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23.02.2012 11:15 Alter: 6 yrs

"Projekt wird allen nur nützlich sein"


Naturparkchef Lars Thielemann zeigt die Gebiete der beiden Naturparke, die einmal das gemeinsame Biosphärenreservat bilden könnten. Im Zentrum liegt die Altmoränenlandschaft, die sich zur Eiszeit vor ca. 180.000 Jahren bildete. Foto: H. Lübeck

Region. Die Idee zur Zusammenarbeit der beiden Naturparke „Niederlausitzer Heidelandschaft“ und „Niederlausitzer Landrücken“ zum gemeinsamen Biosphärenreservat nach Kriterien der UNESCO stößt sowohl auf Befürworter als auch Gegner.
„Was bringt uns ein Biosphärenreservat?“, fragt Lutz Schumann aus Hohenleipisch in einen Brief an den WochenKurier und schreibt weiter: „Hohe Auflagen sind in solchen Gebieten von vorn herein ersichtlich. Beim Naturschutz zählt nur das eigene, durch EU-Gesetze total geschützte Management mit seinen Gesetzen und Verordnungen ... damit wurden Barrieren errichtet gegen eine vorerst notwendigere, wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Gebiete.“
Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung des Naturparks „Niederlausitzer Heidelandschaft“, kann zu solchen Vorwürfen nur mit dem Kopf schütteln: „Ich begrüße jede kritische Auseinandersetzung, aber sie sollte sachlich ausgetragen werden, und nicht unter der Gürtellinie“ und bezieht sich besonders auf Äußerungen von Wolfgang Beilich, ebenfalls aus Hohenleipisch, der dem Naturparkchef in einem Leserbrief sogar vorwirft, einen „persönlichen Erfolg“ feiern zu wollen.
„Während einer vierstündigen öffentlichen Debatte  in Hohenleipisch wurden viele Fragen beantwortet. Es wird viel gemunkelt und das Meiste stimmt einfach nicht. Dass die Leute nicht mehr in den Wald gehen dürfen, um Pilze zu sammeln, oder der Sportplatz nicht mehr bewässert werden darf - das ist alles totaler Quatsch. Eigentlich ist der Name ‘Biosphärenreservat’ auch nicht richtig, es müsste ‘Biosphärengebiet’ heißen, denn es wird keine Glocke auf das Gebiet gesetzt, sondern mit den Menschen um mehr Lebensqualität gerungen“, erklärt der Naturparkchef.
Letzteres ist übrigens auch Inhalt des UNESCO-Kriterienkataloges. Darin heißt es: „Die ansässige Bevölkerung ist in die Gestaltung des Biosphärenreservates als deren Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum einzubeziehen.“
Die Kuratorien der Naturparke „Niederlausitzer Heidelandschaft“ (Regionen Bad Liebenwerda, Elsterwerda, Hohenleipisch, Rückersdorf, Doberlug/ Kirchhain) und „Niederlausitzer Landrücken“ (Regionen Dahme, Luckau und Calau) haben sich im Frühjahr 2011 auf eine Zusammenarbeit geeinigt, was einerseits Kosten sparen und andererseits erhebliche Fördertöpfe öffnen könnte. Zum Kuratorium gehören Städte und Gemeinden, Forst und Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt und ansässige Verbände. Im September waren dazu auch die Bürgermeister, Amtsdirektoren und Landräte beider Naturparke zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen. „Die überwiegende Mehrheit fand das Vorhaben sehr attraktiv“, erklärt Lars Thielemann weiter. Durch die drei betreffenden Landkreise (EE, LDS und OSL) wird ein gemeinsames Votum formuliert, das dem Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vorgelegt werden soll. Die Landesregierung stellt nach Prüfung das Projekt dem „Deutschen Nationalkomitee für das UNESCO-Programm ‘Der Mensch und die Biosphäre’“ vor. Erst danach ist die Anerkennung durch die UNESCO in Paris möglich. Ein langer Weg!
„Doch wie streng sind denn nun die Kriterien - und welche Konsequenzen hat es für die Land- und Forstwirtschaft?“, wollen Lutz Schumann und Wolfgang Beilich wissen. „In Deutschland gibt es über 100 Naturparke und 16 Biosphärenreservate. Dort leben Menschen, es gibt ein zivilisiertes Leben und Gewerbegebiete. Klar gibt es Einschränkung. So ist beispielsweise eine Kernzone vorgeschrieben, die mindestens drei Prozent der Gesamtfläche einnehmen muss. Diese ist bei uns schon größtenteils durch Naturschutzstiftungen wie die Sielmann-Stiftung und den NABU gegeben. Ein wichtiges Kriterium ist die Durchführung eines nachhaltigen Forschungsprojektes. Mit Forst und Landwirtschaft arbeiten wir seit Bestehen des Naturparks erfolgreich zusammen. Ein solches Forschungsprojekt kann dem nur nützlich sein“, versichert Lars Thielmann und ergänzt: „Unser Ziel ist es, die Landschaft den Menschen zugänglich zu machen.  Zwang und Verbote haben keine Zukunft und waren auch nie Strategie des Naturparks. Ein erfolgreicher Naturschutz funktioniert nur, wenn er von den Menschen mitgestaltet wird.“   

Auszug aus dem Wochenkurier vom 22.2.12 von Heiko Lübeck

http://www.wochenkurier.info/Redaktion/Bad+Liebenwerda.html?doc=62032