Früchte, von denen im Supermarkt jede Spur fehlt. Großer Katzenkopf, Kuhfuß, Spansche Knorpel oder rot-gelb gestreifte Schafsnase stehen in der Obstabteilung wohl nirgendwo auf dem Etikett.

Wer also Katzenkopf und Co. probieren will, muss nach Döllingen zu Andrea Opitz. "Wir haben hier alle Hauptobstarten, also Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume", beschreibt die Elsterwerdaerin die Besonderheit vom Pomo-Garten. Und jeder einzelne Apfelbaum trägt eine andere Sorte. 84 von ihnen stehen auf der drei Hektar großen Fläche. Birnensorten gibt es 56. Damit ist das letzte Ass noch lange nicht aus dem Ärmel gezogen: "Wir haben hier außerdem besondere Wildobstarten wie Aronia, Kornelkirsche oder Maulbeere", sagt die studierte Landwirtin und zeigt gen Norden zur Wildobstabteilung. Aber zurück zum "Aha-Effekt". "Den hatte ich zuallererst bei Pflaumen. Diese ganze Palette der Vielfalt kannte ich vorher auch nicht", erzählt die 54-Jährige. Denn im Supermarkt gebe es zwei Sorten, "wenn überhaupt", so Andrea Opitz. Genauso sieht es bei Äpfeln aus. "Ich finde es wichtig, dass die Menschen heute auch noch wissen, wie ein Apfel tatsächlich schmecken kann." Von wegen 20 Mal gespritzt.

Im Pomo-Garten gebe es Obst "ganz ohne Gift". Mit Genuss könne man hier reinbeißen. Andrea Opitz tut das jeden Tag. Mindestens einen Apfel gönnt sie sich. Das hält nicht nur gesund, so lernt sie eben auch regelmäßig neue Sorten kennen. Erst im letzten Jahr ist hier der "Ruhm von Thüringen" gepflanzt worden. "Die Sorte galt als so gut wie ausgestorben." Genau wie die Birne "Grüne Hoyerswerder". Seit 2013 gedeiht sie und ist mittlerweile auch wieder in ihre Heimat nach Hoyerswerda zurückgekehrt. Der Pomo-Garten ist also weit mehr als ein wahres Schlaraffenland für Obstliebhaber. "Wir haben Sorten, die man herkömmlich gar nicht mehr kriegt. Die veredeln wir in Zusammenarbeit mit den Baumschulen", erklärt Andrea Opitz.

Schließlich werden die Gehölze in die Landschaft gesetzt. "Der Garten ist eine Genreserve", bringt sie es auf den Punkt.

Finanzieren lässt sich das hauptsächlich über Einnahmen von Veranstaltungen und Besuchergruppen. Auch Fördermittel fließen in das Projekt. Und dann gibt es da noch die Baumpaten. 96 Bäume sind aktuell vergeben. "Das sind hauptsächlich Privatpersonen, die uns finanziell unterstützen. Dafür können sie die Früchte ernten kommen", sagt die Naturparkangestellte.

Und was passiert mit dem restlichen Obst? "Mein Kofferraum ist gerade voll mit Äpfeln." Das Fallobst chauffiert Andrea Opitz direkt in die Dobraer Hofmosterei. Dort wird es zu Fruchtaufstrich und Saft verarbeitet, den es auch bei der Pomo-Garten-Chefin zu verköstigen und kaufen gibt. Insektenhotel, Kräutergarten, Feuchtbiotop und Imkerlehrstand gehören außerdem zum Areal und komplettieren den Garten als artenreichen Lebensraum.

Im Schnitt finden 8000 Besucher pro Jahr den Weg in das "Paradies", wie Andrea Opitz sagt. Unter ihnen sind auch immer mehr junge Leute. "Den Trend zur gesunden Ernährung merken wir auch bei uns."

Besonders Familienväter würden sich wieder Obstbäume in den Garten holen. Wunschsorten können bei Andrea Opitz auch am kommenden Wochenende bestellt werden. Dann wird der traditionelle Apfeltag gefeiert. Wer schon Äpfel im Garten hat, aber die Sorte nicht kennt, sollte ein Exemplar mitbringen. "Zwei Pomologen werden die Obstsorten bestimmen", verrät Andrea Opitz.

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Öffnungszeiten: Regulär von Mai bis September Montag bis Freitag von 7 bis 12 Uhr sowie jeden letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Individuelle Termine für Gruppen können telefonisch unter 035341 61512 vereinbart werden. Eintritt: 1 Euro pro Person. Mit telefonischer Anmeldung ab zehn Personen kostet eine Führung inklusive Eintritt 3,50 pro Person. Nach Absprache ist auch Kaffeegedeck oder Picknick möglich.Höhepunkte des Jahres: Volksfeste finden immer am 1. Mai zum Blütenfest sowie am letzten Sonntag im September zum Apfeltag statt. Letzterer ist am kommenden Sonntag, 27. September, von 10 bis 18 Uhr mit Regionalmarkt, Baumschnittseminar, Schaukochen und vielem mehr.Das ist in der Region außerdem zu erleben: Für Kremserfahrten oder Radtouren durch die Heidelandschaft gibt es unzählige Routen (z.B. Storchentour, Apfelroute). In der Stadt Elsterwerda gibt es den Miniaturenpark, in Plessa bietet sich ein Besuch der Elstermühle an. Weitere Tipps gibt es im Besucherzentrum Naturparkhaus Bad Liebenwerda unter Telefon 035341 471594.Alle Orte unserer Serie "Freizeitspaß" finden Sie online auch unter www.lr-online.de/freizeitspassRad- und Wandertourentipps finden Sie im Tourenportal der Lausitzer Rundschauund in der kostenlosen App unter www.urlaubsreich-aktiv.de