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29.11.2012 08:38 Alter: 5 yrs

"Wir sprechen nicht vom Reservat"

Kuratoriumschef Manfred Drews macht sich für "Biosphäre Niederlausitz" stark


Aus zwei mach eines. Das hat sich eine Reihe von Akteuren zwischen Bad Liebenwerda, Luckau und Calau, die die beiden Naturparke Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken zur "Biosphäre Niederlausitz" vereinigen wollen, auf die Fahnen geschrieben. Sie erhoffen sich dadurch einen höheren Schutzstatus für die Region sowie eine intensivere touristische Anziehungskraft. Der Begriff "Biosphärenreservat" bleibt dagegen außen vor, die Landnutzer sollen nicht gegängelt werden. Zudem ist keine neue Ausweisung von Naturschutzgebieten notwendig. Über das Vorhaben sprach die RUNDSCHAU mit Manfred Drews, dem Vorsitzenden des Kuratoriums des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft. </header><//header>

Warum sollen die beiden Naturparke aufgegeben und durch ein neues Schutzgebiet ersetzt werden?
Nun, der Naturparkbegriff ist recht beliebig geworden. Von diesen Gebieten gibt es in Deutschland jede Menge. Um aus der Masse hervorzustechen, brauchen wir für unsere Region etwas anderes. Nicht zuletzt deswegen, da es hier spannende, einmalige Landschaften gibt.

Welche meinen Sie konkret?
Ich verweise dabei einerseits auf großflächige Gebiete, die direkt vom Braunkohlenbergbau beeinflusst worden sind, mittlerweile aber wieder von der Natur zurückerobert worden sind. Dazu gehört beispielsweise die Region nördlich von Plessa. Zum anderen gibt es Areale, wo die Naturentwicklung noch ganz am Anfang steht, etwa auf den Flächen der Heinz-Sielmann-Stiftung südöstlich von Luckau. Dieses Flächenpaar ist etwas Einmaliges, quasi unser Alleinstellungsmerkmal. Hinzu kommen die großen zusammenhängenden Waldgebiete. Das sollte gemeinsam vermarktet werden.

Sie vermeiden für das möglicherweise kommende Schutzgebiet die Bezeichnung "Biosphärenreservat", bringen dagegen die "Biosphäre Niederlausitz" ins Spiel. Warum?
Wir sprechen tatsächlich nicht gern von einem Reservat, da nicht der Eindruck entstehen soll, dass die Menschen durch einen Zaun von der Natur ausgeschlossen werden. Jeder wird auch weiterhin in den Wald gehen und dort seine Pilze oder Beeren ernten dürfen. Daran rütteln wir überhaupt nicht. Das Schutzgebiet würde dennoch den gleichen Status wie andere Biosphärenreservate erhalten. Das steht außer Frage.

Also müsste, ähnlich wie im Spreewald, ein gewisser Flächenprozentsatz an Totalreservaten ausgewiesen werden?
Totalreservate sind im Biosphärenreservat unverzichtbar. Das ist uns auch bewusst. Allerdings sind in unserem Falle wohl keine neuen Ausweisungen erforderlich, wie sie jetzt im Spreewald angestrebt werden. Schon jetzt erfüllen wir in den beiden Naturparken durch die dort vorhandenen Naturschutzgebiete dieses Kriterium. Daher brauchen sich Flächeneigentümer keine Sorgen zu machen.

Wie steht Ihren bisherigen Erfahrungen zufolge die Bevölkerung vor Ort den "Biosphären-Plänen" gegenüber?
Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass sich viele Leute dafür begeistern. Sie begründen dies mit der vereinten Kraft eines großen Schutzgebietes. Auf der anderen Seite gibt es aber auch kritische Stimmen, beispielsweise aus Hohenleipisch, wo befürchtet wird, dass die Menschen im Schutzgebiet außen vor bleiben. Unsere Aufgabe ist es nun, die Menschen der Region für die "Biosphäre Niederlausitz" als einmaliger Chance zu begeistern. Wir haben schließlich die einmalige Bergbaufolgelandschaft und die großen Waldgebiete als Kulturgut. Damit müssen wir überregional punkten. Denn großes Gewerbe wird sich bei uns wahrscheinlich eher nicht ansiedeln.

Beide Naturparke grenzen derzeit nicht aneinander. Für die Verschmelzung zur "Biosphäre" würden sicherlich die dazwischen befindlichen Flächen in das neue Schutzgebiet einbezogen werden, oder?
Tatsächlich gibt es keine Landbrücke zwischen der Heidelandschaft und dem Landrücken. Natürlich wäre es sehr sinnvoll, wenn diese Lücke geschlossen werden würde. So könnten manche dort befindlichen Orte zur "Biosphäre" hinzustoßen. Ich denke dabei vor allem an den Raum Doberlug-Kirchhain. Selbst das Amt "Kleine Elster" oder die Stadt Finsterwalde wären eine Option. Allerdings hat es zu dieser Thematik bislang noch keine Gespräche gegeben. Dies sollte im weiteren Verfahren erfolgen.

Wo wäre der neue Verwaltungssitz der "Biosphäre Niederlausitz" vorstellbar und wie viele Mitarbeiter bräuchte das neue Schutzgebiet?
Als Verwaltungssitze böten sich die jetzigen Naturpark-Zentren in Bad Liebenwerda und in Fürstlich Drehna an. Das Personal würde sich aus dem jetzigen Bestand beider Naturparke zusammensetzen.

Das Biosphärenreservat Spreewald liegt von der "Biosphäre Niederlausitz" nur einen Steinwurf weit entfernt. Befürchten Sie möglicherweise Konkurrenz?
Aber nein. Es handelt sich schließlich um völlig andere Landschaften. Zudem wird es bei uns keinen Massentourismus wie in vielen Teilen des Spreewaldes geben.

Wie sieht der mögliche Zeitplan zur "Biosphäre Niederlausitz" aus?
Am 27. November ist eine entsprechende Arbeitsgemeinschaft gegründet worden. Diese muss einzelne Aufgabenstellungen zu den nächsten Schritten bearbeiten. Darüber hinaus gilt es, neben der Bevölkerung, auch die Potsdamer Landesregierung ins Boot zu holen. Wir brauchen also in der Region einen weiten Rückhalt. Wann es letztendlich zur Gründung der "Biosphäre" kommen könnte, ist derzeit noch völlig offen.

Mit Manfred Drews

sprach Torsten Richter

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 29.11.12

http://www.lr-online.de/regionen/herzberg/Wir-sprechen-nicht-vom-Reservat;art1056,4042971