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19.08.2019 11:58 Alter: 87 days

Kinder bewegen sich wie Fledermäuse

Auf dunklen Pfaden unterwegs


Foto: Ganz vorsichtig! Maik Korreng zeigt den Naturfreunden während der Wanderung die empfindlichen Flughäute der kleinen Bartfledermaus. FOTO: Falko Krische-Dedek

Rückersdorf. Ein besonderer Tag an der Täubertsmühle bei Rückersdorf zieht kleine und große Naturfreunde in seinen Bann. Alle haben viel gelernt über nachtaktive Säugetiere. Von Silvia Dedek

Sie gelten als ein wenig geheimnisvoll, sind nur nachts zu beobachten und obendrein inzwischen recht selten geworden – die Fledermäuse. Grund genug, sie im Rahmen der internationalen Batnight, der Fledermausnacht, ins Zentrum einer Veranstaltung zu stellen und genauere Einblicke ins Leben dieser kleinen Säugetiere zu geben.

Die Initiative Fledermausschutz im Landkreis Elbe-Elster hatte dazu gemeinsam mit dem Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und dem Projekt Plan Birke sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in die Täubertsmühle in die Nähe von Rückersdorf eingeladen. Dadurch wurde die nächtliche Fledermausbeobachtung auch für Familien möglich, die bei Bedarf gleich in dem Schullandheim übernachten konnten.

Schon am Nachmittag vor der Fledermausnacht gab es ein vielfältiges Angebot der Kooperationspartner. Diese informierten nicht nur an ihren Ständen, sondern luden alle Altersgruppen zum Mitmachen und Ausprobieren ein.

„Wir beschäftigen uns in unserem Projekt natürlich nicht nur mit der Birke“, erklärt Christoph Ertle, der in der Organisation der gemeinsamen Veranstaltung mit federführend war. „Die Biodiversität ist für uns eine wichtige Aufgabe. Daher freuen wir uns über die Kooperation mit anderen Partnern, wenn wir Tiere und ihren Lebensraum für die interessierten Gäste gemeinsam veranschaulichen können“, sagt er. An seinem Stand gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich der Birke einmal auf ganz andere Art zu nähern, beispielsweise bei einem Blick durch das Mikroskop oder auch durch das Verkosten von Birkenwasser.

Das Team um Katrin Heinrich, die Leiterin des Besucherzentrums des Fördervereins Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft mit Sitz im Doberluger Schloss, hatte es sich zum Ziel gesetzt, zu veranschaulichen, wie es ist, als Fledermaus zu leben. Die Kinder konnten sich an diesem Stand einmal selbst in Fledermäuse „verwandeln“. Die nachtaktiven Säuger orientieren sich bei völliger Dunkelheit durch ihr Echoortungssystem. Dabei stoßen sie Ultraschallwellen aus, die von anderen Objekten oder auch Beutetieren reflektiert werden. Diese Reflexionen werden wiederum von der Fledermaus aufgefangen und ermöglichen nicht nur Orientierung und Ortung, sondern sogar die Bestimmung von Richtung und Geschwindigkeit eines potenziellen Beutetiers.

Eine Vorstellung davon, wie es ist, sich allein durch akustische Signale zu orientieren, gewinnen die Kinder auf dem Hindernisparcours, den sie mit verbundenen Augen absolvieren. Alle Hindernisse sind durch tickende Küchenwecker gekennzeichnet und senden somit akustische Signale aus. Es ist gar nicht so leicht für ungeübte Ohren, sich allein durch solche Signale zurechtzufinden.

Der Höhepunkt ist aber für alle der dann folgende Nachtspaziergang. Aufgrund des erfreulich großen Interesses sind die Naturforscher in mehreren Gruppen unterwegs. Ausgestattet mit Fledermausdetektoren, die die hochfrequenten Signale der Säugetiere einfangen und für das menschliche Ohr hörbar machen, geht es zunächst ein Stück durch das Naturschutzgebiet, wobei die Fledermäuse nicht nur gehört, sondern auch im freien Flug beobachtet werden können.

An einer Station veranschaulicht eine Insektenlampe das vielfältige Beutespektrum der kleinen Flugkünstler. Maik Korreng zeigt dann einige Tiere aus der Nähe. Von den 25 in Deutschland beheimateten Arten konnten durch die Arbeit von Maik Korreng und seinen Helfern bereits 17 im Elbe-Elster-Kreis nachgewiesen werden. An diesem Abend bleiben die Fransenfledermaus, eine kleine Bartfledermaus und sogar die seltene Mopsfledermaus in seinem Netz hängen und können von den Besuchern bestaunt werden. Maik Korreng zeigt und erklärt anatomische Besonderheiten der Flugakrobaten, die allesamt als besonders schützenswert eingestuft werden, da sie als gefährdet oder sogar stark gefährdet gelten.

Dabei kann eigentlich jeder etwas für den Schutz der Fledermäuse tun. Allen voran natürlich Waldbesitzer, indem sie beispielsweise Höhlenbäume oder auch abgestorbene Bäume stehen lassen und den Tieren so Lebens- und Wohnraum bieten. Auch bei der Sanierung oder dem Neubau von Gebäuden kann sich jeder über fledermausfreundliche Möglichkeiten informieren und diese entsprechend umsetzen. Darüber hinaus kann jeder Gartenbesitzer durch sein Anbauverhalten den Schutz der Fledermäuse unterstützen. Blütenreiche Gärten mit nachtblühenden, nektarreichen Pflanzen, wie beispielsweise der Königskerze oder der Wegwarte, bieten Insekten, der Nahrungsgrundlage für Fledermäuse, einen Platz.

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann Fledermauskästen in Bäumen anbringen. Selbst eine insektenfreundliche Balkongestaltung sei schon eine Hilfe für den Schutz der Fledermäuse. Naturschutz fängt also schon zu Hause an.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 19.8.19 von Silvia Dedek

https://www.lr-online.de/lausitz/finsterwalde/fledermausnacht-an-der-taeubertsmuehle-bei-rueckersdorf_aid-45158407