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< Auerhühner aus Schweden im Anflug
21.05.2012 09:24 Alter: 5 yrs

Superstars aus Schweden in der Lausitz ausgesetzt

Das Auerhuhn ist als einstiger Charaktervogel der Region Hauptdarsteller in Pilotstudie / Ministerin lobt Engagement


Vor dem Abflug in die Heide: ein Auerhuhn auf dem Arm von Naturparkchef Lars Thielemann, Ministerin Anita Tack und Falko Göbert von der Greifvogelstation in Oppelhain schauen zu. Im Hintergrund Auerhuhn-Projektleiter Uwe Lindner. Foto: Veit Rösler / vrs1

Bad Liebenwerda Bis auf ein leicht verletztes Tier sind alle in Schweden eingefangenen Auerhühner jetzt im Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa ausgesetzt. Am gestrigen Freitag legten die vorletzten zwei von insgesamt 27 Tieren einen Traumstart in den Lausitzer Wald hin. Was Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) zu der wohl gleichzeitig als Wunsch und Auftrag zu verstehenden Prognose veranlasste: "Die werden sich hier wohlfühlen." 

Wie Superstars fanden sich die Tiere im Licht durchfluteten Waldstück im Fokus vieler Kameras wieder. Von Lars Thielemann, dem Leiter der Naturparkverwaltung, vorsichtig aus ihren Transportkartons heraus- und ein letztes Mal auf den Arm genommen, nutzten sie diesen schließlich als Startrampe in ihr neues Leben. "Eigentlich müssten sie sich wie im Schlaraffenland fühlen", so Thielemanns Kommentar. Denn die Tiere finden im hiesigen Naturschutzgebiet einen reich gedeckten Tisch vor, während sie noch zu Wochenbeginn die ersten grünen Hälmchen an den gerade vom Schnee befreiten Wegesrändern in ihrer schwedischen Heimat suchen mussten. Diese Wegesränder waren dann auch der Ort, an dem die Tiere zu vermuten und tatsächlich einzufangen waren. Während Lars Thielemann, Auerhuhn-Projektleiter Uwe Lindner und die schwedischen Wildfänger am Montag nur ein einziges Tier fangen konnten, besserte sich die gegen den Nullpunkt gedrückte Stimmung am Dienstag und Mittwoch. Nahezu ohne Schlaf ging das Fangen, Untersuchen, Beringen und das Aufnehmen von Daten der Vögel voran. "Ich habe meinen Wecker nie zuvor unter einer Stunde eingestellt", verdeutlichte Uwe Lindner die Anspannung. Möglichst kurz sollte die Zeit sein, in der sich die Tiere in einer Stresssituation befinden würden. Schon am Mittwochabend landete das Kleinflugzeug schließlich auf dem Flugplatz in Schacksdorf. Nach sieben Stunden Flug waren Thielemann und Lindner mit ihrer wertvollen Fracht "kaputt, aber glücklich" an einem ersten Etappenziel angekommen. Eine Zwischenstation legten die Tiere danach in der Greifvogelstation in Oppelhain ein, in der sie nochmals genau unter die Lupe genommen und ihnen die Sender angelegt wurden. Diese ermöglichen nun eine wissenschaftliche Begleitung der Neuankömmlinge. Ein Wermutstropfen: Unter den 27 Tieren befindet sich kein einziger Hahn. Man habe noch Mittwochnacht versucht, einen Hahn zu fangen. Dies habe sich als extrem schwierig erwiesen und sei nicht gelungen, erzählt Lars Thielemann. Die Tiere stünden in der Balz derart unter Strom, dass auch zu befürchten gewesen sei, sie könnten den Transport nicht unbeschadet überstehen. Ein Problem stelle das Fehlen eines Hahns jedoch nicht dar. Denn die Hennen seien nach dem Anschein alle getreten und unter dem Nachwuchs würden sich dann sicher auch Hähne befinden, wenngleich diese aber eine Zeit bis zur Geschlechtsreife benötigen. Die schwedischen Partner hatten den Lausitzern zudem sofort das Angebot unterbreitet, im Herbst noch einmal gezielt auf Hahn-Fang zu gehen. Wie es aussieht, wird dieses Angebot angenommen werden. Landrat Christian Jaschinski, der als Vorsitzender des Fördervereins des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft zugleich für den Träger des Projektes das historische Geschehen verfolgte, zeigte sich jedenfalls angetan von der Idee.

Bei aller Euphorie, die sich gestern unter dem offiziellen "Begrüßungskomitee" für die Tiere breit machte, weiß jeder der Fachleute: Der Ausgang der Pilotphase für das Wiederansiedlungsprojekt ist offen. Bei allen vorab möglichen Abwägungen und Abschätzungen von Lebensbedingungen und möglichen Reaktionen der Tiere könne nur der reale Test Aufschluss geben. Erst wenn dieser erfolgreich sei, könne an eine tatsächliche Wiederansiedlung gedacht werden.

Umweltministerin Anita Tack würdigte den langen Atem der Akteure, der über zehn Jahre der Projektvorbereitung anhielt. Es sei eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, Artenvielfalt zu erhalten und dem Aussterben von Arten entgegenzuwirken. "Ich hoffe, dass die Auerhühner zur Kenntnis nehmen, dass ihr neuer Lebensraum aufgewertet wurde." Die Arbeitsgruppe, die das Projekt vorbereitet habe, sei beispielhaft für Brandenburg. "Ich wünsche mir, dass die Wiederansiedlung ein großer Erfolg wird", sprach die Ministerin gestern wohl allen aus dem Herzen.

Zum Thema:
Das Auerhuhn gehört zur Ordnung der Hühnervögel und ist der größte Vertreter der Familie der Fasanenartigen in Europa.Die Paarungszeit dauert bis Ende April. Kommentar von Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes: "Der Zeitpunkt des Fangens war optimal." Lars Thielemann: "Ich war froh, dass die Hennen nicht schon im Flugzeug Eier gelegt haben. Jetzt könnte es sein, das sie sich nicht so weit verstreuen."Der Bestand der Auerhühner in Deutschland wird auf 2000 bis 4000 Tiere geschätzt, sie leben vor allem im Schwarzwald und im Alpenraum. Das Artenschutzprogramm "Auerhuhn" des Landes Brandenburg weist in der Niederlausitz sieben Entwicklungsgebiete aus. In zwei von ihnen, der Liebenwerdaer und der Rochauer Heide, werden Tiere ausgesetzt. Quelle: Naturpark

Auszug aus der LausitzerRundschau vom 19./20.5.12 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Superstars-aus-Schweden-in-der-Lausitz-ausgesetzt;art1059,3802305