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Herr Podany, Sie beschäftigen sich bereits seit rund 30 Jahren mit Fledermäusen. Was begeistert Sie an diesen Tieren?
Die Faszination des Unbekannten fesselt mich. Fledermäuse sind unglaublich interessante Lebewesen und im Verhältnis zu anderen Tieren sehr wenig untersucht. Deshalb bietet sich immer die Chance, etwas Neues über die versteckt lebenden Säugetiere herauszufinden oder sogar eine neue Art zu entdecken. Dafür sind aber viel Mühe, Aufwand und Geduld notwendig.

Ist es tatsächlich möglich, in unserer Region noch eine neue Art zu entdecken?
Ja, 2001 wurde beispielsweise in Deutschland die Nymphenfledermaus entdeckt. Das war eine absolute Sensation. Derzeit hoffen wir, diese Art auch bei uns in Brandenburg nachzuweisen.

Woran forschen Sie aktuell?
Ein Problem für Fledermäuse sind die vielen Windkraftanlagen. Wenn die Tiere von den Rotorblättern getroffen werden, überleben sie das meistens nicht. Im Windpark Duben untersuche ich derzeit zusammen mit dem Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildforschung Berlin diese Problematik.

Wie groß ist die Population aktuell in der Lausitz?
Aufgrund der nächtlichen, versteckten Lebensweise ist eine Schätzung der Populationsgröße nicht möglich. Es gibt zwar Versuche, Zahlen zu benennen, doch das ist reine Spekulation. Aber: Ich sehe die Populationen in der Region stark gefährdet. 80 Prozent aller mir bekannten Vorkommen sind verschwunden, obwohl Fledermäuse keine natürlichen Feinde haben.

Was sind die Gründe dafür?
Der Mensch hat die Bestände dezimiert und aus seinem Umfeld vertrieben. Schuld daran sind die vielen strikten Energiesparmaßnahmen, mit denen Wohnhäuser heutzutage regelrecht versiegelt werden. Es gibt kaum noch offene Dachluken, Keller oder Fenster. Deshalb leben Fledermäuse heute mittlerweile fast nur noch in Wäldern. Eine Ausnahme bildet aber das Stadtzentrum von Luckau. Hier gibt es tatsächlich noch in zahlreichen Gewölbekellern Winterquartiere.

Sie sind in der Fachwelt und bei vielen Lausitzern vor allem für Ihre spektakulären Flugaufnahmen von Fledermäusen bekannt. Dafür haben Sie eine spezielle Fotoanlage entwickelt. Weshalb war das nötig?
Fledermäuse in der Luft zu fotografieren, ist eine große Herausforderung, denn die Tiere fliegen mit hoher Geschwindigkeit. Für normale Blitzgeräte sind sie einfach zu schnell und Aufnahmen werden so unscharf. Deshalb sind zum Fotografieren spezielle Kurzzeitblitzgeräte nötig, mit einer Leuchtdauer von circa 30 Tausendstelsekunden statt mit einer Tausendstelsekunde. Aufgrund dieser deutlichen Leistungsreduzierung müssen allerdings vier bis sechs Blitzgeräte installiert werden, um den Flugbereich genügend auszuleuchten.

Aber wann drücken Sie auf den Auslöser?
Das funktioniert automatisch, mithilfe einer Lichtschranke, die wiederum mit dem Auslöser verbunden ist. Ein Problem ist hier die Auslöseverzögerung der digitalen Kameras von etwa 50 Millisekunden. Denn benötigt werden drei Millisekunden, damit die Fledermäuse nicht schon vorbeigeflogen sind. Um dieses Problem zu lösen, habe ich spezielle Rollei-Objektive gekauft und diese mit einem schnelleren Verschluss versehen. Die größte Schwierigkeit war aber, das mechanische Objektiv mit meiner Digitalkamera zu verbinden. Hier musste ich einen Adapter bauen und die Software umprogrammieren.

Und wie viele Aufnahmen haben eine gute Qualität?
Von 100 Bildern sind etwa fünf bis zehn Motive in Ordnung, bei dem Rest gibt es Unschärfen oder angeschnittene Flügel. Manchmal ändern Fledermäuse auch ihre Richtung oder es fallen Wassertropfen ins Bild.

In welcher Entfernung befindet sich die Lichtschranke zur Kamera?
Die Lichtschranke installiere ich etwa in einem bis anderthalb Metern zur Kamera. Dann erfolgt die Scharfstellung des Objektivs. Hier sind viel Gefühl und Erfahrung nötig. Der gesamte Aufbau dauert etwa eine halbe Stunde.

Wie wählen Sie den Standort ihrer Fotoanlage aus?
Die Anlage wird etwa vor einer kleinen Öffnung wie einem Dachspalt oder einer Baumhöhle installiert, durch die die Fledermäuse unbedingt fliegen müssen. Gibt es für die Tiere Alternativen, werden sie nämlich den Infrarotstrahl der Lichtschranke meiden. Am besten lassen sich Ausflüge aus einer Höhle fotografieren, wenn gleichzeitig bis zu 100 000 Tiere in der Luft sind.

Lohnt sich denn der Aufwand?
Auf jeden Fall. Flugaufnahmen sind eine gute Möglichkeit, Fledermäuse interessant darzustellen und einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen.

Fledermäuse werden oft mit Graf Dracula und mit Vampiren in Verbindung gebracht. Ist das bei Ihnen ähnlich?
An Vampire denke ich nicht. Aber in Südamerika existieren tatsächlich drei bekannte Arten, die sich von Blut ernähren. Die meisten europäischen Fledermäuse ernähren sich jedoch von Insekten und Spinnen. Vor einigen Jahren habe ich in den Karpaten das alte Schloss von Graf Dracula besucht. Aber er war kein Vampir sondern ein brutaler Sadist, der das Blut seiner Opfer getrunken haben soll.

Haben die Menschen in unserer Region heute noch Angst vor Fledermäusen?
Ich glaube nicht, dass Fledermäuse noch Angst auslösen. Das war vor 20 oder 30 Jahren sicher anders. Der Fledermausschutz und die Aufklärung haben hier viel bewirkt.

In den Medien wird bei Fledermäusen gelegentlich vor der Tollwut gewarnt. Besteht hier eine große Gefahr?
Für mich ist das alles unbegründete Panikmache. In ganz Europa sind offiziell fünf Menschen an der Fledermaus-Tollwut gestorben. Eine Ansteckung ist mehr als unwahrscheinlich, da kranke Tiere sehr schnell sterben. Außerdem würden Fledermäuse niemals Menschen angreifen, sie ernähren sich ja von Insekten.

Mit Milan Podany sprach Lars Hartfelder

Zum Thema:
Eine spannende Natur-Erlebnisnacht gibt es am 16. August im Schlosspark Fürstlich Drehna. Die Naturwacht, die Heinz-Sielmann-Stiftung, der Nabu und der Heimatverein des Ortes laden ab 18 Uhr zum Aktionstag ein. Bis 21 Uhr gibt es Spiele, Basteleien, Rätsel und Infos rund um die Tiere. Podany nimmt die Besucher ab 20 Uhr mit auf eine Reise in die Welt der fliegenden Säugetiere. Die Lampen werden dann um 21.30 Uhr angeknipst. Bis 22 Uhr heißt es: Augen auf und Ohren gespitzt. lrs

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 15.8.13

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Die-Faszination-des-Unbekannten-fesselt-mich;art1059,4297615