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14.06.2018 08:14 Alter: 158 days

„So eine Bewerbung habe ich noch nicht erlebt“


Kraupa. Das hat überzeugt: In Kraupa, Elsterwerdas Ortsteil, pulsiert das Leben. Mitten im Naturpark gelegen, darf man sich wundern, wieso der Ort erst jetzt in den Naturpark-Wettbewerb eingestiegen ist. Von Veit Rösler

In einem mehr als zweistündigen Bewerbungs-Programm hat sich der Elsterwerdaer Ortsteil Kraupa vor einer Jury des Kuratoriums des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft von seiner schönsten Seite gezeigt und sich damit als Naturparkgemeinde beworben. Dabei haben die Kraupaer nichts dem Zufall überlassen.

Viele teilnehmende Einwohner, insbesondere die Mitglieder des Bürgervereins, hatten Kostüme angelegt. Zur Begrüßung gab es an der Waldwichtel-Kita Brot und Salz. Die in zahlreichen Bausteinen naturorientierte Kita ist derzeit mit 34 von 40 möglichen Kitaplätzen gut ausgelastet. Für die folgende, große Runde durch den Ort hatte Klaus Krampe seinen Kremser mit zwei Pferden bespannt. Neben der üppigen Natur in und um Kraupa wurden die Geschichte des Ortes, seine Vereine und Firmen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vorgestellt. Nach nur wenigen hundert Metern gab es von der Kraupaer Fleischerei Arnold einen ersten Imbiss in Form von Spießhäppchen. Den gleichen Anlaufpunkt für ihren Auftritt nutzte auch die Kraupaer „Schwester Agnes“ Sylvia Pomrehn.  Klar, dass sie mit einer roten Schwalbe angetuckert kam. Blaue Wolken inklusive.

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<figcaption class="stopFloat"></figcaption>Der neue „Kraupel“ ist ein geschütztes Markenzeichen von Kraupa und wird hier von Naturparkchef Lars Thielemann, Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich, der Vorsitzenden des Bürgervereins, Katja Gehre, und Heimatvereinsmitglied Friedmar Marunke (v.l.) gezeigt. Zum Naturparkfest im nächsten Jahr dürfte er das kleine Mitbringsel werden. FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Am Kraupaer Wahrzeichen, dem Glockenturm, wurden die Gäste mit einem in Handarbeit erzeugten Sturmgeläut begrüßt. Am nördlichen Dorfplatz hatten ein Schmied, ein Imker, die Obstanbauer und das historische Korbmacherhandwerk Stände aufgebaut. An der alten Milchbank servierte Landwirt Steffen Seiger aus einer klassischen Milchkanne frisch von der Kuh gezapfte Milch. Naturparkchef Lars Thielemann hatte gehört, dass die Milchbänke in den Dörfern früher wichtige Einrichtungen für das Liebesleben der jugendlichen Bevölkerung waren. Eines der bedeutenden kulturellen und sozialen Standbeine sind die Kraupaer Vereine, wie vor allem die Tischtennisspieler, die Kegler und die Fußballer. Viele Vereine werden von dem gegenwärtig in der Ausbauphase befindlichen zukünftigen Dorfgemeinschaftshaus profitieren.

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Imker Ralf Halm betreut noch zwölf Bienenvölker um Kraupa. Die Einwohner lieben ihren idyllisch gelegenen Ort mit dem vielen Grün ringsherum.

Nicht weit von dem nördlichen Dorfplatz entfernt verläuft die Badstubengasse, die ihren Namen einer ergiebigen Quelle und der damit verbundenen Reinlichkeit ihrer Bürger verdankt. Wo eine Quelle ist, sind auch Mühlen nicht weit. Insgesamt sechs Stück davon, angetrieben von Wasser, Wind und Elektroenergie gab es einst davon in Kraupa. Müllermeister Hans- Joachim Weber entführte in die Mühlengeschichte des Ortes, die zuletzt von einem zunächst durch Wasserkraft und dann elektrisch angetriebenem Sägewerk geprägt war. Nicht fehlen beim Naturparkthema durfte die Kremserfahrt bis zum Rand der riesigen Heidefläche, wo mit Glück Auerwild, Rehe und Hirsche zu finden sind. Tatsächlich gefunden wurden mehrere Radler und ein Jäger mit Jagdhund, als Sinnbild der forstwirtschaftlichen Hege und Pflege der Heideflächen des Naturparkes. Einst verlief in diesem Bereich durch den heutigen Naturpark ein wichtiger Post- und Handelsweg zwischen Sachsen und Preußen, der in Höhe der Forstortsbezeichnung „Drei Eichen“ von einer Salzstraße gekreuzt wurde. Die riesige Heidefläche und die zum Teil noch vorhandenen Flächen des größten zusammenhängenden Traubeneichenbestandes Europas sind die Aushängeschilder des Naturparkes.

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&nbsp;Wie zu DDR-Zeiten: „Schwester Agnes“ Sylvia Pomrehn fährt mit der Schwalbe vor.

Wie zu DDR-Zeiten: „Schwester Agnes“ Sylvia Pomrehn fährt mit der Schwalbe vor. FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>

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„So eine Bewerbung habe ich noch nicht erlebt. Das war eine absolut beeindruckende Präsentation. Wahnsinn, was alles in so einem kleinen Ort steckt“, staunte nach 140 Minuten Dorfrunde Naturparkchef Lars Thielemann.

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Momentaufnahme: Ob Naturpark-Mitarbeiterin Cordula Schladitz hier festhalten will, dass es an der Bewerbung Kraupas nichts zu meckern gibt?

<figcaption class="stopFloat"></figcaption>Momentaufnahme: Ob Naturpark-Mitarbeiterin Cordula Schladitz hier festhalten will, dass es an der Bewerbung Kraupas nichts zu meckern gibt? FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>

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Vermutlich kam es bereits im 12./13. Jahrhundert zu einer wendischen Ansiedlung an der neben dem Dorf entspringenden Quelle. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1398 in einer Urkunde des Adelsgeschlechts von Köckritz. Kraupa gehört wie Krauschütz, Biehla, Kot­schka, Plessa, Dreska und Kahla zur Herrschaft Elsterwerda.

Besonderheit: Nach Unterlagen des Elsterwerdaer Stadtarchives gab es 1926/27 etwa zwanzig Korbmacher.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 13.6.18 von Veit Rösler

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/so-eine-bewerbung-habe-ich-noch-nicht-erlebt_aid-23373519

In Spitzenzeiten gab es mehr als 20 eingetragene Korbmacher in Kraupa. Uwe Peschel ist der letzte eingetragene Meister der Flechtkunst. FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>Der Kraupaer Tischtennisverein, einer der Nutzer des Saals im Dorfgemeinschaftshaus, präsentiert seine automatische Spielanlage. Kraupa ist seit vielen Jahren eine Hochburg des Sports mit Ball und Schläger. FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>Imker Ralf Halm betreut noch zwölf Bienenvölker um Kraupa. Die Einwohner lieben ihren idyllisch gelegenen Ort mit dem vielen Grün ringsherum. FOTO: Veit Rösler </figcaption><//figcaption></figure><//figure>