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19.10.2011 08:36 Alter: 5 yrs

Dem Wappentier ein Stück näher

Fördermittel für Auerhuhn- Projekt im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bewilligt


Je 20 Auerhühner sollen in den Jahren 2012 und 2013 in den Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken ausgesetzt und wissenschaftlich begleitet werden. Die Fördermittel für dieses drei Jahre währende Pilotprojekt sind jetzt bewilligt worden.
Der seit der Wende immer wieder laut gewordene Traum, das einst in der Region ansässige Auerhuhn wieder in seine angestammte Heimat zurückzuholen, kann jetzt mit ersten praktischen Schritten verwirklicht werden.Was da am Montagabend in der Mitgliederversammlung des Fördervereins Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft eher beiläufig erwähnt wurde, kann als Sahnehäubchen jahrelanger Aktivitäten für die Wiederansiedlung des Auerhuhns und als ein besonderes Geschenk im 15. Jahr des Bestehens des Naturparks und im 20. Jahr des Fördervereins betrachtet werden. Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung hat 367 926,58 Euro für ein über drei Jahre reichendes Pilotprojekt freigegeben. Jetzt kann es praktisch angeschoben werden. Simone Schökel, Regionalleiterin beim Landesamt: „Die Argumente im Projektantrag haben überzeugt. Es besteht Hoffnung, eine geschützte Tierart wieder ansiedeln zu können.“ Die Förderung fließt aus dem Topf für die integrierte ländliche Entwicklung – im speziellen Segment für geschützte Arten. 75 Prozent kommen von der Europäischen Union, 25 Prozent vom Land.Für den Leiter der Naturparkverwaltung, Lars Thielemann, kommt dieser Teilerfolg einer Sternstunde bei der weiteren Profilierung des Naturparks gleich. Doch er ist Kenner komplexer Zusammhänge in der Natur und damit Realist zugleich, um den Start des Projektes nicht von vornherein mit einer tatsächlich erfolgreichen Wiederansiedlung des Auerhuhns gleichzusetzen. Geplant ist, je 20 Tiere im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und im benachbarten Naturpark Niederlausitzer Landrücken auszusetzen. Dabei handelt es sich um Wildtiere aus Schweden. Die notwendigen Kontakte dorthin sind in den zurückliegenden Jahren geknüpft worden. Mit dem Aussetzen von Wildtieren werden Schlussfolgerungen aus anderen Versuchen in Deutschland gezogen, in Volieren herangewachsene Tiere in die Wildnis zu entlassen. Die hätten den Versuch nicht überlebt, bezieht sich Lars Thielemann auf Erfahrungen aus dem Bayerischen Wald.Die nunmehr über Jahre in der Region geführten Untersuchungen zu den Veränderungen der Qualität des Lebensraumes bieten die Grundlage für ein Erfolg versprechendes Pilotprojekt. Denn ein Komplex von Ursachen für das Verschwinden der Population in der Region ist im Wandel begriffen. Mit dem Erfolg, dass Kiefernforste wieder in jenes Alter gekommen sind, in dem sich das Auerhuhn zu Hause fühlen kann, dass es Truppenübungsplätze nicht mehr gibt, die dem Tier nicht als langfristiger Lebensort dienen konnten, dass der naturnahe Waldumbau und der Wiederanstieg des Grundwassers Ergebnisse zeigen.Ein für die Entfaltung der Art notwendiges Waldgebiet in einer Größe von 50 000 Hektar ist in den benachbarten Naturparks mit knapp 60 000 Hektar vorhanden. Die Zeit scheint also reif, die Tiere ihr eigenes Urteil sprechen zu lassen. Denn letztendlich können nur sie selbst entscheiden, ob sie eine alte wieder als eine neue Heimat annehmen können.Mit Sendern ausgestattet und vom Menschen nach genauen wissenschaftlichen Kriterien in ihrem neuen Lebensraum begleitet, sollen die insgesamt 40 Tiere am Ende des Pilotprojektes diese Frage beantworten: Hat sich die Landschaft so entwickelt, dass das Auerhuhn als Flaggschiff naturnaher Wälder und damit als lebendes Qualitätssiegel einer Landschaft hier wieder heimisch werden kann? Weitere Tiere könnten dann folgen. Für Lars Thielemann liegt es auf der Hand, dass mit dem Projekt eine hohe Motivation für die Entwicklung naturnaher Wälder verbunden ist: „Das Auerhuhn gehört zu den sogenannten Umbrella (Schirm)-Arten. Wenn es ihm gut geht, dann steht die Qualität des Lebensraumes dafür, dass es unter diesem Schirm auch vielen anderen Arten gut geht.“

Zum Thema:

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus major) lebt in älteren Nadelwäldern mit dichtem Blau- und Preiselbeerunterwuchs. Bevorzugt besiedelt es Kiefernwälder mit vereinzelt stehenden Laubbäumen. Nahrung: Beeren und Blätter von Blau- und Preiselbeere, Grassamen, Sprösslinge. Bis in die 1990er-Jahre wurden Exemplare dieser Art vereinzelt noch im Naturpark beobachtet. Quelle: Naturpark

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 19.10.11 von Gabi Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Dem-Wappentier-ein-Stueck-naeher;art1059,3535921