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14.08.2012 07:51 Alter: 5 yrs

Für Auerhühner geht's in die Luft

Vögel in Wäldern verstreut / Anpeilen der Tiere und Auslesen der Daten soll effektiver erfolgen


Bad Liebenwerda Zu drei der 14 besenderten Auerhühner im Wiederansiedlungsprojekt in der Liebenwerdaer Heide ist der Kontakt abgebrochen. Sie bei Streifzügen durch die Wälder anpeilen zu wollen, heißt die Stecknadel im Heuhaufen zu suchen. Projektleiter Uwe Lindner geht deshalb in die Luft. </header><//header>

Auf dem Monitor von Uwe Lindner in seinem Büro im Naturparkhaus zeigen sich über der Landkarte von Elbe-Elster und angrenzenden Revieren imposante Routenmarkierungen. In markantem Rot verdeutlichen sie die Flugstrecken, die einzelne Auerhühner inzwischen in ihrer neuen Heimat zurückgelegt haben, seit sie um den 18. Mai herum im Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa ausgesetzt worden waren.

Eines der Tiere schlug einen Kurs in Richtung Lauchhammer, dann nach Doberlug-Kirchhain und schließlich unterhalb von Finsterwalde entlang nach Großräschen und weiter in Richtung Bronkow und Rochauer Heide ein. Ein anderes stattete dem Gebiet bei Ortrand und bei Gorden-Staupitz einen Besuch ab, bevor es an den Ort seiner Freilassung in der Niederlausitzer Heide zurückkehrte.

Waren sieben Wochen nach dem Auswildern von 26 Auerhühnern in der Liebenwerdaer Heide vier Tiere tot aufgefunden worden, so hat sich deren Zahl nach zwölf Wochen um eines erhöht. Dieses sei jedoch – es war ohne Schwanz aus Schweden gekommen – bereits mit einem großen Fragezeichen in die neue Freiheit entlassen worden. Für die wissenschaftliche Betrachtung des Wiederansiedlungsprojektes wird dieser Tatbestand entsprechend eingeordnet werden.

Erfreulich zeigt sich die Bilanz nach fast einem Vierteljahr im Vergleich zu bisher anderswo unternommenen Ansiedlungsprojekten. "Bei 24 Tagen lag die durchschnittliche Überlebensrate im Harz", erinnert der Leiter der Naturparkverwaltung Lars Thielemann. Von den gegenwärtig 14 noch mit einem Sender ausgestatteten Tieren gebe es zu elf Kontakt. Von deren Bewegungen im Revier hat sich bereits eine beachtliche Datenmenge angehäuft. Sie kann bisherige Erkenntnisse über diese Tiere erweitern, ja sogar in ein neues Licht rücken. Lars Thielemann beugt sich dem Druck öffentlichen Interesses, wenn er sich – nach seinem Geschmack viel zu früh für eine fundierte Wertung – dennoch zu einer Einordnung des Geschehens überreden lässt. "Es ist erstaunlich, wie die Tiere hier bisher durchgekommen sind. Anders als in der Fachliteratur beschrieben, scheuen sie sich auch nicht davor, Offenflächen zu überwinden. Ohne die Sender wüssten wir das allerdings alles nicht." Durch die mithilfe der Technik gewonnenen Daten könne man so jedoch sagen, dass Auerhühner selbst vor dem Überqueren von Autobahnen und Eisenbahnstrecken nicht zurückgeschreckt sind. Sie bewegen sich in einem Radius von bis zu 30 Kilometern um den Aussetzungsort in Forsthaus Prösa. "Die im Artenschutzprogramm ausgewiesenen Waldgebiete sind alle relevant für das Auerhuhn und stehen in einem funktionalen Zusammenhang", so Thielemann.

Inzwischen hat auch die noch vor einem Monat sehr ausgeprägte Orientierungsphase der Tiere eine andere Nuance bekommen. In verschiedenen Waldgebieten häufen sich Aufenthaltsdaten von Tieren. Dass könnte darauf schließen lassen, dass sie sich dort etablieren. Doch Lars Thielemann und Uwe Lindner warnen vor überhasteten Schlüssen: "Abgerechnet wird zum Schluss."

Fest steht mittlerweile, dass es Ende September, Anfang Oktober erneut einen Fang von Tieren in Schweden geben wird. Die dortigen Behörden haben eine Genehmigung für 20 Tiere erteilt. Vorrangig sollen Hähne gefangen werden, derer man wegen der Balz im Frühjahr nicht habhaft werden konnte.

Neu ist auch der Vorstoß, die Ortung der Tiere aus der Luft zu organisieren. Uwe Lindner hat sich zum Test schon mal auf den Heideturm und andere Hochstände begeben und festgestellt, dass ein Anpeilen der Tiere aus der Höhe sehr viel effektiver, weil zeitsparend ist. Speziell zum Auffinden von drei besenderten Vögeln, zu denen man gegenwärtig den Kontakt verloren hat, will sich Uwe Lindner in den nächsten Tagen per Kleinflugzeug in die Lüfte begeben. Die Metallkonstruktion zum Befestigen des Peilsenders am Flugzeug liegt schon in seinem Büro. Neugierig ist auch die Fachwelt auf die Erkenntnise im Brandenburger Auerhuhn-Projekt. Eine Einladung führt den Projektleiter Ende August zum Verein Naturpark Fichtelgebirge, wo man einen Restbestand von Auerhühnern stärken möchte.

Trotz Vorbereitung der erneuten Fangexpedition in Schweden, des Datensammelns und Registrierens soll es noch in diesem Jahr eine erste offizielle Zwischenpräsentation der Ergebnisse im Auerhuhn-Wiederansiedlungsprojekt geben. Am 5. September dürfte sich zuvor schon das Kuratorium des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft in seiner Sitzung dafür interessieren.

Zum Thema:
Jeder Hinweis zu Aufenthaltsorten und Zeiten von Auerhühnern unterstützt die Datensammlung für das Wiederansiedlungsprojekt in der Liebenwerdaer Heide. Zufallsbeobachtungen sollten der Naturparkverwaltung in Bad Liebenwerda mitgeteilt werden. Von Vorteil sind Schnappschüsse als Beleg. Deren Qualität ist nicht das Entscheidende. Auerhuhn-Telefon: 0172 7311418.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 14.8.12 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Fuer-Auerhuehner-geht-s-in-die-Luft;art1059,3906516