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Seit gut 20 Jahren haben sich die beiden Naturparks im Süden Brandenburgs nebeneinander entwickelt. Nun sollen sie eins werden. Was hat jeder in die Beziehung einzubringen?
Grundsätzlich haben beide Gebiete seit ihrer Ausrufung eine erfolgreiche Entwicklung durchlaufen und sind heute gut etablierte und anerkannte Instrumente der Regionalentwicklung. Naturparkarbeit wird ja von vielen Menschen getragen, in den Verwaltungen, bei der Naturwacht, in Fördervereinen, Naturschutzstiftungen, Kuratorien und von zahlreichen Partnern. Dieses Miteinander für eine gemeinsame, wenn man so will "größere Idee" zu bündeln, hätte eine neue Qualität und wäre eine reizvolle Aufgabe. Die charakteristischen Landschaften beider Naturparke mit ihren reizvollen Dörfern als typischer Ausschnitt der Altmoränenlandschaft in der westlichen Niederlausitz, mit den großen zusammenhängenden Wäldern, der ganz eigenen Bergbaufolgelandschaft, den Mooren, Heiden und Beckenlandschaften wären eine tatsächlich bisher nicht in der Familie der deutschen Biosphärenreservate repräsentierte Landschaft.

Die beiden Parks sind aber gar nicht miteinander verbunden.
Inhaltlich schon ? über gemeinsame Projekte wie etwa das Auerhuhn, fachlich über sehr ähnliche Themen wie die Bergbaufolgelandschaft oder im Geiste, bezogen auf den Entwicklungsgedanken brandenburgischer Naturparke. Räumlich noch nicht. Aber ein Blick auf die Karte lässt den möglichen Korridor schon erkennen. Dazu gibt es aus der regionalen Arbeitsgruppe der Landkreise vorerst nur einen Vorschlag, der mit den betreffenden Kommunen zu diskutieren ist.

Gibt es auch Schnittpunkte mit dem Biosphärenreservat Spreewald?
Landschaftlich eher nicht. Dann schon eher wieder in der Philosophie unserer Arbeit. Biosphärenreservate und Naturparke sind in Brandenburg ja inhaltlich und auch organisatorisch recht nah beieinander.

Was unterscheidet ein Biosphärenreservat von einem Naturpark?
In erster Linie die Anerkennung durch die Unesco, also wenn man so will, eine internationale Perspektive. Dafür müssen eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt werden, die für Deutschland vom sogenannten MAB-Nationalkomitee vorgegeben werden. (MAB ? Man and the Biosphere: Programm der Unesco für die Biosphärenreservate). Diese beinhalten Vorgaben zur Zonierung, Entwicklung, Umweltbildung und insbesondere zur nachhaltigen Entwicklung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Nach Einschätzung der regionalen Arbeitsgruppe erfüllen die beiden Naturparke wesentliche Voraussetzungen bereits. Der Schritt wäre somit nicht so riesig.

Der Begriff Biosphärenreservat flößt vielen Menschen Angst ein. Alles verboten?
Das ist leider gelegentlich der Fall, beruht aber oftmals auf Missverständnissen. In der Regel wird "Reservat" gehört und "Käseglocke" gedacht. Die deutschsprachige Bezeichnung ist eigentlich nicht ganz richtig aus dem Englischen übertragen worden. Biosphere Reserve meint eigentlich eher "Lebensraumreserve". Natürlich können diesen Vorbehalten womöglich auch negative Erfahrungen aus anderen Zusammenhängen zugrunde liegen. Naturschutz kann auch mit Einschränkungen menschlicher Interessen verbunden sein. Nach meiner Erfahrung sind diese Konflikte aber in der Regel überwindbar, wenn die beteiligten Interessengruppen dies gemeinsam wollen. Genau darin liegt ja die eigentliche Idee der Biosphärenreservate! Man and the Biosphere ? Der Mensch und die Biosphäre ? also ein sehr moderner und Mitwirkung ermöglichender Ansatz.

