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29.05.2018 11:46 Alter: 197 days

„Kirsche“ in den ersten Kirschen


Die elfjährige Lili Anders ist der symbolische Hoffnungsträger des Hohenleipischer Obst- und Gartenbauvereins.

Hohenleipisch. Die ersten Kirschen sind reif. In wenigen Tagen kann die Ernte in Hohenleipisch beginnen. Die elfjährige Lili Anders ist dabei ein symbolischer Hoffnungsträger. Von Veit Rösler

Nach 29 Jahren des Vermarktungsstillstandes werden in diesem Jahr erstmals wieder in der alten Hochburg des Obstanbaus in Hohenleipisch offiziell in einer Sammelstelle Kirschen aufgekauft. Ein regionaler Vermarkter aus Bad Liebenwerda (Bauer Fruchtsaft GmbH) will aus den leckeren Früchten Obstsaft und Wein herstellen. Mindestens eine Tonne Kirschen müssen an bestimmten Tagen geliefert werden. Die elfjährige Lili Anders ist vor diesem Hintergrund der symbolische Hoffnungsträger des Hohenleipischer Obst- und Gartenbauvereins. Neben dem organisierten Ankauf soll es mit weiteren Maßnahmen perspektivisch mit dem Obstanbau wieder aufwärts gehen. Rudi Schmidt, der Urgroßvater der Schülerin, war über 40 Jahre der Vorsitzende der zeitweise 300 Mitglieder starken Verbindung der regionalen Obstproduzenten. Großvater Gert Anders (64) lenkt seit einem Jahr die Geschicke des Vereins mit seinen derzeit noch 70 Mitgliedern.

Durch Billigprodukte aus dem europäischen Ausland ist es nach der Wende zu einem dramatischen Niedergang des Obstanbaus in der Region gekommen. Bis zu 50 Tonnen Kirschen wurden in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts pro Jahr auf 79 Hektar geerntet. Der ökonomische Gesamtgewinn lag in einer Saison bei einer hal­ben Millionen Ostmark. Nach Schätzungen stehen heute noch rund 20 000 Obstbäume auf den Anbauflächen um Hohenleipisch. In den nächsten Wochen werden somit wieder etwa 30 Tonnen Kirschen an den Bäumen hängen, die in den vergangenen Jahren einfach vom Baum gefallen sind. Mit einem Förderprogramm sollen zudem ab dem nächsten Jahr die brach liegenden Streuobstwiesen wieder auf Vordermann gebracht werden. Dazu sollen überalterte Bäume unter fachgerechter Anleitung durch Neupflanzungen ersetzt werden.

Zunächst einmal soll eine Vermarktungsstruktur aufgebaut werden. Beteiligt sind der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und Kerngehäuse e.V.. Kirschen fallen lassen oder verwerten? Wer macht mit? Je nach Reifegrad der Früchte soll es entweder am 16. und 17. Juni oder alternativ am 23. und 24. Juni zu einem Aufkauf kommen. Der genaue Termin wird mit Blick auf den Fruchtfortschritt noch bekannt gegeben. Für nicht mit ohnehin verbotenen Pestiziden behandelte Süßkirschen ohne Stiel werden 0,70 Euro pro Kilo gezahlt. Um die erwarteten Kapazitäten einigermaßen planbar zu machen, sollten Interessenten ihre voraussichtlichen Abgabekapazitäten per Zettel in den Briefkasten am Vereinsgelände in der Gartenstraße, an den Vereinsvorsitzenden Gert Anders in der Hohenleipischer Bahnhofstraße oder an die Mailadresse kerngehaeuse_ev@web.de anmelden. „Erstmals seit der Wende wird wieder ein Kirschenankauf zentral organisiert. Durch die Überalterung will keiner mehr so richtig ernten. Da ist Lili unser symbolischer Hoffnungsträger. Mittlerweile fehlen auch die notwendigen langen Leitern und Leiterstützen. Wenn wir aber jetzt nichts unternehmen, ist in zehn Jahren alles verschwunden“, meint der Vereinsvorsitzende Gert Anders.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 29.5.18

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/kirsche-in-den-ersten-kirschen_aid-23085613