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< Pilotprojekt zur Rückkehr des "großen Hahns" wird vorgestellt
07.03.2012 09:13 Alter: 5 yrs

Flüge für erste Auerhühner aus Schweden werden jetzt gebucht

Wiederansiedlung ein Stück näher in der Wirklichkeit


Ende April sollen in Nordschweden die ersten 30 Auerhühner gefangen und unverzüglich in die Niederlausitz geholt werden. Ein seit 15 Jahren geträumter Traum von der Wiederansiedlung des einstigen Wappentiers nähert sich der Wirklichkeit.

„Es wird so das eine oder andere erzählt“, stieg Uwe Lindner am Montagabend im Gasthaus „Zum Elstertal“ in Zeischa in seinen Vortrag über die Wiederansiedlung des Auerhuhns in der Niederlausitz ein. Dass mancher sogar von schon ausgesetzten Auerhühnern wissen will, verneinte der Projektkoordinator mit Nachdruck. „Von uns jedenfalls ist noch kein Tier ausgesetzt worden“, versicherte er gegenüber der RUNDSCHAU. Ende April sollen in der Nordschwedischen Provinz Västerbotten in freier Wildbahn lebende Tiere eingefangen und auf kürzestem Wege via Flugzeug in die Niederlausitzer Heidelandschaft gebracht werden. Uwe Lindner zeigte den interessierten Naturfreunden und Partnern des Projektes an diesem Abend Fotos, wie das mittels großer Kescher von fahrenden Fahrzeugen aus gelingt. Wenn die Tiere an den schneefreien Straßenrändern nach frischem Grün suchen, lassen sie sich an relativ gut kalkulierbaren Orten auffinden. „Wenn man weiß, wie es geht, ist es kinderleicht“, hat Uwe Lindner von gestandenen Wildfängern gelernt. Geprobt werden soll vorab noch mit Unterstützung von heimischen Geflügelzüchtern, wie den Tieren vor ihrer Entlassung in die Niederlausitzer Natur modernste Satellitentelemetrietechnik angelegt wird. Das soll für die Tiere möglichst stressfrei geschehen, das heißt, dass die Handgriffe vorher geübt werden müssen. 44 Gramm schwer wird der Technik-Rucksack für die vier bis fünf Kilogramm schweren Hähne sein, zwischen 27 und 30 Gramm sollen die leichteren Hennen angelegt bekommen. Ziel ist, dass der Aufenthalt der sehr scheuen Tiere in ihrem neuen Lebensraum in der Liebenwerdaer und der Rochauer Heide jederzeit bestimmt werden und die Daten für die wissenschaftliche Auswertung verwendet werden können. Projektleiter Uwe Lindner macht in Zeischa keinen Hehl aus der großen Herausforderung, die mit dem Projekt verbunden ist. Bisherige Wiederansiedlungsversuche seien andernorts fast alle fehlgeschlagen. Erst nach Ende der bis zum Jahr 2014 reichenden Pilotstudie sei die Entscheidung zu treffen, ob es Sinn mache, die Wiederansiedlung tatsächlich anzugehen. In zwei Schritten werden jetzt zunächst im April 2012 und ein Jahr später noch einmal 30 Tiere in die Niederlausitz geholt. Uwe Lindner spielt mit offenen Karten: „Die Ansprüche der Tiere sind unglaublich hoch.“ Nach mehr als 15 Jahren der Vorbereitung des Projektes, des Zusammenwirkens vieler Partner und vor allem der sich zugunsten der Tiere veränderten Lebensbedingungen, sieht er jedoch eine realistische Chance für den Erfolg des Vorhabens. Wann von Erfolg zu sprechen sei, hieß eine Frage aus dem Saal. Das sei noch genau zu definieren. „Überleben mit Reproduktionserfolg“, gibt Uwe Lindner die Richtung an. Wenn von den fünf bis 12 Eiern, die eine Henne lege, im Herbst ein Küken bliebe, dann sei das ein Erfolg. Vorschlag aus der Runde: Die Erlegerprämien für Raubwild erhöhen, um „die wunderbaren Tiere nicht ins Messer laufen zu lassen“. Am Anfang sei das sehr sinnvoll, erklärte Uwe Lindner. Man sei zu dieser Frage noch im Gespräch. Kritische Stimmen zu Einschränkungen für die Waldnutzung durch den Menschen wurden an diesem Abend ebenso laut wie der Appell, dem seltenen Tier seinen Entfaltungsraum zu geben und sich darüber zu freuen.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 7.3.12 von Gabi Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/Fluege-fuer-erste-Auerhuehner-aus-Schweden-werden-jetzt-gebucht;art96088,3711185