Was heißt Biosphäre für die Dörfer im Gebiet, für ihre Entwicklung ? und vor allem für die Menschen, die dort leben?
Grundsätzlich ändert sich am normalen Leben und Wirtschaften im hier skizzierten Fall kaum etwas. Die gelegentlich befürchteten Einschränkungen im Wirtschaften könnten ja nur über konkrete Schutzgebietsverordnungen für Teilflächen, die ja in der Regel das Bewirtschaften von Landschaft nicht grundsätzlich verbieten, erlassen werden. Im Falle der beiden Naturparke gibt es ja schon eine Ausstattung mit Schutzgebieten, also eine Zonierung. Sollten weitere Schutzgebiete zur Anerkennung nötig sein, reden wir von einstelligen Prozentanteilen der Gesamtfläche und von Landschaft, nicht von Dörfern. Aus der Sicht von Kommunen sind die verbesserten Chancen in der touristischen Vermarktung sicher von Interesse. Untersuchungen von bereits bestehenden Biosphärenreservaten zeigen, dass sich zusätzliche Fördertöpfe und Entwicklungspotenziale erschließen lassen. Die Unesco-Anerkennung wäre schon ein wichtiger Imagefaktor.

In welcher Form darf Wirtschaft, besonders Landwirtschaft betrieben werden?
Im Grunde in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Biosphärenreservate sollen nachhaltige und umweltschonende Formen der Landnutzung fördern. Das heißt, ein Biosphärenreservat soll schonende Nutzungsformen unterstützen, neue Ansätze durch Modellprojekte entwickeln und erproben, Regionalvermarktung und kleine Kreisläufe fördern. Also mit den Landnutzern, im Sinne von Angebot statt Verbot.

Stärkt oder schwächt diese Ausweisung die touristische Attraktivität?
Ich denke, die überregionale Wahrnehmung und das Image einer Region werden durch die Unesco-Anerkennung deutlich gestärkt. Es wäre schon der Aufstieg in eine andere Liga. Allein die räumlich größere Kulisse beider Naturparke zusammen wäre touristisch besser wahrnehmbar und hätte eine größere "kritische Masse" an Anbietern und Anziehungspunkten. Touristisch müssen wir künftig so oder so größer denken.

Im Dahme-Spreewald-Kreis wurde Ihre Absicht sehr kontrovers diskutiert. Was sagen Sie dazu?
Erst mal gab es ja auch deutliche Zustimmung. Und das insbesondere auch von mir sehr wichtigen Vertretern, etwa der Landwirtschaft. Die in der LR zitierten Kritikpunkte, dass derart große Gebiete nicht der Landwirtschaft entzogen werden sollten, beruht offensichtlich auf einem Irrtum. Biosphärenreservate sollen Kulturlandschaften ? also genutzte Landschaften ? mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen erhalten. Tatsächlich fordert die Unesco für eine Anerkennung eine Kernzone von drei Prozent der Fläche, auf der keine wirtschaftliche Nutzung erfolgen darf. Diese wären in unserem Fall durch Flächeneigentum von Naturschutzstiftungen oder bereits vorhandene Naturentwicklungsgebiete konfliktfrei darstellbar. Es wäre also kein Landnutzer oder Landbesitzer gegen seinen Willen von Nutzungsaufgabe betroffen.

Tja, und dem Hinweis, die beiden Naturparke würden nicht zusammenpassen, kann ich nicht folgen. Da empfehle ich einfach den gezielten Besuch beim jeweiligen Nachbarn. Am besten per Rad und mit offenen Augen für Natur und Menschen. Die Gemeinsamkeiten als Natur- und Kulturraum werden dann hoffentlich sichtbar.

Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand der Antragstellung ? und wie geht es weiter?
Derzeit finden die Informationen in den zuständigen Gremien der Landkreise statt. Parallel entwickelt und diskutiert die regionale Arbeitsgruppe den konzeptionellen Ansatz. Von einer Antragstellung sind wir noch weit entfernt. Ich denke jedoch, bei einem solchen Prozess sind Eile und Ungeduld keine guten Ratgeber. Wichtig sind Informationen und Möglichkeiten der Einbeziehung möglichst vieler Interessenvertreter, damit ein Antrag dann auch wirklich einen breiten regionalen Rückhalt nachweisen kann.

Mit Lars Thielemann sprach Heidrun Seidel.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 8.5.14

http://www.lr-online.de/regionen/senftenberg/Warum-aus-den-Naturparks-eine-Biosphaere-werden-sollte;art1054,4591688