellen.

Die zurückweichenden Eismassen der Saalevereisung (vor rund 180.000 Jahren) hinterließen eine Landschaft, die durch ein riesiges natürliches Staubecken, das sogenannte Kirchhain-Finsterwalder Becken geprägt ist. Hier sammelten sich die nacheiszeitlichen Schmelzwasser, um dann durch ein Tor zum Urstromtal in die Niederung der Schwarzen Elster abzufließen.

Vor 180.000 Jahren…

Eine der ältesten Landschaften Brandenburgs bildet die Kulisse für den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Die Altmoräne, wie man diesen Landschaftstyp nennt, ist vor 180.000 Jahren während eines Gletschervorstoßes in der Saaleeiszeit entstanden. Die Saaleeiszeit begann vor etwa 230.000 Jahren und endete vor rund 130.000 Jahren. Ihr letzter Gletschervorstoß erreichte die Region schon nicht mehr. Natürliche Seen, die nach der Eiszeit aus dem Schmelzwasser entstanden und etwa in Nordbrandenburg so zahlreich sind, findet man hier nicht mehr – sie sind im Laufe der Jahrtausende verlandet.

Zwischen den Elstern

Eine glaziale Hochfläche im Herzen des Naturparks ist mit ausgedehnten und weitgehend unzerschnittenen Wäldern bewachsen, die auch ein Moor und große Heideflächen umfassen. Nördlich und südlich grenzen die Niederungen der Kleinen Elster und der Schwarzen Elster an. Im Osten hat der großflächige Abbau von Braunkohle im Tagebauverfahren riesige Kippenflächen entstehen lassen. Anders als in anderen Regionen werden diese Flächen nicht zu „Ingenieurslandschaften“ umgestaltet, sondern der Natur überlassen. Die so entstehende „wilde“ Landschaft ist einmalig und bietet vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Am Südhang der glazialen Hochfläche im Herzen des Naturparks, bei Kraupa, Hohenleipisch, Döllingen und Plessa, ist aus der mehr als 120 Jahre alten Tradition des Obstbaus heraus Brandenburgs größtes Streuobstwiesengebiet entstanden.

Für Mensch und Natur

Diese vielfältige Landschaft mit ihren Besonderheiten zu erhalten, ist das Ziel der Arbeit des Naturparks. Dies geschieht, indem ein Ausgleich zwischen den Interessen der Natur und des Menschen angestrebt wird. Schutzwürdiges soll nicht abgeriegelt, sondern auf schonende Art und Weise dem Menschen in seiner Schönheit zugänglich gemacht werden. So wie etwa die Streuobstwiesen nur durch menschliche Nutzung erhalten werden können, sind auch andere Landschaftsformen nur im Einklang mit den Interessen des Menschen von Dauer. Der bewusste Umgang mit der Natur soll auch Früchte tragen: indem die Landschaft als Erholungsraum für Gäste und Einheimische dient, indem mit regionalen Erzeugnisse Wirtschaftskreisläufe angeschoben werden. Nachhaltige Entwicklungen in den Städten und Gemeinden zu unterstützten – auch dies ist ein Anliegen des Naturparks und seiner Partner.

Kulturlandschaft

Die Spuren menschlicher Besiedlungsgeschichte lassen sich in der Region bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Die großen Veränderungen in der Landschaft durch den Menschen setzten jedoch erst im 12. Jahrhundert mit der deutschen Kolonialisierung ein. Die Gründung des Zisterzienserklosters in Doberlug spielte dabei eine entscheidende Rolle. Wälder wurden gerodet oder durch Beweidung stark aufgelichtet, Niederungen entwässert, Fischteiche angelegt und die umgebende Landschaft urbar gemacht. Viele Kirchen im nördlichen Teil des Naturparks stammen noch aus der Zeit der Zisterziensermönche.

Zisterzienser Tour, Schloss Doberlug

 

  

Industriekultur

Über mehrere Jahrhunderte hat der Abbau von Bodenschätzen im Gebiet des Naturparks stattgefunden. Dabei waren es zunächst Raseneisenstein, Grauwacke, Ton und Torf, die als Baumaterial benötigt wurden. Erst seit etwa 150 Jahren sind beträchtliche Flächen durch den Braunkohlenbergbau beeinflusst worden. Heute wird Kies großflächig für die Baustoffnutzung abgebaut. Bruchfelder, Badeseen, ehemalige Steinbrüche und rekultivierte Tagebauflächen zeugen vom Schaffen der Menschen in der Region über einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren.

Mühlen Plessa & Oppelhain, Kraftwerk Plessa, Louise

 

Sprachraum

Alte Grenzen sind zäh. Einst trennte der Wald die Niederlausitz vom sächsisch geprägten Landstrich entlang der Schwarzen Elster. Doch noch heute ist die Wirkung der Liebenwerdaer Heide als natürliche Grenze zu spüren. Man muss sich beidseits des Waldes nur genau umhören.

"B wie Baula" würde ein alteingesessener Bewohner im Süden des Naturparks buchstabieren - und damit verraten in welchem Sprachraum er zu Hause ist. Aussprache und Betonung beruhen auf dem nordosterländischen Dialekt, einer der 12 Mundarten der Thüringisch-Obersächsischen Dialektfamilie.

 

Anders verhält es sich im Gebiet nördlich der Liebenwerdaer Heide, das jahrhundertelang zur Markgrafschaft Niederlausitz gehörte. Dort mischen sich Einflüsse des Niederlausitzer Dialektes mit dem Südbrandenburgischen. In Doberlug-Kirchhain spricht man weniger weich und gedehnt als in Elsterwerda oder Bad Liebenwerda. Die gutsächsische "Bemme" ist aber auch Ihnen geläufig. Wenngleich das Frühstücksbrot auch ein wenig alt zu sein scheint. Sie sprechen es nämlich hart aus und sagen "Pemme".

Lag es am Dialekt oder nicht, für die Kraupaer oder Hohenleipischer waren die Bewohner in Gruhno oder Friedersdorf lange "die hinterm Wald"- und umgekehrt.