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28.04.2020 07:34 Alter: 35 days

Parklandschaft für kleine Kletterer

Coronakrise Selbst der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft ist betroffen und wird somit zum Sehnsuchtsort. Und gerade jetzt gäbe es viel in der Natur zu entdecken. Von Heike Lehmann


Im Doberluger Schlossareal baut der Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft eine Bewegungslandschaft für Kinder. Katrin Heinrich schaut nach dem Fortgang der Bauarbeiten.

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ie Natur erwacht. Das zu beobachten ist uns auch in Corona-Zeiten nicht verboten. Erstes zartes Blattgrün, Frühblüher, Baumblüte sind ein Genuss für das Auge und haben die Kraft, die Gemüter aufzuhellen. Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft im Süden Brandenburgs erstreckt sich über 484 Quadratkilometer und bietet eine Fülle von Naturschönheiten in abwechslungsreicher, vom Menschen geprägter Landschaft.

Besucherzentrum ohne Gäste

Doch auch der Naturpark bleibt von der Corona-Krise nicht verschont. Denn: Wer die Schönheiten und Eigenarten hiesiger Natur zielgerichtet, sprich gut informiert, entdecken möchte, hätte das Besucherzentrum „Erlebnisreich Naturpark“ im Schloss Doberlug als wunderbaren zentralen Anlaufpunkt für den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.  Ohne Corona-Eindämmungsverordnung stünde es Einheimischen, Touristen und anderen Gästen, Natur- und Heimatinteressierten sowie Schulklassen offen.

Die mehrfach ausgezeichnete interaktive Erlebnisausstellung „ErlebnisREICH Naturpark“ böte Anknüpfungs- und Ausgangspunkte für die eigenen Entdeckungen durch die ausgedehnten Wald- und Wiesenlandschaften. Touristen bekämen Informationen zur Elbe-Elster-Landschaft, inklusive Radwanderkarten. „Das alles ist uns derzeit ja untersagt“, bedauert Katrin Heinrich, die Leiterin vom Besucherzentrum. Das Besucherzentrum wird damit für viele zum derzeit unerreichbaren Sehnsuchtsort.

Mehr noch: Auch bereits organisierte Veranstaltungen durften nicht stattfinden. „Am Gründonnerstag hätten wir gemeinsam mit dem Finsterwalder Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften einen sehr schönen Termin für die ganze Familie gehabt. Wir wollten gemeinsam Birkenwasser zapfen in Richtung Küchenteich hinter dem Schloss“, sagt Katrin Heinrich.

Umweltbildung hat Pause

Das Team vom Besucherzentrum hat für 2020 wieder ein umfangreiches Umweltbildungsprogramm für Schulklassen, Geburtstags- und Ferienkinder erarbeitet. „Die Saison beginnt. Wir hatten sehr viele Termine zur Spurensuche im Naturpark für Schulklassen und Kitas. Von Ende März bis zu den Sommerferien war alles ausgebucht.“

Auch ein Angebot, das mit dem Klassenticket der Sparkasse Elbe-Elster unterstützt wird. Im Jahr 2019 haben die Mitarbeiter vom Besucherzentrum mehr als 110 Umweltbildungsveranstaltungen angeboten und damit 2010 Kinder und Jugendliche erreicht.

Saisonhöhepunkt verschoben

In der interaktiven Erlebnisausstellung, die im Erdgeschoss des Schlosses im Frühjahr 2018 eröffnet wurde, und im neuen Experimentarium, das im November hinzu kam, ist alles abgeschaltet. „Aber im Hintergrund wird dennoch fleißig gearbeitet“, versichert Katrin Heinrich. So werde momentan eine neue Internetseite für den Förderverein gestaltet, ein Veranstaltungs-Newsletter erarbeitet, und ein neues Faltblatt soll auch gedruckt werden. Dennoch: Die Arbeitszeit ist heruntergefahren, alle Mitarbeiter sehnen sich die Besucher und vor allem die Kinder zurück.

Und dann ist ja da noch der eigentliche Höhepunkt für den Saisonauftakt, der jetzt wegen Corona allerdings auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden muss. Unmittelbar auf dem Schlossareal, zwischen Parkplatz und Refektorium, ist in den vergangenen Wochen eine wunderbare Bewegungslandschaft für Kinder entstanden. Dieser Tage werden die letzten Arbeiten ausgeführt. „Am 25. April sollte die Eröffnung stattfinden“, bedauert Katrin Heinrich die Umstände. Wann der Spielplatz von Kindern genutzt werden kann, weiß momentan keiner. „Spielplätze fallen unter die Corona-Verordnung und müssen abgesperrt bleiben.“

Die neue Bewegungslandschaft hat der Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bauen lassen. Dabei haben Fördermittel vom Land(auf)Schwung-Projekt enorm geholfen. „Nach unseren inhaltlichen Vorgaben hat das Büro für Landschaftsarchitektur Subatzus  & Bringmann GbR aus Großräschen eine stilisierte Naturparklandschaft entworfen, die zum Klettern und Lernen mit Bewegung einlädt“, beschreibt Katrin Heinrich die Idee. Gebaut hat die Spielgeräte das Familienunternehmen SIK Holz aus Langenlipsdorf bei Jüterbog, das  Kinderspielplätze in die ganze Welt liefert.

Heide, Wald und Moor

Auf dem neuen Spielplatz am Schloss Doberlug finden sich alle Naturparkthemen von der Heide über den Wald bis hin zum Moor wieder. „Wir haben den Erlebnis- und Hängelpfad, die Moorlandschaft als Wackelpfad, ein Auerhuhn-Nest, eine Fühlkiste, Hummeltönnchen zum Durchklettern, einen Apfelbaum samt Baumhütte. Tiere der Streuobstwiese auf der einen Seite, Waldtiere auf der anderen“, beschreibt Katrin Heinrich. Die Tief- und Leitungsbau Walddrehna GmbH hat die Baugrube ausgehoben, Fundamente gesetzt und Treppen gebaut. Christian Bock, Sven Albert und Christian Schmidt sind jetzt  bei den letzten Handgriffen. „Beim Aufbau der hölzernen Spielgeräte hat uns die Stadt Doberlug-Kirchhain mit Arbeitskräften unterstützt“, betont Katrin Heinrich.

Wie und wann die Bewegungslandschaft benutzt werden darf, wird die Zeit zeigen. Die Lausitzer Rundschau wird auf jeden Fall dabei sein.

Bis die Kontaktsperren wegen der Corona-Ansteckungsgefahr aufgehoben sind, müssen kleine und große Naturfreunde den Naturpark vorerst auf eigene Faust erkunden.

Das empfiehlt auch Katrin Heinrich: „Gleich hinter dem Schloss lohnt es sich zum Küchenteich und in den Buchwald zu spazieren. Dort verzaubert momentan die Blüte der Buschwindröschen.“

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 17.4.20 von Heike Lehmann

https://epaper.lr-online.de/lausitzer_rundschau/lie/2020-04-17/10/parklandschaft-fuer-kleine-kletterer-45516087.html