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08.01.2020 09:59 Alter: 49 days

Engagement gegen Artensterben


Europäisches Raufußtreffen - Gäste aus sechs Ländern (Schweden, Deutschland, Polen, Österreich, Italien und Frankreich) im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bei Bad Liebenwerda. Foto: Naturpark

Elbe-Elster Im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft gibt es sehr selten gewordene Lebewesen und Pflanzen. Das ist für eine Gruppe besorgter Naturfreunde Freude und Verantwortung zugleich. Von Frank Claus

Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft ist ein sensibler Lebensraum für viele Lebewesen. Akribisches Monotoring, vor allem der Naturwacht-Mitarbeiter, sorgt dafür, dass Bestände genau im Blick bleiben und gehandelt wird, um weiteres Artenstreben zu verhindern.

Beispiel Lungen-Enzian

Der Lungen-Enzian ist so ein Beispiel. Eigentlich ist er in ganz Europa verbreitet. Naturpark-Leiter Lars Thielemann stellt in seinen Jahresberichten stets einige Besonderheiten vor und erklärt Bestände. Der Lungen-Enzian wächst auf moorigen Wiesen, in Flachmooren und feuchten Heiden auf sandig-torfigen oder lehmigen Böden. Durch Intensivierung der Grünlandwirtschaft und Trockenlegung von Feuchtwiesen und -heiden ist die Art stark gefährdet. Im Naturpark kommt er nur noch auf wenigen Standorten vor. Bereits vor wenigen Jahren zeigte der Naturparkchef eine besorgniserregende Entwicklung auf. Von den ehemals 16 Standorten, welche noch in den 1950er-Jahren bekannt waren, wurden zu diesem Zeitpunkt noch sechs Vorkommen regelmäßig kontrolliert, die anderen sind erloschen. „Wir haben eine Fläche bei Gorden, wo wir noch 880 Pflanzen zählen konnten. Da erstarren die Botaniker vor Ehrfurcht. Das sind mit die größten Vorkommen in Brandenburg.“

Ähnlich sensibel sei das Vorkommen des Schwarzblauen Ameisenbläulings an der Schwarzen Elster. „Wir sind in Brandenburg das einzige Gebiet, wo der Falter noch in dieser Qualität vorkommt“, sagt Lars Thielemann. Die Entwicklung ist spannend. Die Weibchen, so Lars Thielemann, legen ihre Eier zum Beispiel am Wiesenknopf ab. Raupen fressen an den Blütenköpfen, lassen sich fallen und werden von Ameisen in deren Bau tragen.

In der Fachliteratur ist dazu noch genauer zu lesen: „Dort fressen sie Ameisenlarven und überlassen den Ameisen im Gegenzug ein zuckerhaltiges Sekret. Die Raupen sind in der Lage, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren. Einmal im Nest untergebracht, werden sie von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung räuberisch von deren Eiern und Larven ernähren. Sie überwintern im Ameisenbau und verpuppen sich auch dort im Frühjahr. Nach dem Schlüpfen aus der Puppe muss der Schmetterling sofort das Ameisennest verlassen, da jetzt die Tarnung nicht mehr funktioniert und der Schmetterling nun selbst als Beute betrachtet wird.“

Gastgeber für Experten

Dass diese Symbiose gelingt, sei auch ein Beleg für die gute Zusammenarbeit mit Landeigentümern. Da gäbe es sehr vertrauensvolle Absprachen, würden zum Beispiel Mähzyklen sehr genau besprochen. Mit der Fauna-Flora-Managementplanung, die als Auftrag der Europäischen Union bis 2020 vorzulegen ist (Brandenburg ist im Verzug) werden genau diese sensiblen Vorhaben ermittelt, kartiert und Maßnahmen zum Schutz aufgezeigt.

„Das Verständnis in der Bevölkerung wächst immer weiter“, sagt Lars Thielemann und erinnert an die starken Proteste im Zuge des Bienen- und Insektensterbens.

Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft war im zurückliegenden Jahr mehrfach Gastgeber für Experten aus dem Ausland. So hat sich eine Delegation indonesischer Forstfachleute über den Waldumbau informiert.

Der Naturpark war zudem Ausrichter des 6. europäischen Raufußtreffens – das sind unter anderem Auerhühner, Birkhühner und Schneehühner – mit Gästen, die aus Schweden, Polen, Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland kamen.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 3.1.20 von Frank Claus

https://epaper.lr-online.de/lausitzer_rundschau/lie/2020-01-03/9/engagierte-truppe-gegen-das-artensterben-42245691.html