Ein Lobenburgfest ohne Burgspektakel? Dieses war bis vor einem Jahr noch auf der Lobenburg in Hohenleipisch einer der ultimativen Programmhöhepunkte, der jeweils an zwei Abenden viele Gäste auf das Festgelände gelockt hatte. Nunmehr ist das Spektakel ausgefallen. Der Kommentar von Heimatvereins-chefin Petra Wetzel (61): "Wir haben es einfach nicht mehr geschafft."

Die Stücke müssen immer wieder neu geschrieben werden, dann beginnen ein Vierteljahr vor dem Fest die Proben. Krankheitsbedingt war es diesmal nicht möglich. "Daran sieht man, was für Arbeit darin steckt", meint die engagierte Vereinsvorsitzende.

Das Stück war bereits angekündigt worden: Der Theologieprofessor Martin Luther sollte seine Thesen an die Lobenburg nageln.

Ganz ohne spektakuläre Verkleidungen und schauspielerische Theatralik ging das Fest auch diesmal nicht ab. Kein Geringerer als August der Starke (Friedrich August I. von Sachsen), ab 1694 Kurfürst und Herzog von Sachsen, und seine Mätresse Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel hatten in ihr altes Jagdgebiet geladen, in die Liebenwerdaer Heide nördlich von Hohenleipisch. Mit sechs Pferden, zwei Kremsern und einer Wagonette wurde am Sonnabend in die Heide gestartet. Die mitreisenden Marketenderinnen sangen und summten mit den Heidehonig-Bienen um die Wette. Die vierstündigen Kremsertouren werden seit zehn Jahren veranstaltet. Allein die Lobenburger schaffen bis zu 20 Touren im Jahr. Daneben organisieren der "Goldene Löwe" und der Reit- und Fahrverein Plessa noch einmal jeweils etwa so viele Rundreisen durch den Naturpark.

"Wir locken Gäste aus Berlin-Brandenburg und Sachsen sowie aus Österreich in unsere Region. Neben der Heidetour gibt es eine Lobenrunde und neuerdings eine Glühweintour", so Petra Wetzel. Neben Gabriele (66) und Günther Neustadt (69) als Gräfin Cosel und August der Starke sorgte Oberforstrat Uwe Lewandowski (57) für interessante Informationen.

Die Heide steht derzeit in voller Blüte. Auch die ersten Schneegänse wurden schon in Schneeflugformation gesichtet. Demnach sei ein zeitiger und noch dazu harter Winter in Sicht, so Uwe Lewandowski.

Die sächsischen Kurfürsten schossen in diesem Gebiet pro Jagdsaison bis zu fünfzehn Auerhähne. Noch 1747 gab es vier "Auerhahnbalzen" in den Revieren um Dobra, Hohenleipisch und Gorden. Das Gebiet gehörte bis 1815 zu Sachsen. Nach der "Übergabe" an Preußen wurde es forstwirtschaftlich neu unterteilt und später im alten Jagdhaus eine Forstwirtschaftsschule eingerichtet. Um 1960 richtete der Staat zwei Manöverfelder ein, wobei die südliche Fläche für Fahrübungen (Panzer und Lkw) und der Nordsektor als Schießplatz genutzt wurde. Durch die intensive Nutzung entstanden die Heideflächen.

Im Naturschutzgebiet "Forsthaus Prösa" soll die Calluna-Besenheide erhalten bleiben. Der Auerhahn wird wieder angesiedelt.

Auch andere alte Geschichten machen in Hohenleipisch immer wieder mal die Runde. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der sächsische König August der Starke auch bei den einheimischen Frauen Erfolge verbucht haben soll und das im Laufe der Zeit sogar insgesamt sechsmal. Immerhin wurden dem König insgesamt acht Kinder nachgewiesen und 354 nachgesagt.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 28.8.17 von Veit Rösler

http://www.lr-online.de/regionen/elbe-elster/elsterwerda/Lobenburgfest-ohne-Burgspektakel-aber-mit-Fuerstengefolge;art1059,6185322