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19.03.2012 08:39 Alter: 6 yrs

Wasser in geschützter Moorlandschaft nervt Anwohner

In Hohenleipisch wird Kritik an der Renaturierung des Moores im Naturpark laut / Vor-Ort-Visite mit Forstleuten und der Parkverwaltung


Im wieder belebten Moor im Naturschutzgebiet Loben diskutieren Uwe Lewandowski, Lutz Schumann, Lars Thielemann, Rolf und Wolfgang Neustadt sowie Christoph Mertzig (v.l.) über Entwicklungen im Landesforst und Auswirkungen auf angrenzende private Flächen. Fotos: gb

Hohenleipisch In Hohenleipisch kocht der Volkszorn hoch. Wasser im Moorgebiet, in Wäldern und auf Wiesen im Naturschutzgebiet wollen einige Kritiker nicht hinnehmen. Sie stellen sich damit gegen ein ganzes Paket von Beschlüssen und Weichenstellungen, die für die Entwicklung des Gebietes zum Teil schon vor Jahren gefasst beziehungsweise gestellt wurden.

Lutz Schumann ist in seiner Kritik nicht zu bremsen. Im Schritttempo fährt er entlang des befestigten Forstweges durch das Naturschutzgebiet bei Hohenleipisch, hält alle paar Meter und weist auf die unter Wasser stehenden Waldflächen hin. "Die Bäume gehen ein und es entwickeln sich Mücken, die Krankheitsüberträger sind und sich bis hinauf zum Sportplatz ausbreiten werden", prophezeit er. Rückendeckung hat er bei dieser Rundfahrt von Wolfgang und Rolf Neustadt. Und sie wiederum wissen in Hohenleipisch noch weitere Kritiker der Entwicklungen im Naturpark hinter sich. Argumente, die für die gezielt beförderten Veränderungen der Landschaft sprechen, haben es schwer.

Dennoch sind der Leiter der Naturparkverwaltung, Lars Thielemann, Uwe Lewandowski, Leiter der Oberförsterei Hohenleipisch, und Christoph Mertzig, Leiter der Landeswaldoberförsterei Doberlug, zur gemeinsamen Waldbesichtigung gekommen. Sie stellen die Fakten aus ihrer Sicht dar. Danach vollzieht sich in der Natur bei Hohenleipisch ein von Menschen gewollter Prozess, der seine Grundlage bereits in dem 2004 im Land Brandenburg begründeten Programm zur Revitalisierung von Waldmooren hat. Waldumbau und Wasserbau sollen maßgeblich zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes beitragen. Anfang des Jahres 2006 folgte ein Moorschutzrahmenplan.

In diesem Jahr, so weiß Anja Passin vom Gewässerunterhaltungsverband "Kleine Elster-Pulsnitz", wurde in einem Monitoring zu den im Naturschutzgebiet realisierten Maßnahmen festgestellt, dass die Ziele zur Vernässung der Moorgebiete erreicht worden sind. Alle Maßnahmen, die vom Verband ausgeführt wurden, seien zuvor durch alle Instanzen gegangen – bis hin zur öffentlichen Auslage im Amt Plessa.

Doch für Wolfgang Neustadt, selbst Gemeindevertreter in Hohenleipisch, steht dennoch die Frage: "Wer will das Moor?" Lutz Schumann zieht entgegen einschlägiger Fachurteile in Zweifel, dass Hohenleipisch wirklich über ein so wertvolles, schützenswertes Moorgebiet verfügt. Für ihn ist es ebenso unerheblich, dass sich die Maßnahmen auf Flächen abspielen, deren Eigentümerin das Land Brandenburg ist. Dass sich gegenwärtig Vernässungen bis auf private Wiesenflächen ausdehnen, zeigt sich bei einer weiteren Station des Rundkurses. Udo Hofmann, einer der betroffenen Privatleute, sorgt sich um die Qualität der Fläche, die einst dem Großvater gehörte, dann zur Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) ging und nun wieder in die Familie zurückübertragen wurde. "Die Qualität dieser Flächen ist Ergebnis falscher Bewirtschaftung", ist sich Lars Thielemann sicher.

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Wiesen, die von der Agrargenossenschaft Sorno bewirtschaftet würden, befänden sich in einem Top-Zustand. Hier hingegen sei seit vielen Jahren nicht mehr gemäht worden. Auch für Christoph Mertzig liegt kein Grund für die große Aufregung vor, vielmehr die Lösung auf der Hand: "Die Bewirtschaftung ändern." Udo Hofmann will diese Argumentation bald selbst auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen.

