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< Ski-Spuren im verschneiten Naturpark bei Hohenleipisch
06.03.2013 08:45 Alter: 4 yrs

Wenn aus Schafwolle ein Langzeit-Dünger wird

Lauchhammeraner Firma produziert Pellets aus heimischem Rohstoff / Schäfer Möckel: Für uns ist die Idee gut


Lauchhammer/Bad Liebenwerda Die Graue Gehörnte Heidschnucke ist für die Landschaftspflege in der Niederlausitzer Heide ein Segen. Ihr Fleisch findet sich inzwischen auf regionalen Speisekarten wieder. Jetzt soll auch noch die Wolle ihren Siegeszug antreten – verwandelt in einen ökologischen Langzeitdünger der Marke "floraPell". Es gibt sogar europäischen Rückenwind für das Projekt. </header><//header>

Die Produktentwicklung, die unter anderem mit Partnern vom Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte der Humboldt-Universität Berlin erfolgte, liegt schon eine Zeit zurück. Die Pilotanlage der Düngepellet Produkt & Vertriebs GmbH & Co. KG hat auf dem ehemaligen Gelände der Kokerei in Lauchhammer unter dem Dach der ifn Anwendungszentrum GmbH ihre Produktion im vorigen Jahr aufgenommen. Nun soll der Durchbruch auf den Markt der Düngemittel geschafft werden.

Projektleiter Rolf Herkner aus Hohenleipisch spürt über laufende gezielte Marketingaktivitäten, Verhandlungen mit Großhändlern, die Mundpropaganda und den Online-Shop eine steigende Nachfrage. Doch um kontinuierlich weiter zu produzieren – die Anlage würde gut 100 Tonnen im Jahr schaffen –, müssen der Handel und mit ihm neue Kunden gewonnen werden.

Unschlagbarer Vorteil des Projektes: Der Rohstoff ist nahezu grenzenlos vorhanden. Bei etwa 2,5 Millionen Schafen allein in Deutschland und einem Vielfachen dieser Tiere in Europa, jeweils einer Schur im Jahr und um die drei Kilogramm Wolle je Tier ist der Materialfluss geradezu garantiert. Denn zu den etwa sechs Millimeter mal zwei Zentimeter großen Pellets können auch jene Wollqualitäten verarbeitet werden, die für die Veredelung zu Kleidungsstücken ungeeignet sind.

Ein seit einem halben Jahr notwendiger Woll-Annahmestopp stößt geradezu auf das Bedauern der Schäfer. Sie möchten die von den Wollhändlern nicht abgenommene Wolle gern einer sinnvollen Verwendung zugeführt wissen. Schäfer Matthias Möckel aus Hohenleipisch, der mit seinen Heidschnucken für die Landschaftspflege im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft viel Lob erntet, sagt: "Für uns ist die Idee gut. Wir können die Wolle absetzen, die der Händler wegen ihrer Farbigkeit und Beschaffenheit eigentlich nicht möchte. Er nimmt sie gerade mal so mit, wenn er die Merino-Wolle abholt." Von "floraPell" gab es für die Schnucken-Wolle zuletzt 20 Cent je Kilo, für Mischwolle 40 Cent. Dass die Pellets tatsächlich ihre Düngewirkung entfalten, hat Schäfer Möckel selbst ausprobiert – an den eigenen Topfpflanzen.

"Bis zu 20 Prozent Ertragssteigerung konnten bei einzelnen Kulturen festgestellt werden", erklärt Rolf Herkner. Für ihn sind die Vorteile des Produkts wissenschaftlich nachgewiesen. "Gradmesser ist in erster Linie der Stickstoffgehalt. Mit durchschnittlich zehn Prozent ist der sehr gut", so Herkner. Doch das sei noch nicht das alleinige Argument für "floraPell". Indem die Naturprodukt-Pellets ohne Zusatzstoffe und Bindemittel im Boden bis zum 3,5-Fachen des Eigengewichtes Wasser aufnehmen, könne die Bodenbiologie konstant gehalten werden. Da die Nährstoffe zum großen Teil in den Fasern gebunden seien, erfolge deren Freisetzung durch die Bodenbakterien über einen längeren Zeitraum.

Eine Düngung sei für eine Wachstumsperiode ausreichend, so Herkner. Die Düngefunktion ist gepaart mit der Bildung von Humus und der Auflockerung des Bodens durch die Quellwirkung. "Wir möchten künftig besonders den Öko-Landbau ansprechen. Das bedeutet natürlich, preislich knallhart kalkulieren zu müssen", erklärt Rolf Herkner. Für Großabnehmer könnte man jedoch einen Arbeitsschritt, die preisintensive Trocknung, einsparen. Im Gegensatz zu den kleinen Privatkunden käme es bei Großabnehmern weniger auf die Formstabilität der Pellets an. Man sei außerdem dabei, durch Beimischungen von Melasse, Rapsschrot oder anderen Naturprodukten eine ganze Produktpalette zu entwickeln. Bis zur wirtschaftlichen Produktion sei jedoch noch ein Stück Weges zurückzulegen.

Unter dem Aspekt einer positiven Ökobilanz und der regionalen Kreisläufe hat Rolf Herkner keinen Zweifel an den Vorteilen des Düngers aus Schafschurwolle. Die Überlegungen gehen gar in die Richtung mobiler Anlagen, die lange Transportwege des Rohstoffes vermeiden könnten. Diese Überlegung bekam jetzt so richtigen Aufwind aus Richtung der Europäischen Union. Ziel ist es, unter dem Leitgedanken des "Grünen Geschäftes" ebensolche regionalen Kreisläufe zu stärken, wie dies im Zusammenwirken der Lauchhammeraner Firma, des Schäfers im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und mittlerweile einer Testabnahme des Düngers durch die Horizont Sozialwerk GmbH für deren Felder in Rückersdorf praktiziert wird. Mit Partnern aus Ungarn, Österreich und Spanien sollen mobile Anlagen entwickelt und gebaut werden, um den Dünger aus Schafwolle zu produzieren.

"Die Schäfer sind sensibilisiert bis in die Haarspitzen. Der Bundesdeutsche Verband der Schäfer begleitet unsere Pläne wohlwollend. In diese Richtung müssen wir gegenwärtig alle vertrösten", so der Projektleiter. Aber auch aus der Richtung des Handels kämen mehr und mehr Signale des Interesses. "Vor wenigen Tagen haben wir 1500 Tüten zu je 450 Gramm ausgeliefert. Ein Substrathersteller steckt in einer zweiten Versuchsreihe, in der unsere Pellets Torf beigemischt werden, um daraus eine hochwertige Blumenerde zu machen. Gespräche laufen mit vielen potenziellen Abnehmern. In den nächsten Wochen werden wir Kleingärtner auf verschiedenen Gartenmessen ansprechen", erzählt Rolf Herkner.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 6.3.13 von Frau Böttcher

http://www.lr-online.de/regionen/Wenn-aus-Schafwolle-ein-Langzeit-Duenger-wird;art96088,4144345