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28.06.2012 09:20 Alter: 5 yrs

Vier Auerhühner tot und keine kleinen Schweden

Naturparkchef Lars Thielemann spricht von erwartetem Verlust / Dritte Basisstation zum Erfassen von Daten an Forstleute übergeben


Dieses Auerhuhn flog dem Naturfreund Ingo Decker im Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa förmlich vor die Linse. "Ich war mit dem Rad unterwegs, da flog es in den Baum. Das war ein Glückstreffer", freut sich der Hobbyfotograf. Sofort sei ihm klar gewesen, dass es sich um ein Auerhuhn handele. Foto: Ingo Decker

Bad Liebenwerda Sechs Wochen nach der Auswilderung von 26 Auerhühnern in der Liebenwerdaer Heide sind die ersten Wermutstropfen zu vermelden: Vier Tiere sind tot aufgefunden worden. Vergleichbare Ansiedlungsprojekte heranziehend, wertet dies der Leiter der Naturparkverwaltung, Lars Thielemann, nicht als Überraschung.</figcaption><//figcaption></figure><//figure>

"In der besonders kritischen Phase der ersten zwei Monate lagen die Zahlen anderswo weitaus höher", so Thielemann. Und er will keiner Illusion Raum geben. Es sei mit weiteren Verlusten zu rechnen.

Noch ein Wermutstropfen mischt sich hinzu: Die Hoffnung, dass in der Niederlausitzer Heide kleine Schweden das Licht der Welt erblicken könnten, scheint sich nicht zu erfüllen. Durch einen außergewöhnlich langen Winter seien die Tiere vermutlich doch nicht "getreten" gewesen, wie es in der Fachsprache heißt. Und das ganz im Gegensatz zu der Annahme der schwedischen Wildfänger, die die Lausitzer Naturparkleute schon auf eierlegende Hühner während des Fluges nach Deutschland eingestimmt hatten. Zumindest gebe es bislang keine Anzeichen für brütende Tiere, erklärt der Naturparkchef. Also auch kaum Aussicht auf Hähne aus "eigener Aufzucht".

Umso wichtiger wird nunmehr eine erneute Fangaktion im Herbst in Schweden, für die derzeit die Vorbereitungen getroffen werden. Dort sollen dann nicht nur Hähne, sondern auch weitere Hennen gefangen werden. In der Rochauer Heide soll es nun schon zu einem auf diesen Herbst vorgezogenen Aussetzen von Tieren kommen.

Die vier toten Vögel waren mit Sendern ausgestattet gewesen. 19 der 26 Auerhühner waren in den Tagen um den 18. Mai mit einer solchen technischen Begleitausrüstung in das Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa entlassen worden. Bei den Todesursachen lasse sich nur bei einem Tier relativ sicher auf sogenannte Prädatoren (Beutegreifer) schließen. Es sei vermutlich von einem Habicht auszugehen, so Lars Thielemann. Ein zweites, zuletzt gefundenes Tier könne bereits unmittelbar nach dem Aussetzen verstorben sein, eventuell durch. Die Überreste ließen zumindest einen eindeutigen Schluss auf Prädatoren nicht zu.

Besonders bedauerlich sind die Umstände der zwei anderen zu Tode gekommenen Tiere. Eines hatte sich auf den Hof eines Grundstückes in einem Dorf verirrt und ist vom Haushund getötet worden. Das andere ist gegen einen Funkmast geflogen. Nach der Jagd und den Prädatoren gelte zum Beispiel in Schweden der Anflug auf technische Infrastruktur wie Strommasten und Leitungen als dritthäufigste Todesursache, erklärt der Naturparkchef.

Insgesamt sind nach sechs Wochen in der neuen Heimat noch 15 Tiere mit einem Sender unterwegs. Dies sei im Vergleich zu bisher in Deutschland gelaufenen Projekten absolut einmalig, so Thielemann. Aus den bisher ermittelten Daten können erste, wenn auch sachte Schlüsse gezogen werden. "Die klassische Such- und Orientierungsphase scheint noch immer anzudauern", so Lars Thielemann. Lediglich bei einem Tier hätten sich in der vorigen Woche Hinweise darauf gehäuft, dass es sich etabliert haben könnte – und das in einem bewirtschafteten Kiefernbestand mit Wuchslücken.

Eher nicht vorhersehbar war, dass sich die Auerhühner in einem drei- bis viermal so großen Gebiet bewegen, als ursprünglich angenommen. Das zeige, dass die Tiere verschiedene Waldgebiete als funktional zusammenhängend und somit als Ganzes anerkennen. Um die Menge der verwertbaren Daten über die Tiere zu erhöhen, ist in der vorigen Woche zu den zwei bisher verfügbaren eine dritte Basisstation zum Auslesen der Daten hinzugekommen. Sie ist an die Forstleute in der Arbeitsgruppe Auerhuhn übergeben worden. Da sie sich ohnehin häufig in Waldgebieten aufhalten, dürfte das sehr aufwendige Auslesen der Daten in einem Abstand von bis zu 200 Metern vom Sender mit nunmehr drei Stationen zu mehr Ergebnissen führen. Etwa 80 Prozent der gesichteten Tiere seien bislang von den am Auerhuhn-Projekt Beteiligten aufgefunden worden.

Mit der Zeit des beginnenden Pilzesammelns könnten auch mehr Externe ein Tier vor Augen bekommen, vermutet Lars Thielemann. Er appelliert an alle Naturfreunde, den Tieren nicht gezielt nachzustellen, da sie als äußerst sensibel gelten. Da man sie jedoch in der hiesigen Landschaft ansiedeln möchte, hätten sie andererseits mit allen Gegebenheiten klarzukommen. Zu denen gehören traditionell auch Pilzsammler.

Zum Thema:
Hinweise auf Aufenthaltsorte und -zeiten von Auerhühnern sind in der Naturparkverwaltung willkommen. Wer Fotoapparat oder Handy dabei hat, sollte die Zufallsbegegnung im Bild festhalten.Kontakt: Naturparkverwaltung in Bad Liebenwerda, Telefon: 035341 6150.E-Mail: auerhuhn(at)naturpark-nlh.de

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 28.06.12 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Vier-Auerhuehner-tot-und-keine-kleinen-Schweden;art1059,3849352