Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) ging in seiner Eröffnungsrede vor den zahlreich erschienenen Teilnehmern zuerst auf das Problem der Wiederansiedlung der Wölfe ein. Er verwies auf die kontrovers geführten Diskussionen in der Öffentlichkeit, vertrat diesbezüglich jedoch eine abwartende Haltung. Lobend äußerte er sich zum Pilotprojekt des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft zur Wiederansiedlung des Auerhuhns. Er selbst habe vor wenigen Tagen bei einer Exkursion erstmalig einen Auerhahn in freier Natur beobachten können, berichtete er.

Positiv äußerte sich der Landrat zudem zum geplanten Unesco-Gebiet "Biosphäre Niederlausitz" der Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken. Er erwartet, dass der kritisch geführte Meinungsaustausch zwischen Befürwortern und Skeptikern möglichst bald mit einem tragfähigen Kompromiss beendet werden kann.

Es folgten drei interessante Fachvorträge. So referierte Forstoberrat Egbert Brunn, Funktionsbereichsleiter Naturschutz im Bundesforstbetrieb Lausitz, über die Naturerbeflächen im Landkreis Elbe-Elster. Als "Nationales Naturerbe" wird eine Flächenauswahl von 125 000 Hektar bezeichnet, die vom Bund unentgeltlich an Bundesländer, Stiftungen und Verbände übertragen wurde. Die gemeinnützige DBU Naturerbe GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), hat seit 2007 großräumige Liegenschaften übernommen, um sie langfristig für den Naturschutz zu sichern. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den ortskundigen Mitarbeitern der Bundesforstämter.

Im Landkreis Elbe-Elster gehören Flächen der Naturschutzgebiete "Forsthaus Prösa" und "Hohe Warte" dazu. Ziel ist es, auf diesen Flächen die Strukturvielfalt und den Reichtum an heimischen Tier- und Pflanzenarten in unterschiedlichen Lebensräumen zu erhalten und zu fördern.

 

Rückzugsräume schaffen

Das durch ehemalige Truppenübungsplätze entstandene Offenland soll durch regelmäßige Pflege möglichst in seinem jetzigen Zustand erhalten bleiben, um für bestimmte seltene Arten Rückzugsräume zu schaffen. Die vorhandenen naturnahen Laubmischwälder sollen ebenfalls erhalten und weiterentwickelt werden, artenarme Nadelholzforste sollen schrittweise in naturnahe Wälder umgestaltet werden. Die integrierten Feuchtgebiete werden durch die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes ökologisch aufgewertet und bewahrt. Alljährlich findet ein Jahresgespräch zwischen dem Bundesforstbetrieb und dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft statt, um sich über die weiteren Entwicklungsziele und -maßnahmen abzustimmen.

 

Über Flächenpool-Maßnahmen im Landkreis Elbe-Elster informierte Birgit Groth, Mitarbeiterin der Flächenagentur Brandenburg GmbH. Diese Agentur sieht sich als ein Naturschutz-Dienstleister und ist Partner für Investoren, Behörden, Landnutzer und Naturschutzverbände, wenn es um Naturschutz-Projekte und geforderte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geht. So wurde seit 2007 die Renaturierung der Kleinen Elster in Teilbereichen bei Maasdorf verwirklicht. Dort wurden Flussschleifen wieder hergestellt, Ufer- und Auengehölze angepflanzt und Ersatzfeuchtbiotope geschaffen. Bei Doberlug-Kirchhain soll in den kommenden Jahren die sogenannte Klosterschleife neu entstehen. Birgit Groth bemängelte die oft schlechte Unterstützung durch die Landwirtschaftsbetriebe bei der Realisierung derartiger Maßnahmen.

 

Seltene Arten angesiedelt

<figure itemtype="http://schema.org/ImageObject" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure><figcaption itemprop="description" class="articleImageCaption"></figcaption> Nach der Mittagspause zog Projektbüroleiter Dr. Stefan Röhrscheid eine Zwischenbilanz zu zehn Jahren Naturparadies Grünhaus. Die Nabu-Stiftung "Nationales Naturerbe" hat zwischen 2003 und 2006 wertvolle Flächen der Bergbaufolgelandschaften mit einer Gesamtgröße von etwa 1930 Hektar gekauft und für den Naturschutz gesichert. In den stillgelegten Tagebauen zwischen Lauchhammer und Finsterwalde finden viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten Lebensbedingungen, die in der sonst stark besiedelten Kulturlandschaft rar geworden sind. Mehr als 3000 verschiedene, zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten konnten bisher nachgewiesen werden. Faszinierend ist die hohe Vielfalt an unterschiedlichen Standorten, die oft auf kleinstem Raum wechseln. Hier formen Naturkräfte wie Wind, Regen und aufsteigendes Grundwasser dynamisch eine faszinierende Landschaft. Doch aus Sicherheitsgründen sind immer noch Sanierungsarbeiten durch die LMBV notwendig, mit denen vor allem die zahlreich vorhandenen Böschungen stabilisiert werden sollen. Jährlich gibt es im Naturparadies Grünhaus bis zu 40 Führungen, wobei im Gesamtdurchschnitt 600 Besucher registriert werden.

Der Naturschutztag endete mit einer Fotoschau des Falkenberger Naturschutzvereins "Elsteraue" über die im Jahr 2013 geleistete Arbeit. Andere Teilnehmer meldeten sich nicht zu Wort, was sehr zu bedauern war.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 13.11.13 von H. Lehmann

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Kompromiss-zur-Biosphaere-angemahnt;art1059,4387657