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Der Apfeltag im Pomologischen Schau- und Lehrgarten in Döllingen im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft war wieder ein voller Erfolg. Die Menschen kamen am letzten September-Sonntag bis aus Berlin und Dresden. Wie viele Fragen hatten Sie zu beantworten?
Sehr viele, sie waren nicht zu zählen. Hauptsächlich ging es dabei um den Obstbaum-Schnitt und darum, welche Sorten man am besten pflanzt.

Welche Frage wird Ihnen auch über den Apfeltag hinaus am häufigsten gestellt?
Wie man die Wasserreiser an seinem Baum in den Griff bekommt. Ich vergleiche das immer mit dem Kampf gegen den siebenköpfigen Drachen.

Siebenköpfiger Drache?
Wenn ein Baum zu stark geschnitten wird, kommt aus jedem schlafenden Auge ein neuer Trieb. Somit wachsen Unmengen an Wasserschossern an jedem angeschnittenen Ast. Das hat nur einen Vorteil. Man wird unter einem solchen Baum irgendwann mal nicht mehr nass. Für die Erträge ist das nicht gut.

Wann ist die beste Zeit für den Obstbaumschnitt?
Für den Winterschnitt während der Vegetationsruhe, für den Sommerschnitt natürlich im Sommer.

Sollte man ein und denselben Baum zweimal im Jahr schneiden?
Kommt darauf an, was man mit ihm vorhat und was nötig ist.

Ist die Außentemperatur von Bedeutung für den Obstbaumschnitt?
Ja. Bei minus 20 Grad sollte keiner mehr einen Baum schneiden. Bei Sturm, Regen und Schnee rate ich aber auch davon ab.

Welches Werkzeug sollte man sich anschaffen, um einen fachgerechten Baumschnitt durchführen zu können?
Vor allem sollte das Werkzeug scharf sein. Andernfalls entstehen Quetschwunden. Eine Baumschere und eine Klappsäge sind für die meisten Bäume vollkommen ausreichend. Zum Krebsausschneiden nehme ich allerdings spezielles Werkzeug.

Gibt es leicht verständliche Grundregeln für einen Erfolg versprechenden Schnitt?
Der Baum sollte anschließend wie ein Baum aussehen und er sollte sich nicht schämen müssen, dass er geschnitten wurde. Lieber jedes Jahr etwas tun, als zehn Jahre nichts und dann die gesamte Krone absägen. Wenn die Bäume regelmäßig gut tragen und bewundert werden, hat man es richtig gemacht. Das richtige Maß ist entscheidend, denn Krone und Wurzel müssen im Gleichgewicht sein.

Wie sind die Schnittstellen zu behandeln?
Kleine Schnittstellen braucht man nicht zu behandeln. Für größere am besten ein Lehmgemisch mit Rinderdung verwenden.

Wann sollte ein Experte zurate gezogen werden?
Für einen normalen Schnitt braucht man keinen Experten. Jemanden, der etwas vom Fach versteht und dem Baum etwas Gutes tun will ? den sollte man fragen. Und das auf jeden Fall, bevor der Baum gefällt ist.

Wenn die Äpfel an einem Baum nicht schmackhaft genug erscheinen, sollte der Baum durch einen neuen ersetzt oder vorzugsweise veredelt werden?
Erst einmal sollte man herausfinden, warum die Äpfel nicht schmecken. Sonne, ein vernünftiger Schnitt, eine geeignete Sorte und der richtige Standort sind wichtig. Bevor man einen gesunden Baum fällt, sollte man es mit der richtigen Pflege, oder ? wenn einem die Sorte nicht gefällt ? mit dem Veredeln versuchen.

Mit wie vielen verschiedenen Sorten kann man ein und denselben Baum veredeln?
So viele Zweige am Baum sind, so viele könnte man veredeln. Aber ob das sinnvoll ist? Ich habe bei mir bis zu fünf Sorten auf einem Baum, weil mein Platz für weitere Bäume begrenzt ist. Es sieht natürlich sehr schön aus, wenn unter einem roten Apel ein gelber hängt. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Zu beachten ist, dass sich die Sorten vertragen, dass nicht eine starkwüchsige Sorte wie "Kaiser Wilhelm" und eine schwachwüchsige wie "Carola" zusammenkommen. Dann kann der Baum bald schief aussehen.

Wie kann man einen guten Ertrag befördern?
Eine geeignete Sorte, ein passender Standort, regelmäßige Pflege und gutes Wetter im Jahresverlauf sind wichtig.

Ist es richtig, Baumgruben beziehungsweise ?scheiben freizuhalten und mit Laub oder Rindenmulch zu bedecken ? oder sind sie überflüssig?
Baumscheiben sind bei Jungbäumen sinnvoll. Sie sollten größer sein als der Wurzelbereich. Die Mulchschicht sollte man im Winter jedoch entfernen, weil sich hier die Wühlmäuse sehr wohlfühlen. Wenn ein Baum groß genug und richtig angewachsen ist, ist eine Baumscheibe nicht mehr notwendig.

Welche Mindestabstände sollten zwischen Obstbäumen bestehen und vertragen sich alle Sorten in gegenseitiger Nachbarschaft?
Die Bäume sollten so weit auseinanderstehen, wie sich die Kronen entwickeln werden. Bei kleinkronigen Bäumen genügen drei Meter, bei Kirschen und großen Apfelbäumen sind auch zehn bis zwölf Meter anzuraten. Wie groß ein Baum werden wird, sollte man in jedem Fall vor dem Kauf erfragen.

Ist das Interesse am Obstbaum im eigenen Garten in den letzten Jahren eigentlich wieder gewachsen?
Ich denke schon.

