Denn ein wenig unterscheiden sollte sich diese Einweihung schon von anderen, die per Banddurchschnitt oder Sekttaufe vollzogen werde, hatte Uwe Lewandowski, Leiter der Oberförsterei Hohenleipisch im Landesbetrieb Forst Brandenburg, zu der die Station gehört, die Augenzeugen vorbereitet. Indem der Landrat den letzten von insgesamt drei Uhus in die neue Voliere setzte, galt sie am Dienstagnachmittag als offiziell an ihre Nutzer übergeben. Uwe Lewandowski lobte das Engagement aller Mitarbeiter und Firmen, die in der Regie von Falko Göbert, dem Leiter der Station, die Volieren aufgebaut hatten. Auf sechs mal neun Metern in der Fläche und etwa vier Metern in der Höhe haben die Uhus jetzt ein angemessenes Quartier bezogen. Die betagten Tiere waren von der Polizei bei einem privaten Halter beschlagnahmt und über den Tierpark Aue quasi in ihre nun schmucke Seniorenresidenz nach Oppelhain gekommen.

Etwas geschützter auf dem Gelände der Station angeordnet, gibt es jetzt auch für das Auerwild eine Voliere. Viereinhalb mal neun Meter in der Fläche und 3,80 Meter in der Höhe haben hier eine Henne und ein Hahn, erworben von einem Züchter in Döbeln, ein neues Zuhause gefunden. In separaten Segmenten, deren trennendes Gitter nur für die Henne durchlässig ist, kann das Auerwild angeschaut werden. Spätestens seit Beginn des Pilotprojektes zur Wiederansiedlung dieses Wappentiers des Naturparks in der Niederlausitz tat sich immer wieder der Wunsch auf, dass man den viel besprochenen Vogel auch irgendwo lebend sehen können müsste. Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung und der AG Auerhuhn, lobt deshalb am Rande der Einweihungszeremonie die nun realisierte Lösung. In der Station, die nach wie vor ihre Hauptaufgabe als Auffang-, Pflege- und Auswilderungsstation für verletzte Greifvögel und Eulen zu erfüllen hat, seien fachlich versierte Menschen sieben Tage in der Woche für die Tiere da. Dass die als Krankenhaus für Tiere im Jahr 2000 von Forst, Naturpark und Naturschutzbund aus der Taufe gehobene Einrichtung zunehmend auf öffentliches Interesse stieß, beförderte die Entwicklung zum heutigen Stand. Uwe Lewandowski hob in feierlicher Runde den Part von Anni Margarete Erna Schneider aus Hemhofen in Bayern hervor, die der Greifvogelstation testamentarisch 36 000 Euro vermacht hatte. Eine Informationstafel an der Uhu-Voliere würdigt die großzügige Spende, die die Umsetzung der Pläne an der Oppelhainer Station völlig überraschend forciert hatte. Privates Engagement mit großem Effekt für die Öffentlichkeit.

Zum Thema:
Greifvögel und Eulen stehen an der Spitze der Nahrungspyramide und gelten als Indikatoren für den Zustand der Umwelt. Ihre Versorgung, Haltung und Pflege ist schwierig. Die Greifvogelstation nimmt verletzte Greifvögel und Eulen mit dem Ziel der Wiederauswilderung auf. Einher gehen die Erfassung von Krankheiten und Verlustursachen, die Vermittlung an wissenschaftliche Einrichtungen für weiterführende Untersuchungen und die artgerechte Unterbringung bei behördlichen Maßnahmen. Die Greifvogelstation befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Revierförsterei Oppelhainer Pechhütte inmitten der früheren Liebenwerdaer Amtsheide. 1998 wurden die ersten Anlagen errichtet und 2001 die Station offiziell ihrer Bestimmung übergeben. In jedem Jahr werden dort bis zu 80 "Patienten" betreut. Derzeit werden in den Volieren des "Krankenhauses" ein Seeadler, drei Turmfalken, ein Sperber und mehrere Mäusebussarde versorgt. Im vorigen Jahr kamen knapp 1100 Besucher hierher. Neben Oppelhain gibt es in Brandenburg noch eine weitere Station dieser Art – in Woblitz. Beim Füttern über die Schulter schauen – so heißt das neue Angebot der Station für Naturinteressierte. Die nächsten Termine: 29. Juni, 13. und 27. Juli, 10., 17. und 31. August, jeweils 15 Uhr.Kontakt: Telefon 035325 18232.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 19.6.14 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/Schaufenster-fuer-Wappentier-und-Uhu;art96088,4642095