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20.02.2020 09:36 Alter: 99 days

Wirft ein Neuling den Hut in den Ring?

Naturparkgemeinde Mit diesem Titel können sich mittlerweile 18 Gemeinden in der Niederlausitzer Heidelandschaft schmücken. Viele Initiativen hat der Wettstreit bereits ausgelöst – und dennoch: Ist die Luft ein wenig raus? Von Frank Claus


Was für ein Fest im zurückliegenden Jahr in Kraupa. Ein ganzes Dorf war davor und danach auf den Beinen. Der Wettbewerb um den Naturparkgemeinde-Titel hat ungeahnte Initiativen freigesetzt - Jung und Alt begeistert.

Daran hatten sie lange zu knabbern, die Lugauer. Sie haben im zurückliegenden Jahr eine beachtliche Vorstellung hingelegt, sind ein Ort, in dem wie kaum in einem zweiten der Naturschutzgedanke sichtbar lebt, in dem fast in jedem Jahr eine neue Wohlfühl-Initiative ins Leben gerufen und umgesetzt wird, in dem Einwohner zusammen anpacken. Und trotzdem. Der Titel Naturparkgemeinde, den sie so gern zum zweiten Mal nach 2006 erringen wollten, war ihnen nicht vergönnt. Das Kuratorium hat sich für Plessa entschieden und danach zu erkennen gegeben: Noch nie war die Entscheidung so schwer. Weil beide Kommunen so unterschiedlich seien und dennoch in beiden mit Herzblut an der Weiterentwicklung des Dorfes gearbeitet werde.

Während Lugau mit seinen etwas mehr als 400 Einwohnern längst ein Edelstein im Naturpark ist, wienert Plessa mit gut fünfmal so viel Bewohnern noch kräftig am neuen Image. Das Kohle-Kapitel liegt noch nicht lange zurück, mehr als 1000 verloren gegangene Arbeitsplätze haben auch für Resignation gesorgt. Aber längst steht der Ort auf, macht von sich Reden. 26 Vereine mischen mit.

Ein tolles
Ding für uns.
Die Raststätte
wird auch viel
genutzt.

<cite>Fred Wickfeld</cite><cite>Bürgermeister aus Gorden-Staupitz</cite>

Beim Naturparkstammtisch am Montag im Werenzhainer Pferdekopfhof erntete Klaus Rippe, ehemaliger Ortsvorsteher in Lugau, für seine Ausführungen zur Entwicklung des Dorfes viel Anerkennung. Gottfried Heinicke, Bürgermeister von Plessa, gelang es, den Funken seiner Vorfreude aufs Naturparkfest in seinem Ort überspringen zu lassen.

Uwe Roland, der Ortsbürgermeister von Werenzhain, hatte Mut gemacht, den Naturparkwettbewerb fortzuführen.  In den Jahren 2004 und 2015 hatte sein Ort den Titel errungen und jedes Mal habe es im Vorfeld und Nachgang so etwas wie neue Aufbruchstimmung gegeben.

Gleiches konnte Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich aus dem Ortsteil Kraupa berichten, „wo heute noch vom Fest geschwärmt wird“. Fred Wickfeld, der Bürgermeister aus Gorden-Staupitz, dessen Gemeinde 2013 den Titel errang und die als erste in den Genuss einer damit verbundenen Förderung von 5000 Euro für ein Dorfprojekt kam, meinte: „Ein tolles Ding für uns. Die Raststätte wird viel genutzt.“ Trotzdem: Der Naturpark-Wettbewerb schien einzuschlafen. 2018 war Kraupa die einzige Gemeinde, die sich bewarb. Im Jahr 2019 waren es mit Plessa und Lugau zwei. Sind die Zeiten, als das Kuratorium sich zwei Tage Zeit nehmen musste, um die Bewerbergemeinden zu besichtigen, vorbei?

Lars Thielemann, der Leiter des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, beteuert immer wieder, dass er der Letzte sei, der etwas mit Krampf erhalten wolle, betont aber auch diesmal: Dieser Wettbewerb bringt voran, auch wenn man nicht gewinnt. In dieser Form gebe es ihn ohnehin nur im hiesigen Naturpark. Woran liegt es, dass weniger Bewerbungen eingehen? „Glauben Sie, dass ich in der neuen Verbandsgemeinde Unterstützung kriege, wenn ich als Rothsteiner erst nach Falkenberg zum Verbandsgemeindebürgermeister tippeln muss“, fragte Ortsvorsteher René Gasch. Und ins gleich Horn stieß Gudrun Heide, Ortsvorsteherin in Dobra, die mit ihrem Ort 2016 gewann und im darauffolgenden Jahr ein bezauberndes Fest hinlegte. Doch ist das wirklich so? Anja Heinrich jedenfalls widersprach: „Holen Sie sich die Abgeordneten ins Dorf, legen Sie einen leidenschaftlichen Auftritt hin und überzeugen von Ihrem Vorhaben“, meinte sie.

Cordula Schladitz, die seit vielen Jahren den Wettbewerb organisatorisch begleitet, hat ein gutes Gefühl: „Das Interesse ist wieder da. Auch von kleineren Orten. Uns geht es weder um eine riesige Bewerbungsmappe, noch um ein immer und immer wieder getopptes Fest. Wir möchten, dass sich in den Gemeinden was bewegt.“ Und sie gibt eine Hoffnung nicht auf: Es könnte mal wieder ein Neuling den Hut in den Ring werfen.

Zum Naturparkgemeinde-Wettbewerb

Die bisherigen Gewinner des Naturparkgemeinde-Wettbewerbes: Grünewalde (1999, 2005, 2012), Oppelhain (2000), Döllingen (2001), Maasdorf (2002, 2007 und 2014 gemeinsam mit Prestewitz), Theisa (2003), Werenzhain (2004, 2015), Lugau (2006), Buchhain (2008), Rückersdorf (2009), Hohenleipisch (2010), Domsdorf (2011), Gorden-Staupitz (2013), Dobra (2016), Sorno (2017), Kraupa (2018), Plessa (2019).
Die Kriterien für die Wettbewerbsteilnahme: praktische Umsetzung eines naturverträglichen Tourismus; Erhaltung von Kultur- und Naturerbe; Dorferneuerung nach ökologischen Grundsätzen; Einbindung der Kommune in die umliegende Landschaft; Unterstützung von ökologischen Anbauverfahren und die regionale Vermarktung der Produkte sowie Aktivitäten der Vereine.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 20.2.20 von Frank Claus

https://epaper.lr-online.de/lausitzer_rundschau/lie/2020-02-20/9/wirft-ein-neuling-den-hut-in-den-ring-43877755.html