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22.10.2012 08:27 Alter: 5 yrs

Ernüchterung im Auerhuhn-Projekt: Nur zwei Hennen

Magerer Fangerfolg trotz Netzkanone in Schweden / Wieder keine Hähne / Nun sollen Einheimische dem Naturpark-Projekt helfen


Projektkoordinator Uwe Lindner, Naturparkchef Lars Thielemann, Dr. Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg und Falko Göbert von der Forstbehörde Brandenburg (von links) bereiten ein Auerhuhn für seine Aussetzung im Brandenburger Wald vor. Foto: Veit Rösler/vrs1

Hohenleipisch Die Erwartungen waren groß: 20 Auerhühner sollten in Schweden gefangen werden, darunter möglichst viele Hähne. Ins Netz gingen lediglich zwei ? und auch "nur" Hennen. Jetzt hoffen die Verantwortlichen des Auerhuhn-Projektes auf das Geschick der einheimischen Schweden. </header><//header><figure align="left" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure><figcaption class="articleImageCaption"></figcaption> </figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Lars Thielemann, dem Leiter der Verwaltung des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, ist die Enttäuschung anzumerken. Tagelang waren sie in der Region Grönfjäll in Nordschweden auf Tour, um Zuwachs für die bereits im Frühjahr erstmals ausgewilderten 26 Tiere zu fangen. 19 davon waren mit einem Sender ausgestattet worden. Sieben konnten kürzlich vom Flugzeug aus geortet werden. Bekannt ist gegenwärtig der Tod von fünf der im Naturpark ausgesetzten 26 Tiere.

Problem schon beim ersten Fang in Schweden: Es gingen nur Hennen in die Kescher. Um das Projekt erfolgreich fortzuführen, sind dringend Hähne nötig.

Diesmal wurde die Fangmethode geändert. Während im Frühjahr die Tiere in Schweden oft an den Straßenrändern neben Schneebergen sitzen, um im frei geschobenen Grün zu picken, sieht man zu Herbstbeginn weniger Tiere so nah an den Straßen. Der Fang mit dem Kescher aus dem Auto heraus, so schwedische Wildbiologen, sei da wesentlich schwieriger. Deshalb kam diesmal eine Netzkanone zum Einsatz. "Ein ziemlich martialisches Gerät", gesteht Thielemann und erläutert, dass das auch von Sicherheitskräften benutzt wird, um Angreifer zu entschärfen, die mit Messern oder anderen Stichwaffen drohen.

Doch auch die Netzkanone hat nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. "Wir haben Tiere gesehen, aber wesentlich weniger als im Frühjahr", berichtet Thielemann. "Nach dem 20. Fehlversuch kamen auch bei mir Zweifel an der Fangmethode." Immerhin war die Fanggruppe mehrere Tage unterwegs. "Meist am frühen Morgen und am Abend je zwei Stunden", so Thielemann ? und das bei tagelangem Regen mit viel Wind. "Sicher sind auch deshalb die Tiere mehr in ihrer Deckung geblieben. Weil die Anfahrt zu den Fanggebieten sehr weit war, hätte Thielemann aus Kostengründen schließlich den Abbruch der Aktion entschieden.

Die Ursachen für die deutlich weniger gesichteten Tiere sind vermutlich jedoch vielschichtiger. Wie Einheimische berichteten, seien um den 1. Juni herum, also während der Brutzeit, etwa 30 Zentimeter nasser Schnee gefallen. Gut möglich, dass die Hennen auf ihren Nestern sitzen blieben und so leichte Beute von Füchsen wurden. Darüber hinaus gab es eine unerwartet große Lemming-Population. Überall auf den Straßen hätte die Fanggruppe überfahrene Tiere dieser Wühlmaus-Gattung gesehen. "Die Schweden", so Thielemann, "sind über diese Situation überhaupt nicht verwundert. Wissenschaftler haben sogar einen Sieben-Jahres-Zyklus in der Auerhuhn-Population ausgemacht. Deshalb ist dort trotz geringerer Bestandszahlen das Jagdrecht fürs Auerhuhn auch nicht aufgehoben worden."

Die Experten an der Universität in Umea, an der Lars Thielemann und der Auerhuhn-Projektkoordinator Uwe Lindner zuerst zu einem Erfahrungsaustausch weilten, hätten angesichts der hohen Zahl von Tieren, die nach Aussetzung im Brandenburgischen noch leben, erklärt, dass sie dies wohl nur ihrer "Wohnort"-Verlagerung zu verdanken hätten.

Und wie nun weiter im Auerhuhn-Projekt? Lars Thielemann setzt jetzt auf die erfahrenen einheimischen Schweden, darunter ein Wildbiologe, der schon mehr als 500 Tiere gefangen und viele davon besendert hätte. "Sie haben uns jetzt zugesichert, selbstständig weiter zu fangen. Wir haben zwei große, speziell für Auerhühner vorbereitete Volieren dort gelassen, in denen die Tiere bis zu vier Wochen gehalten werden können." Aus Kostengründen hätten die Deutschen den Aufenthalt abgebrochen. "Wir haben ständig Kontakt und werden über die Fangergebnisse informiert." Den Schweden sei die Bedeutung des Naturpark-Projekts sehr deutlich geworden. "Sie haben uns fest zugesagt, weiter zu helfen." Wie dann ein Transport organisiert wird, sei noch unklar. "Auf jeden Fall aus Kostengründen wohl mit dem Auto. Vielleicht können uns die Schweden ja die Tiere bis Stockholm bringen", stellt Thielemann erste Gedankengänge in den Raum.

In der Auffang-, Pflege- und Auswilderungsstation für Greifvögel und Eulen "Försterei Oppelhainer Pechhütte" sind am Montag die zwei aus Schweden importierten Auerhühner für ihre Auswilderung im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft vorbereitet worden. Dabei wurden die Tiere von Amtstierarzt Dieter Freudenberg vom Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft untersucht und danach mit Peilsendern ausgestattet. Von den beiden Tieren wurden Blut-, Speichel-, Kot ? und Federproben entnommen sowie das momentane Gewicht registriert. Die per Funk auslesbaren GPS-Peilsender wurden von Projektkoordinator Uwe Lindner, Projektmitarbeiter Frank Raden, Falko Göbert von der Forstbehörde und Dr. Michael Kaatz vom Storchenhof- Loburg angebracht. Nach der Registrierung wurden die beiden Tiere zwischen Hohenleipisch und Friedersdorf in ihre neue Heimat entlassen.

<figure class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure><figcaption class="articleImageCaption"></figcaption> Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 17.10.12 von Frank Claus