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Die Entdeckung ist für Insider um den Leiter des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, Lars Thielemann, so spektakulär, dass der Brandenburg-Tag gerade attraktiv genug war, um die Nachricht von der erfolgreichen Brut erstmals öffentlich zu machen.

Gestoßen waren die Akteure des Wiederansiedlungsprojektes auf die Feder, nachdem es aus Proßmarke in der Rochauer Heide einen Anruf gegeben hatte. Hier war ein Tier auf einem Hof gelandet. Projektmitarbeiter Frank Raden machte sich auf den Weg, sicherte besagte Feder. Ein genetischer Test wurde in Auftrag gegeben und brachte die Bestätigung: Der genetische Fingerabdruck der mit einem Jahr inzwischen ebenfalls ausgewachsenen Henne passte zweifelsfrei mit dem von der Mutter genommenen Abdruck zusammen. Der Auerhahn jedoch stammt nicht aus der hier gelandeten Testgruppe, er ist in Schweden geblieben und hatte sein Werk vor der Abreise der Henne vollbracht.

Lars Thielemann räumt scherzhaft ein, dass er tagelang das Gefühl hatte, 30 Zentimeter über dem Boden zu schweben. Noch dazu, wo die Mutterhenne eines jener Tiere war, die sich kurze Zeit nach ihrer Ankunft in der Niederlausitz ihres Senders entledigt und sich somit einer Beobachtung entzogen hatten. Und Thielemanns Freude über den Nachweis wird durch eine weitere gute Nachricht unterstützt. Die polnischen Partner im EU-Förderprojekt "Life" in Ruszow, die im Frühjahr die Niederlausitzer Methode übernommen und ebenfalls Tiere aus Schweden geholt hatten, vermelden ebenfalls einen erstaunlichen Erfolg. Ihre zunächst in Quarantäne-Volieren untergebrachten Hennen zeigten sich ebenfalls brutfreudig. Drei von 14 Hennen haben gebrütet. Das eröffne auch für das Niederlausitzer Projekt wieder neue Optionen, die abzuwägen seien, so Thielemann.

Dass man in der Rochauer Heide erst ein Jahr später auf ein offensichtlich erfolgreiches Brutergebnis gestoßen sei, beweise eindrucksvoll: Die Tiere gehen heimlicher mit ihren Küken um, als man denkt. Der Nachwuchs könne durchaus auch übersehen werden. Seit die zu Beginn des Pilotprojektes vor zwei Jahren mit Sendern ausgestatteten Tiere nicht mehr auf diesem Wege aufgespürt werden können, gewinnen Sichtungen in der freien Natur an Bedeutung.

Lars Thielemann stimmt eine weitere, auch von ihm selbst wiederholt gemachte Entdeckung zuversichtlich: die Sandbäder. An der Bodenbeschaffenheit im Auswilderungsgebiet lasse sich erkennen, dass hier Auerhühner im wahrsten Sinne des Wortes ein Bad im Sand nehmen. "Wir wissen, dass die Tiere in der Region anwesend sind", schlussfolgert der Leiter der AG Auerhuhn. Unter den aus Schweden geholten Tieren habe man einen Verlust von 46 Prozent zu verzeichnen. Das sei jedoch gemessen an anderen bisher in Deutschland gelaufenen Projekten absolut einmalig, konstatiert der Fachmann. Im Moment habe man im Übrigen so viele Federn vorliegen, dass man sie aus Kostengründen gar nicht alle genetisch untersuchen könne.

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Gegenwärtig werden in dem Pilotprojekt zur Wiederansiedlung des Auerhuhns in der Niederlausitz die umfangreichen Datensätze ausgewertet, die die Sender in den zurückliegenden zwei Jahren geliefert haben. Die wissenschaftliche Aufbereitung ist dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) in Finsterwalde übertragen worden.

Anders als bei Wolf und Elch, die ihre einstigen Reviere selbstständig wieder in Besitz nehmen, hängt beim Auerhuhn nahezu alles an der Verbesserung der Lebensräume, heißt es aus dem Brandenburger Umweltministerium. Deshalb würden Moore wieder vernässt, der Waldumbau forciert, und es sei eine grundsätzliche Entwicklung zu naturnäheren Wäldern eingeleitet worden.

Die Freude über das erste erfolgreich aufgewachsene Brandenburger Auerhuhn hat auch Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) erfasst. "Jetzt gilt es, die Bemühungen zum Erhalt und der Entwicklung der Lebensräume des Auerhuhns und die Wiederansiedlung fortzusetzen. Denn es geht nicht allein um das Auerhuhn. Findet der einstige Charaktervogel geeignete Lebensbedingungen, profitiert die gesamte Lebensgemeinschaft der Wälder in der Niederlausitz", so die Ministerin.

Der Schutz der biologischen Vielfalt für künftige Generationen sei keine Aufgabe des Naturschutzes allein, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb habe die Landesregierung im April dieses Jahres ein entsprechendes Maßnahmepaket beschlossen.

 

Zum Thema:
Das Pilotprojekt zur Wiederansiedlung des Auerhuhns ist Teil des Artenschutzprogrammes "Auerhuhn" des Landes Brandenburg. Es endet in diesem Jahr mit der Projektdokumentation.Nach dem Aussetzen erster schwedischer Wildfänge im Mai 2012 in der Liebenwerdaer Heide sind weitere Tiere am Pfingstsamstag 2013 in der Rochauer Heide ausgewildert worden. Insgesamt 16 000 Hektar sind als Entwicklungsgebiet für das Tier ermittelt worden. In Deutschland wird der Gesamtbestand auf etwa 2000 Tiere geschätzt. In den zurückliegenden zwei Jahren sind in der Niederlausitz insgesamt 60 Tiere ausgesetzt worden, darunter in beiden Auswilderungsgebieten weniger als eine Handvoll Hähne. Kontakt: Auerhuhn-Telefon 0172 7311418

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 8.7.14 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/nachrichten/brandenburg/Erstes-Brandenburger-Auerhuhn-nachgewiesen;art25,4664981