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15.03.2019 08:05 Alter: 242 days

Schwächelt der Naturparkwettbewerb?

Immer weniger Bewerber um den Titel „Naturparkgemeinde“ – ein Versuch der Ursachenforschung. Von Frank Claus


Riesenfreude in Dobra! Gudrun Heyde und Patrick Leske (2.v.l.) nehmen die Plakette von Naturparkchef Lars Thielemann, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (2.v.r.) und Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (rechts) entgegen. Im Jahr 2017 folgte ein Naturparkfest, das im Dorf und in Bad Liebenwerda noch in bester Erinnerung ist. Eingeweiht wurde auch die „Auszeit am Dorfanger“. FOTO: Böttcher

Ausgerechnet im 20. Jahr des Wettbewerbes um die Naturparkgemeinde ist noch nicht eine einzige Bewerbung eingegangen. Und in wenigen Tagen, am 29. März, ist Einsendeschluss. Die RUNDSCHAU sprach mit Lars Thielemann, Leiter der Naturparkverwaltung.

Herr Thielemann, bislang noch gar keine Bewerbung. Im zurückliegenden Jahr gab es nur eine. Ist der Wettbewerb tot?

Lars Thielemann: Ich will das nicht hoffen. Ich bin immer noch stolz, dass es diesen Wettbewerb bei uns im 20. Jahr gibt. In anderen Naturparken gibt es den schon lange nicht mehr. Im Übrigen erreichen uns die meisten Bewerbungen immer erst am letzten Bewerbungstag.

Was könnten die Ursachen für die mangelnde Resonanz sein?

Lars Thielemann: Wir grübeln da auch schon lange. Fürchten viele den Aufwand des Naturparkfestes? Ist  die Erstellung der Bewerberunterlagen zu anspruchsvoll? Oder lässt gar das gesellschaftliche Engagement in den Orten nach? Ich glaube, es ist eine Summe von mehreren Faktoren, wobei gesellschaftliches Engagement in Orten schon immer unterschiedlich ausgeprägt war.

Lassen Sie uns mal mögliche Schwierigkeiten durchgehen. Thema Bewerbungsunterlagen.

Lars Thielemann: Da sind in der Vergangenheit wirklich kleine Bücher entstanden. Das muss nicht sein. Uns reichen die wichtigen Eckdaten laut unserer Ausschreibung auf zwei bis drei Seiten. Ein echtes Bild macht sich das Kuratorium – ich bin übrigens nicht stimmberechtigt – immer am Tag der Bereisung, diesmal ist der 3. April geplant. Da spürt die Jury, ob ein Ort lebt, ein Alleinkämpfer alles macht oder eine verschworene Truppe da ist. Da müssen die Gemeinden ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich habe noch keine Bewerbergemeinde erlebt, die auf ihre Weise nicht beeindruckend war.

Also ist es das Naturparkfest?

Lars Thielemann: Auch da gilt: Schneller, höher, weiter, größer – das fordern wir nicht. Ein Naturparkfest kann auch mal eine veranstaltete Radtour sein, ein Filmabend, eine Wanderung. Wenn das alles mit einem gemütlichen Beisammensein für die Dorfgemeinschaft und Gäste endet, ist das doch eine feine Sache. Die Sparkasse steuert von Beginn an immer 1000 Euro zu.

Alle bisherigen Bewerbergemeinden schätzen ein, dass sie die Teilnahme am Wettbewerb – ob nun Sieger oder Bewerber – vorangebracht hat. Das allein müsste doch Motivation sein, oder?

Lars Thielemann: Es ist wie im wahren Leben. Du brauchst schon zwei, drei Leute, die sich vor den Karren spannen. Überall wird uns aber bestätigt, dass sich im Bewerberjahr und vor dem Fest Einwohner eingebracht haben, die bislang überhaupt noch nicht aus der Deckung gekommen waren. In diesem Jahr höre ich oft, dass man die Wahlen abwarten wolle, in deren Ergebnis scheinbar viele generelle Personal- und Mehrheitenwechsel in ihren Gemeinden erwarten. Aber egal wie die Wahlen ausgehen, das Leben in den Orten geht doch weiter.

Die Projekte, die mit 5000 Euro bezuschusst werden, dürften ebenso ein Anreiz sein.

Lars Thielemann: Das denken wir auch, wenn man sieht, was damit schon alles bewegt wurde. Die Siegergemeinden erhalten ja nicht nur den Titel, sondern eben auch dieses Geld und einen aussagefähigen Flyer über ihr Dorf.

Müsste man das Geld für den Siegertitel aufstocken?

Lars Thielemann: Mehr Geld kann man immer gebrauchen. Aber ich finde, das ist nicht das Entscheidende. Netzwerke sind wichtiger.

Also haben Sie die Hoffnung nicht aufgegeben?

Lars Thielemann: Keinesfalls. Noch sind ja ein paar Tage bis zum Bewerbungsschluss. Und es gibt einige Gemeinden, die zum dritten Mal den Titel erringen könnten und dann dauerhaft den Titel Naturparkgemeinde tragen dürfen. Noch mehr würde es mich freuen, wenn sich Gemeinden des Naturparks bewerben, die das noch nie getan haben. Nur Mut. Wir helfen, wo wir können.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 15.3.19 von Frank Claus

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/naturparkwettbewerb-im-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft_aid-37444495