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< Zum 25. Mal Apfeltag in Döllingen
02.10.2019 09:28 Alter: 43 days

Riesiger Ansturm beim Jubiläumsapfeltag


„Ohne ihn würden wir nicht hier stehen!“ Apfelpapst Klaus Dietrich (84) war jahrelang Organisator des Pomogartens. Hier lässt er sich mit der Hauptorganisatorin Andrea Opitz (2.vl.) und Äppelmoids vergangener Jahre ablichten. FOTO: VRS

Döllingen. Eine zeitweise bis zu 45 Meter lange Schlange am Eingang und mehrere Tausend Besucher haben am Sonntag den ersten Eindruck vom 25. Apfeltag im Pomogarten in Döllingen geprägt.

Der Ansturm auf das frische Obst, junge Obstbäume aus den Baumschulen und so manchen Leckerbissen begann bei dem Jubiläumsapfeltag in Döllingen schon am Morgen gleich nach der Eröffnung. Viele kommen seit Jahren und wissen: Nach ein paar Stunden sind die besten Produkte vergriffen. So oder so: Die Besucher wurden mit einem umfangreichen Rahmenprogramm auf dem riesigen Gelände zeit- und flächendeckend kulturell und kulinarisch für ihr Kommen belohnt.

Wie doch die Zeit vergeht! Nach der Apfelblüte im Frühjahr und einem heißen Sommer wurde jetzt im Pomogarten in Döllingen und auf einigen der umliegenden Plantagen die Ernte eingefahren. Aber auch ein Vierteljahrhundert ist schon um, in dem man mit großem Engagement vieler Helfer in dem Garten am Westrand von Döllingen die Erinnerung an die alte Tradition des Obstanbaus in der Region aufgebaut und breit entfaltet hat. Und so wurde denn auch am Sonntag an die 25 Jahre Entwicklung erinnert.

Die ungekrönte Apfelkönigin und Cheforganisatorin der derzeitigen Apfeltage Andrea Opitz: „Der erste Apfeltag fand noch in der Elstermühle in Form eines Seminars statt, mit damals 30 Leuten. Ein Jahr später bot das Kreismuseum Bad Liebenwerda die Kulisse. Wir haben massenweise Pflaumenmus gekocht“, erinnert sich die engagierte Chefin des Kerngehäuse-Vereins.

Danach wurde dann schon in Richtung Döllingen umgezogen. In den Schafstall. „Ohne ihn würden wir heute nicht hier stehen“, ist sich Andrea Opitz sicher. Gemeint ist Apfelpapst Klaus Dietrich aus Plessa, der Organisator und geistige Vater des Pomogartens in Döllingen. Als ehemaliger Offizier der NVA auf dem Schießplatz in Hohenleipisch, der auch schon von großflächigen und durchdachten Planungen geprägt war, hat Klaus Dietrich quasi den Beruf zum Hobby gemacht und an der Planung des Pomogartens wesentlich Hand angelegt. In der ihm gegebenen Naturverbundenheit waren die Pflege und Bewahrung der alten Obstbaumlandschaft sowie der Erhalt alter Obstsorten der wesentliche Grund für den Aufbau des Pomogartens. Zur Silberhochzeit mit seinem Garten erhielt Klaus Dietrich zur Ehrung einen silbernen Präsentkorb mit einem umfangreichen Sortiment der im Garten mittlerweile angebauten Produkte.

Mit der Grundsteinlegung im Jahr 2000 wurde dieses schöne Fleckchen Erde als Festplatz festgelegt. Ein genialer Ort, mit weitem Blick über die Streuobstwiesen, bis hin zur Kirche von Hohenleipisch am Horizont. Seitdem findet der Apfeltag dauernd in Döllingen statt. Viele Menschen freuen sich schon Wochen vorher auf dieses schöne Herbstfest zwischen Himmel und Erde, mitten in der Natur. An kaum einem anderen Ort sei die Verbundenheit von Natur und Gott besser zu sehen und zu vermitteln, meinte Pfarrerin Marie-Luise Zott aus Elsterwerda bei ihrem Festgottesdienst unter freiem Himmel. Einst mit 30 Gästen begonnen, bewegen sich die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren immer wieder um die 5000 Gäste. Etwa 100 Mitwirkende vor und hinter den Kulissen sorgen in jedem Jahr für ein gelungenes Fest.

Allein 63 Händler und Aussteller hatten auch diesmal wieder ihre Stände aufgeschlagen. Mittlerweile gehört Gerd Stahl aus Arzberg zum festen Inventar. Seit Jahren ergattert sich der pfiffige Obsthändler immer den besten Platz im Pomogarten: die erste große Kreuzung hinter dem Eingang. Kartoffeln Zwiebeln, Eier, Birnen, Pfirsiche und Äpfel, Äpfel, Äpfel: Spätestens, wenn die Gäste in Richtung Heimat trotten und noch etwas mitnehmen wollen, fällt der bunt dekorierte Stand ins Auge. Sigrun Sixdorf aus Bad Liebenwerda bringt seit Jahren extra mehrere Taschen mit, um hier frisches Obst und Gemüse einzukaufen.

Mit dabei seit vielen Jahren ist auch Petra Wetzel aus Hohenleipisch. Seit 2012 werden sieben verschiedene handgemachte Produktlinien aus ihrer Heidemanufaktur angeboten. Daneben organisiert die Vorsitzende vom Heimatverein „Die Lobenburger“ in Personalunion die Theaterstücke der Apfelspektakel im Festzelt.

Auf ihren Lorbeeren wollen sich die Organisatoren des Apfeltages vom Naturpark und vom Kerngehäuse-Verein nicht ausruhen. Sukzessive soll das Programm auch zukünftig ausgebaut werden. Seit Jahresbeginn betreut Jörg Kösters eine Kompetenzstelle Streuobst, mit der bis 2022 der Obstanbau vorangetrieben werden soll. Allein beim Obst- und Gartenbauverein Hohenleipisch werden zwischenzeitlich fünf verschiedene Pilotprojekte betrieben. „Wichtig ist, aus dem kulturellen Zentrum der Streuobstaktion heraus die Altanlagen in Ordnung zu bringen und die Idee in die Breite zu tragen“, blickte Andrea Opitz in die Zukunft.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 30.9.19 von Veit Rösler

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/doellingen-riesiger-ansturm-beim-jubilaeumsapfeltag_aid-46170609