Ganz anders sieht es hinter den Kulissen aus. Hier dreht sich seit geraumer Zeit alles um das Heben des Schatzes, der in den Tausenden von gesammelten Daten der mit Sendern ausgestatteten Tiere steckt. Das Management der Auswertung liegt seit Jahresbeginn in den Händen von Diana Sachs. Die wissenschaftliche Aufbereitung ist nunmehr dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) in Finsterwalde übertragen worden. Wie der Vorsitzende der AG Auerhuhn und Leiter des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, Lars Thielemann, informiert, werde für die Auswertung auf ausgefeilte biostatistische Programme zurückgegriffen, mit deren Anwendung man im Finsterwalder Institut vertraut sei.

Pilotstudie im Finale

Auch wenn sich die Wissenschaftler im Projekt-Beirat dafür ausgesprochen hatten, sich wegen einer größeren Gewichtigkeit der Daten um eine Verlängerung der Pilotphase um ein Jahr zu bemühen, soll die auf drei Jahre bemessene Pilotstudie nun zum Abschluss gebracht werden. Dies korrespondiere auch mit der Lebensdauer der Sender, von denen nun keine Informationen mehr zu erwarten sind. Vom Institut werde Ende Oktober ein Abschlussbericht erwartet, um die Ergebnisse des Projektes insgesamt zum Jahresende vorlegen zu können. Lars Thielemann berichtet von weiteren Erkenntnissen eines Umwelt-Planungsbüros, die aus der Auswertung von Luftbildern resultieren und in die Erhebungen des Finsterwalder Institutes einfließen können. 60 000 Hektar Wald im sogenannten Finsterwalder Ring seien auf der Basis eines Luftbildbefundes einer Qualitätsuntersuchung unterzogen worden. Abgeglichen mit den Aufenthaltsdaten der Auerhühner führe das zu Aussagen darüber, welche Lebensräume die Tiere bevorzugen.

Hahn und Henne sind da

Insgesamt zeigt sich Lars Thielemann zufrieden über die sich abzeichnenden Ergebnisse des Pilotversuches. In beiden Auswilderungsgebieten seien Tiere beiderlei Geschlechts vorhanden. Es seien Hähnen im Umfeld historisch überlieferter Balzplätze gesichtet worden. Ob Hahn und Henne tatsächlich schon zueinander gefunden hätten, dafür gebe es keine eindeutigen Beweise. Einen Luftsprung aller Akteure würde es zweifellos auslösen, wenn irgendwer Ende Mai/Anfang Juni ein Gesperre ? die Jungen einer Brut ? zu Gesicht bekäme. Doch Lars Thielemann bremst diese Erwartung mit Blick auf die äußerst sensible Tierart und Erfahrungen bei deren Wiederansiedlung in Polen. Dort hätten Hennen erst nach fünf Jahren gebrütet. Andererseits sagen die schwedischen Experten, dass es die größte Unmöglichkeit der Welt sei, Tiere von der Reproduktion abzuhalten, wenn es Hähne und Hennen in einem Lebensraum gebe.

In der jüngst stattgefundenen Sitzung der AG Auerhuhn hat Christian Lichtenau aus Buchhain seine Bachelor-Arbeit vorgestellt. Auf der Grundlage von Daten aus der Pilotstudie beschäftigt sie sich mit dem Tagesablauf eines Auerhuhns und verhalf ihrem Schöpfer an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde zu einem sehr guten Ergebnis.

Auf die Unterstützung jedes Naturfreundes, dem in der nächsten Zeit eines der ausgesetzten Tiere zu Gesicht kommt, baut jetzt der Naturparkleiter. Mangels Daten, die noch von den Sendern kommen (können), gewinnen Augenzeugenberichte immens an Bedeutung.

Fotobeweise wertvoll

Lars Thielemann bittet deshalb alle, die ein Auerhuhn oder einen Auerhahn zu Gesicht bekommen, dies der Projektmanagerin oder der Naturparkverwaltung mitzuteilen. Am besten wäre natürlich, wenn es einen Fotobeweis gebe. Diese Daten würden unter Umständen für den in Arbeit befindlichen Projektbericht Verwendung finden. Angesichts bevorstehender Feiertage und langer Wochenenden hoffen die Projektakteure auf solche jetzt immer wichtiger werdenden Augenzeugenberichte.

Kontakt: Auerhuhn-Telefon 0172 7311418