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23.03.2017 11:44 Alter: 36 days

Sensible Hähne und abgeklärte Hennen beim Auerhuhn-Projekt


Geoökologe Dr. Alexander Zimmermann (38), der neue Projektleiter Auerhuhn-Ansiedlung mit zwei Sendern für die Auerhühner im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft Bad Liebenwerda Foto: Frank Claus (LR-MOB-RED-662)

Bad Liebenwerda Das Auerhuhn-Projekt geht in seine nächste Phase. Bisherige Ansiedlungserfolge geben Zuversicht. Inzwischen sind etwa 70 Tiere in der Niederlausitz nachweisbar.

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<figure itemtype="http://schema.org/ImageObject" itemscope="" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure> <figcaption itemprop="description" class="articleImageCaption"></figcaption></figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Vermutlich nimmt er mit seinen leuchtenden Augen so schon gefangen. Wenn er aber über das Auerhuhn-Projekt spricht, scheint es, als würden sie blitzen. Dabei ist der neue Projektkoordinator Dr. Alexander Zimmermann erst wenige Wochen im Naturparkhaus in Bad Liebenwerda im Dienst. Der 38-jährige Geoökologe - der Dresdner hat am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften in Potsdam studiert und promoviert - sagt es unumwunden: ?Wissenschaft ist gut und wichtig. Aber ich wollte wieder raus in die Praxis.?

In Bad Liebenwerda hat er einen Berg voller Arbeit vor sich und kann auf einen ebensolchen an Erfahrungen bauen. ?Was Naturparkleiter Lars Thielemann und sein Team für das Auerhuhn-Projekt bisher geleistet haben, ist gewaltig?, sagt er. Seine erste Bewährungsprobe hat der ?Neue? gerade hinter sich gebracht: Etwa 20 Vertreter von Auer- und Birkhuhn-Projekten aus Polen, Belgien und den Niederlanden sowie aus den deutschen Bundesländern Thüringen und Bayern sind in der vergangenen Woche zu einem ersten Erfahrungsaustausch in Bad Liebenwerda zusammengekommen. ?Eine Arbeitstagung, die uns allen viel gegeben hat?, sagt Dr. Zimmermann.

Die Thüringer wollen zum ersten Mal Auerhühner aus der Landschaft Schwedens entnehmen. Die Polen und Bayern haben bereits Erfahrungen mit der Wiederansiedlung des Birkhuhns. Seit im Jahr 2012 die ersten mit Sendern versehenen Tiere in der Niederlausitz ausgesetzt werden konnten, hat sich die Population rund um Bad Liebenwerda wieder entwickelt. Für die Vögel konnten bereits 2016 Tiere der Enkelgeneration nachgewiesen werden, also echte ?Brandenburger? Auerhühner. Die Bad Liebenwerdaer Pilotprojektler des Brandenburger Auerhuhn-Umzugs sind inzwischen selbst zu erfahrenen Hasen geworden.

Lars Thielemann würde diesen Satz vermutlich so nie zulassen. Noch lange nicht würde man das Projekt abschließend als gelungen bezeichnen können. Auch wenn inzwischen etwa 70 Tiere in der Niederlausitz nachweisbar seien, benötige das Projekt bis zur dauerhaften Wiederansiedlung noch einen langen Atem und Geld.

1,4 Millionen Euro stellt der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes den Bad Liebenwerdaer Ansiedlungsexperten zur Verfügung. Was viel klingt, ist am Ende für den fünfjährigen Bewilligungszeitraum von 2017 bis 2022 doch knapp bemessen. Vier Mitarbeiter habe das Projektteam, und finanziert werden müssten mit dem Geld sämtliche Maßnahmen ? von den ständigen Fahrten mit Auto, Schiff und Flugzeug nach Schweden bis hin zur wissenschaftlichen Begleitung einschließlich Monitoring. Am Ende müssen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse vorgelegt werden.

Jährlich 60 Tiere dürfen mit Zustimmung der Schweden aus dortigen Landschaftsgebieten entnommen werden. Während hierzulande die Population Ende der 90er-Jahre erloschen war, gibt es dort Birk- und Auerhühner noch in ausreichender Zahl. In Schweden sind die Vögel sogar noch als bejagbares Wild eingestuft.

Der Fang freilich gestaltet sich schwierig. ?Vor allem die Männchen sind während der Balz unheimlich sensibel.? Sie werden mit dünnen, durchsichtigen Netzen auf Balzplätzen Mitte April in Mittelschweden gefangen. Der Transport nach Deutschland müsse ganz schnell gehen, weswegen eine Fahrt nur mit dem Auto möglich sei. Quasi rein in die Kiste und ab. ?Im Vorjahr ist es gelungen, alle vier gefangenen Hähne erfolgreich in ihr neues Zuhause zu bringen?, so Dr. Zimmermann. Die Hennen werden in Nordschweden an bereits schneefreien Straßenrändern, wo zumeist auch schon kleine Gräser die Tiere anlocken, mittels Kescher im Mai gefangen und können nach kurzer Zwischenhaltung in größeren Gruppen mit dem Flieger nach Deutschland gebracht werden. Das alles passiere in speziell vorbereiteten Pappkartons. Die Bedingungen in hiesigen Wäldern mit wieder gut entwickelten Heidelbeer- und Preiselbeerenbeständen würden die Chancen auf eine dauerhafte Wiederansiedlung erhöhen.

Es ist Wiedergutmachung – nicht mehr und nicht weniger

 

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Bad Liebenwerda Der Mensch hat die Auerhühner vertrieben. Durch Bergbau, holzorientierte Forstwirtschaft, die Nutzung großer Flächen für militärische Übungszwecke und schließlich Luftverschmutzung.

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<figure itemtype="http://schema.org/ImageObject" itemscope="" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure>Frank Claus <figcaption itemprop="description" class="articleImageCaption"></figcaption>Frank Claus Foto: Veit Rösler (ELW)</figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Waldumbau und mehr Sorgfalt im Umgang mit der Natur haben hiesige Wälder wieder gesunden und vielfältiger werden lassen. Doch Artenvielfalt ist nur schwer zurückzugewinnen ? mitunter auch nur mit hohem finanziellen Aufwand.

Inzwischen werden die Auerhühner nicht mehr nur mit Sendern versehen ? bei den sensiblen Männchen geht das gar nicht ? sondern ihnen wird auch der genetische Abdruck entnommen. Dazu werden von allen Tieren vor dem Aussetzen Federn gezogen. Eine Vielzahl davon konnte im Naturpark gefunden werden. Bald gibt es die ersten Ergebnisse vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Vielleicht können wir uns da schon wieder über den Nachweis neuer Auerhuhn-Kinder freuen. Und irgendwann sagen: Unser Charaktervogel ist wieder zu Hause!

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Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 23.3.17 von Frank Claus