Haben Sie privat auch einen Garten?
Ja, mit Sträuchern, Gemüse und Blumen. Und in einer kleinen Baumschule ziehe ich mir selbst Bäume heran. Ich muss zu jeder Zeit in den Garten gehen und etwas zu essen finden können.

Welche Bäume kann man bei Ihnen sehen?
Vorrangig Apfelbäume, aber auch Birne, Kirsche, Pflaume und Pfirsich. Junge, die frisch veredelt, und auch solche, die schon über 80 Jahre alt sind.

Wie steht es dieses Jahr um die Ernte?
Birnen gibt es reichlich. Auch bei den Äpfeln sieht es gut aus. Nur die haben im September zu wenig Sonne bekommen. Das schmeckt man.

Haben Sie Lieblingsäpfel?
Ja, aber die Sorte wechselt im Laufe der Saison. Der Klarapfel schmeckt als Erster, dann die Worcester-Parmäne. Und momentan ist es der Hasenkopf. Den Berlepsch und Boiken esse ich gern im Winter und Frühjahr. Besonders ans Herz gewachsen ist mir der Herzvater-Apfel aus der Prignitz. Der leuchtet im Sommer richtig schön rot, duftet herrlich und schmeckt auch so.

Der "Herzvater" ist Ihnen aber noch aus einem anderen Grund ans Herz gewachsen?
Ja, er gehört zu den seltenen Sorten. Ein Baum, der 1910 gepflanzt worden war, ist leider abgeknickt. Wahrscheinlich gibt es keine Altbäume von dieser Sorte mehr. Ich bin froh, rechtzeitig Reiser geschnitten zu haben. So gibt es bald wieder Herzvater-Äpfel.

Was halten Sie von dem Trend, alten Sorten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken?
Es gibt da viele Schätze, die man heute nicht mehr bekommt. Die Vielzahl an Geschmacksrichtungen gibt es nicht im Supermarkt. Sorten, die man dort erhält, haben meist die gleichen Eltern und Großeltern, sind im Geschmack ähnlich. Oft bringen sie nur mit großem Pflegeaufwand den Ertrag in der gewünschten Qualität. Von vielen alten Sorten hat man dagegen herrliche Früchte ? ungespritzt. Für Allergiker sind verschiedene alte Sorten oft verträglich.

Habe Sie einen Literatur-Tipp für Freunde des Obstbaumes?
Da möchte ich das "Apfelbuch Berlin-Brandenburg" nennen. Es ist im vorigen Monat erschienen. Darin wird auch der Herzvater-Apfel aus der Prignitz vorgestellt und es gibt Rezepte.

Und Sie haben als Autorin mitgewirkt?
Ja, ich habe über den gerade erwähnten "Herzvater" und über die Lugauer Allee geschrieben. Das Foto von der alten Allee hat Frank Kiesewetter aus Lugau beigesteuert, der von Obstbäumen fasziniert ist und viel für deren Erhalt tut.

Apropos Rezepte, wie verarbeiten Sie Ihr selbst gezogenes Obst?
Es geht in die Mosterei, kleinere Mengen verkaufe ich. Da ich in der Saison fast an jedem Wochenende irgendwo bei Seminaren oder Apfeltagen bin, nehme ich dorthin Proben für die Sortenempfehlung mit. Apfelkuchen, Pflaumenmus und gedörrte Pflaumen, Kompott ? es gibt so viele Möglichkeiten, das Geerntete zu verwerten.

Im kommenden Jahr kommen Sie wieder zu Baumschnitt- und Veredelungsseminaren nach Döllingen. Die Nachfrage ist offenbar ungebrochen?
Ja, Ende Februar und Ende März gibt es wieder Seminare.

 

Mit Urte Delft sprach

Gabi Böttcher.

Alle Interviews können Sie noch einmal nachlesen unter www.lr-online.de/interview

Zum Thema:
Im Pomologischen Schau- und Lehrgarten im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft in Döllingen wachsen auf drei Hektar Fläche Obstsorten aus Urgroßmutters Zeiten. Insgesamt sind es mehr als 400 Sorten der Hauptobstarten Apfel, Kirsche und Pflaume, aber auch sogenanntes Beiobst wie Nüsse, Quitten und Pfirsich. Dem Verlust an Vielfalt entgegenzuwirken und die alten Sorten für die Nachwelt zu retten, ist das Anliegen des Pomologischen Gartens. Geöffnet ist von Mai bis September jeden letzten Sonntag im Monat 14 bis 17 Uhr. Volksfeste finden im Pomologischen Garten am 1. Mai (Blütenfest) sowie am letzten Sonntag im September (Apfeltag) statt.

Zum Thema:
Urte Delft (40) absolvierte ein Studium an der Fachhochschule Eberswalde (heute Hochschule für nachhaltige Entwicklung) und ist Dipl.-Ingenieurin für Landschaftsnutzung und Naturschutz. Sie beschäftigt sich mit Biotop- und vegetationskundlichen Kartierungen, gibt Obstschnitt- und Veredlungsseminare. Sie ist ledig und in Barenthin in der Prignitz zu Hause. Seit 2010 gibt sie regelmäßig Baumschnitt-Seminare im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und ist seit 2009 beim Apfeltag im Pomologischen Schau- und Lehrgarten in Döllingen eine gefragte Gesprächspartnerin.

Zum Thema:
Kennen auch Sie Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben? Dann schlagen Sie uns Gesprächspartner vor: Lausitzer Rundschau, Straße der Jugend 54, 03050 Cottbus, oder perE-Mail an die Adresse:redaktion@lr-online.de.

<figure itemtype="http://schema.org/ImageObject" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure><figcaption itemprop="description" class="articleImageCaption"></figcaption> Auszug aus der Lauistzer Rundschau vom 5.10.13

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