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< Störche in der Kurstadt und Plessa gelandet
10.04.2012 08:53 Alter: 5 yrs

Auerhühner landen erst im Mai

Schneemassen in Schweden verzögern das Fangen der Tiere / Vorbereitungen in Endphase


In solchen Kartons sollen die Auerhühner von Schweden in die Niederlausitz transportiert werden. Projektkoordinator Uwe Lindner (l.) und Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung, sind auf dem Sprung. Sie hoffen, Mitte Mai die Tiere abholen zu können. Fotos: Gabi Böttcher

Bad Liebenwerda. Jetzt geht das Auerhuhn-Projekt in seine letzte Vorbereitungsphase. Die Bezirksregierung der nordschwedischen Provinz Västerbotten hat der Naturparkverwaltung in Bad Liebenwerda in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die Wildtiere, die in ihrer Region gefangen werden sollen, kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Der Fangtermin hat sich allerdings auf Mitte Mai verschoben.

</header><//header><figure align="left" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure><figcaption class="articleImageCaption"></figcaption>In solchen Kartons sollen die Auerhühner von Schweden in die Niederlausitz transportiert werden. Projektkoordinator Uwe Lindner (l.) und Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung, sind auf dem Sprung. Sie hoffen, Mitte Mai die Tiere abholen zu können. Fotos: Gabi Böttcher</figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Der noch immer meterhoch liegende Schnee in Schweden verzögere das Einfangen der Tiere, erklärt Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung. "Das verschafft uns noch ein wenig Luft für die Vorbereitungen, die wir gut gebrauchen können", schiebt er nach. Im Büro von Auerhuhn-Projektleiter Uwe Lindner lehnen noch jungfräulich zusammengefaltete Pappen an der Wand. Eine von ihnen hat schon die Form eines Transportkartons angenommen. Dieser ist sozusagen das Pilotmodell der kurzzeitigen "Unterkünfte", die den 30 Tieren ihren Weg von Schweden in den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft verträglich machen sollen. In die "Wände" einstanzte Luftlöcher, eine Schaumstoffverkleidung im Kopfbereich und eine "Schiebetür" für den möglichst gefahrfreien Ein- und Ausstieg der Tiere sind angebracht. Außen werden noch Styroporelemente befestigt, um die Abstände zwischen den Kartons zu fixieren, wenn sie dicht an dicht im Flugzeug aufgereiht werden.

Sender wiegt 40 Gramm

Neben den Kartons stehen die noch verpackten Sender, die den Tieren nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat wie ein Rucksack angelegt werden sollen. 40 Gramm bringen die Sender auf die Waage. Sie werden mit einem speziellen, in den USA produzierten Teflonband mit dem Körper der Tiere verbunden. Das Band muss über lange Zeit Wind und Wetter widerstehen, um so die gewünschten Daten über den Aufenthalt und die Bewegung der Tiere vom Sender zum Menschen transportieren zu können. "Die Sender müssen wir alle noch auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüfen. Wenn die Tiere da sind, ist es dafür zu spät", erklärt Uwe Lindner.

Eine gehörige Portion Aufregung liegt mittlerweile im Naturparkhaus in der Luft. Schließlich muss eine Punktlandung hinbekommen werden. Die entscheidenden Weichen werden mit dem glücklichen Moment des Einfangens der Tiere gestellt. "Wir sind regelmäßig in E-Mail-Kontakt mit Schweden", so Lars Thielemann. Für Uwe Lindner und ihn sowie zwei weitere Helfer ist für die ersten Maiwochen Bereitschaft angesagt. Denn wenn der Schnee von den Wegrändern weicht, an denen sich die Tiere zur Futtersuche einfinden und erfolgreich gefangen werden können, muss alles schnell gehen. "Wir möchten die 30 Tiere gern in anderthalb Tagen gefangen haben", erklärt Lars Thielemann. Das würde die Wartezeit bereits gefangener Vögel kurz halten und einen Transport in einem Ritt ermöglichen. Sollte sich das Fangen über längere Zeit hinziehen, müsste ein schrittweiser Transport in den Naturpark per Flugzeug und Fahrzeug erfolgen. Auf diese Notvariante hoffe niemand, man müsse aber darauf eingestellt sein.

 

Zäune markieren

Eingestellt auf die Ankunft der ersten 30 von insgesamt 60 Tieren sind seit langem Förster, Jäger und Naturschützer in der Liebenwerdaer Heide. Die zweite Gruppe der Tiere wird im kommenden Jahr in der Rochauer Heide ausgesetzt. Insgesamt 27 Kilometer Forstschutzzäune, die für das Auerhuhn lebensgefährlich sein können, werden mit Bändern versehen, an denen blaue, grüne und braune Lappen befestigt sind und den Tieren das Hindernis anzeigen sollen.

"Wir möchten das Auerhuhn-Projekt so transparent wie möglich machen. Dabei gehen wir davon aus, dass wir Menschen den Tieren die Ruhe und die Zeit lassen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden und zu akzeptieren, dass sie sehr sensibel sind", unterstreicht Lars Thielemann. Und Uwe Lindner verdeutlicht, dass die Hennen, von denen man hofft, dass sie bereits getreten sind, wie es in der Fachsprache heißt, ihre Eier über mehrere Tage legen. Bei fünf bis zehn Eiern je Henne und einem Ei je Tag lege das eine längere Zeit der besonderen Rücksichtnahme nahe. Um so erfreulicher könnte dann das ersehnte Ergebnis sein: Wenn "kleine Schweden" in der Niederlausitz das Licht der Welt erblicken.

Wanderschau informiert

In der Vorbereitung befindet sich gegenwärtig eine eigene Projektseite, die über den Pfad des Fördervereins des Naturparks im Internet zu finden sein wird. Eine Wanderausstellung, die zum Auftakt in der Sparkasse Elbe-Elster in Finsterwalde gezeigt werden soll, wird Informationen über das einzigartige und ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekt des einst in der Region heimischen Tieres zu den Menschen bringen. Parallel wird die Reihe von Informationsveranstaltungen zum Thema fortgesetzt. Am 19. April steht in der Plessaer Elstermühle die konstituierende Sitzung eines Beirates für das Auerhuhn-Projekt ins Haus. In diesem Beirat sollen Akteure aus den verschiedensten Bereichen das Vorhaben begleiten.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 10.04.12 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Auerhuehner-landen-erst-im-Mai;art1059,3752273