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27.02.2012 09:58 Alter: 5 yrs

Jäger der Nacht auf Sparflamme durch den Winter

Experten kontrollieren Quartiere der Fledermäuse bei Hohenleipisch / 98 Tiere in vier Arten gezählt


Fledermausspezialist Maik Korreng aus Massen führte die Gäste zu den Winterquartieren der Jäger der Nacht. Foto: Holger Pietzsch

Hohenleipisch Zum 20. Mal kontrollierten Akteure der Initiative Fledermausschutz des Landkreises Elbe-Elster in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft die Fledermaus-Winterquartiere im Naturschutzgebiet Hohenleipisch.

Fledermausexperte Maik Korreng aus Massen erklärte den interessierten Begleitern: „Bis zum Herbst legen sich unsere mitteleuropäischen Fledermäuse ein dickes Fettdepot zwischen den Schultern und dem Hals zu, um den Winter in frostfreien Höhlen, Stollen, Zisternen, Kellern und Bunkern zu verschlafen.“ Durch das Absenken der Körpertemperatur und das Reduzieren der Herz- und Atemfrequenz würden Fledermäuse ihren Energieverbrauch auf Sparflamme halten, da während der Wintermonate keine Insekten als Nahrung zur Verfügung stehen.

Seit dem Abzug der russischen Streitkräfte aus dem Areal bei Hohenleipisch wurde auf Initiative von Renate Albrecht und Ralf Bekker, beide vom Biologischen Arbeitskreis Bad Liebenwerda, im Jahr 1992 erstmals damit begonnen, die meist oberirdisch angelegten Bunker auf winterschlafende Fledermäuse zu kontrollieren. Daraus hat eine Tradition entwickelt, die jetzt unter Leitung von Maik Korreng zur 20. Fledermaus-Winterquartierkontrolle führte.

Maik Korreng erklärt: „Einmal im Jahr, meist zum Ende des Winters, so lautet die Vorgabe des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, sind im Land Brandenburg die bekannten Fledermaus-Winterquartiere durch Fledermauskundler zu kontrollieren. Zur Kontrolle des sogenannten Gebietes Muna III kommen Fledermauskundler aus Berlin, Sachsen und Brandenburg, die die etwa 100 Bunker und Keller auf Fledermäuse untersuchen. Dabei werden Arten, Anzahl, Hangplätze sowie äußerliche Auffälligkeiten wie zum Beispiel Parasitenbefall oder mit Armklammern versehende Tiere dokumentiert. „Generell gilt, dass keine Tiere angefasst werden, da dies zu einer erheblichen Störung führt. Sie führt aufgrund der Lethargie der Fledermaus zu einem zeitverzögerten Aufwachen“, erklärt Maik Korreng. Das habe wiederum zusätzlichen Energieverbrauch zur Folge. Geschehe dies mehrmals in einem Winter, so würden die Reserven aufgebraucht und die Fledermäuse könnten an Entkräftung sterben.

Bei der dieser Tage durchgeführten Kartierung ließen sich insgesamt 98 Fledermäuse in vier Arten erfassen. Erfreulich sei der steigende Besatz der in Deutschland und in Brandenburg in der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführten Mopsfledermaus, die mit 42 Tieren nachgewiesen werden konnte. An zweiter Stelle folgt das Braune Langohr mit 38 Tieren. Zu den weiteren Arten gehörten das Graue Langohr und die Breitflügelfledermaus.

Aufgrund der hohen Anzahl überwinternder Mopsfledermäuse habe der Bunkerkomplex „Muna III“ eine überregionale Bedeutung, weiß der Experte. Der Schutz der Quartiere sei unverzichtbar für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Das Naturschutzgebiet Hohenleipisch biete mit seinen strukturreichen Waldbereichen, den unterschiedlichen Gebäuden und wieder entstandenen Lichtungen einen idealen Lebensraum für Fledermäuse.