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< "Ohne moralischen Zeigefinger"
24.10.2018 06:38 Alter: 49 days

Grünewalder Naturschutzgebiete nur mit ausreichend Wasser zu erhalten


Benjamin Schellenberger Costa von der Naturparkverwaltung erläutert im Grünewalder Vereinshaus die FFH-Richtlinie. FOTO: LR

Grünewalde. Grünewalder diskutieren über ihre Schutzgebiete Welkteich und Seewald. Von Torsten Richter-Zippack

Die Grünewalder bezeichnen die Lage ihres Dorfes als einzigartig. Der rund 1400 Einwohner zählende Ort hat mit dem Lauch nicht nur einen bekannten Badesee im Portfolio, sondern auch die beiden Naturschutzgebiete Welkteich und Seewald. Obwohl deren Flächen, insgesamt rund 340 Hektar, massiv durch den Bergbau beeinflusst werden, hat sich dort eine Pflanzen- und Tierwelt entwickelt, die anderswo in der Lausitz ihres Gleichen sucht. Uralte Wälder, Moore und Sümpfe sowie mehrere Gewässer bieten vielen gefährdeten Arten Lebensräume.

Kein Wunder also, dass sowohl der Welkteich als auch der Seewald als Flora-Fauna-Habitate (FFH) ausgewiesen sind. Die FFH-Richtlinie, von der EU bereits im Jahr 1992 beschlossen, gilt als bedeutendster Gesetzestext im Naturschutz. Allein in Brandenburg, so erklärt Benjamin Schellenberger Costa vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, gibt es 620 FFH-Gebiete sowie 27 Vogelschutzgebiete, die rund ein Viertel der Landesfläche einnehmen.

Derzeit erarbeiten die Naturschützer mithilfe externer Büros Managementpläne für Welkteich und Seewald. Die Endfassung soll im Winter 2020 vorliegen, kündigt Schellenberger Costa an. Inzwischen seien die Feldarbeiten, also die Erfassung des aktuellen Zustandes, weitestgehend abgeschlossen. Jetzt werde die Bevölkerung in die Erstellung der Naturschutzpläne aktiv eingebunden. „Wir wollen Projekte entwickeln, die gemeinsam mit den Landeigentümern und Flächennutzern tatsächlich auch umgesetzt werden können“, erklärt der Experte. Hauptziel sei es, die wertvollen Lebensräume auf Dauer zu erhalten.

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Die Stadt Lauchhammer bekommt beim Thema Wasser allerdings leichte Bauchschmerzen, wie Vertreterin Marina Boog sagt. Schließlich hatte erst Ende 2017 der am Welkteich vorüberführende überregionale Radweg auf 1,2 Kilometer unter Wasser gestanden und war daher nicht mehr nutzbar. Das müsse in Zukunft vermieden werden.

Nach Ansicht von Dr. Stefan Röhrscheid vom Nabu-Naturparadies Grünhaus müssten die Wasserstände angehoben werden. Das dürfte aber nicht ohne Konflikte mit weiteren Landnutzern vonstattengehen. Damit niemand zu kurz kommt, werde es weitere Infoveranstaltungen zu den Managementplänen für Welkteich und Seewald geben, kündigt Benjamin Schellenberger Costa an. Indes verspricht sich der Grünewalder Ortsvorsteher Reinhard Lanzke von den beiden Naturjuwelen einen sanften Tourismus. „Wir wollen den Leuten unsere Schätze zeigen. Erst dann wird bei vielen das Verständnis für diese Problematik geweckt.“

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 23.10.18 von Herrn Richter-Zippack

https://www.lr-online.de/lausitz/senftenberg/gruenewalde-seewald-und-welkteich-brauchen-wasser_aid-33947759

Den Dreh- und Angelpunkt bei den Grünewalder Naturschutzgebieten verkörpere indes das Wasser, sagt Dr. Siegfried Thomas, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins und Gastgeber der ersten Infoveranstaltung zu diesem Thema. „Die zukünftige Entwicklung von Welkteich und Seewald hängt maßgeblich von den jeweiligen Wasserständen ab. Sind sie gleichbleibend, kommt Stabilität hinein“, erklärt Thomas. Die Wasserfrage stehe und falle mit den Bergbausanierern der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Siegfried Thomas schlägt einen Kompromiss vor. Da sich zwischen dem Bergheider See und der Schwarzen Elster bei Plessa ein durchgehendes Grabensystem im Aufbau befindet, könne von dort ein gewisser Wasseranteil in die beiden Naturschutzgebiete geleitet werden. Denn ohne ausreichendes Nass wären die Tage der dortigen Moore, Feuchtwälder und Wiesen gezählt. Wie das genau funktionieren könnte, darüber müssten sich Wasserexperten die Köpfe zerbrechen. In der Tat, so sagt Benjamin Schellenberger Costa, sei ein hydrologisches Fachbüro bereits dabei, entsprechende Ideen auszuarbeiten. Das gesamte Gebiet lebe ohnehin weitestgehend nur vom Niederschlag und nicht vom Grundwasser.