Lutz Schumann scheint auch nach allen Erläuterungen weiter unzufrieden. Dass in den nun wieder vernässten Moorgebieten die nach der Trockenlegung des Gebietes wild gewachsenen Bäume nun "alle krachen gehen", wie es Wolfgang Neustadt und Lutz Schumann bedauern, sieht Uwe Lewandowski von einer ganz anderen Seite. Gemäß des Moorschutzprogrammes des Landes stünden nicht die Holznutzung, sondern die natürliche Entwicklung im Vordergrund. Gesunde Moore binden Kohlendioxid, das andernfalls in die Atmosphäre entweichen würde.

Dass derzeit das Wasser auch im Wald entlang der sogenannten Goldgrubenlinie so hoch steht, wie es Wolfgang Neustadt lange nicht erlebt hat, sehen Forstleute und Naturparkchef gelassen. Uwe Lewandowski: "Hier hat es immer Schwankungen gegeben, auch große Trockenheit. Warten wir mal ein paar Wochen ab." Lars Thielemann plädiert dafür, die Kirche im Dorfe zu lassen: "Hier fahren Harvester in den Wald, die Bestände werden genutzt."

Hubertus Brückner, Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes "Kleine Elster-Pulsnitz": "Die Wiedervernässung des Lobenmoores ist erklärtes Ziel, und wir stehen hundertprozentig dazu." Wenn es in den Randbereichen Probleme gebe, könnte mit dem Verbandstechniker ein Vor-Ort-Termin vereinbart werden. Warum nun auch der Weg zwischen den Seerosenteichen vernässt sei und ob das mit dem Jagdrevier von Uwe Lewandowski zusammenhinge, war eine weitere Frage. Der Forstmann verweist auf eine Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde. Und im Gewässerunterhaltungsverband weiß Anja Passin Bescheid: "Es handelt sich um ein beruhigtes Gebiet, in dem im Frühjahr Amphibien unterwegs sind. Außerdem ist es kein öffentlich gewidmeter Weg."

Hohenleipischs Bürgermeister Wolfram Herold (CDU) kennt natürlich all die Diskussionen und Kritiken rund um das Naturschutzgebiet vor der Haustür und wünschte sich eine sachlich-gelassene Betrachtung. Er hat gerade fern der Heimat eine Urwaldlandschaft erlebt, die touristisch auf wenigen Wegen zu erleben ist. Herold sieht für die Zukunft eine Chance für Hohenleipisch darin, aus dem Moor, das schließlich etwas Besonderes sei, "mehr herauszuschlachten". Angesichts drohender Versteppung sei es auch nicht schlecht, ein kleines Wasserreservoir zu haben. Aber, und da steht der Bürgermeister auf der Seite der Kritiker, man müsse genau hinschauen, was passiert. Auch wenn das Land Eigentümerin der Flächen sei.

Zum Thema:
Das Naturschutzgebiet "Der Loben" bewahrt eines der schönsten, größten und letzten Moore unserer Heimat und zugleich der gesamten Lausitzer Region. Mit einer Größe von 670 Hektar und der geplanten Erweiterung auf 1700 Hektar ist der Wald-, Wiesen- und Moorkomplex im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft zwischen Gorden, Hohenleipisch, Döllingen und dem Grünewalder Lauch der Geheimtipp für eine Entdeckungstour rund ums geheimnisvolle Moor. Moore sind "Kinder" der Eiszeit. Seit 12 000 Jahren entwickelt sich das Moor im Loben. Das Hauptproblem des Gebietes, die Entwässerung, hat ihren Ursprung bereits im Jahr 1745 mit der Anlage des Floßgrabens. Intakte Moore gelten als wichtige Kohlendioxid-Speicher. Sie haben große Bedeutung für den Landschaftswasserhaushalt und sind Lebensraum für viele spezialisierte, teilweise gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Der Landesbetrieb Forst hat im Jahr 2011 insgesamt 500 000 Euro im Landeswald eingesetzt, um Moore zu erhalten und zu schützen. Quelle: Naturpark

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 17./18.3.12 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Wasser-in-geschuetzter-Moorlandschaft-nervt-Anwohner;art1059,3725323