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28.02.2018 09:42 Alter: 172 days

Vorsicht vor siebenköpfigen Drachen

Pomologin Urte Delft hat in mehreren Seminaren im Pomologischen Garten Döllingen gezeigt, wie Obstbäume den richtigen Schnitt erhalten und welche Fehler vermieden werden sollten.


Döllingen Wer kennt es nicht? Die einst tollen Obstbäume werden immer dichter und die Früchte sind auch nicht mehr das, was sie einst einmal waren.  In den allermeisten Fällen hilft hier ein Obstbaumschnitt.  Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bietet nun schon seit neun Jahren  Hilfe an. „Pro Jahr veranstalten wir drei Seminare zum Obstbaumschnitt. Diese werden  immer sehr gut nachgefragt. So haben wir Teilnehmer nicht nur aus dem Elbe-Elster-Land bis hin nach Lauchhammer, sondern hatten auch jene aus der Leipziger oder  Dresdner Ecke“, erklärt Andrea Opitz vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Seien in den Anfangsjahren eher ältere Männer unter den Kursteilnehmern gewesen, so habe sich zuletzt das Alter hin zum jüngeren mit einem hohen Frauenanteil gewandelt.

Dies bestätigte sich auch bei den drei Kursen am vergangenen Wochenende. Die studierte Pomologin Urte Delft brachte den Kursteilnehmern im theoretischen Teil die Grundlagen des naturgemäßen Obstbaumschnitts bei und zeigte es im praktischen Teil an Bäumen im pomologischen Garten. „Bevor die Leute sich einen Baum pflanzen, sollten sie sich überlegen, wo ein Baum hinkommt. Soll es ein stark wachsender für die Wiese sein oder ein mittelstark wachsender für den Garten“, so die 44-Jährige. Nach ihrer Erfahrung hin werden die Bäume im Kleingarten eher zu viel beschnitten, auf der Wiese eher zu wenig. „Die Bäume sollten eher zaghaft zurückgeschnitten werden. Wenn man zu viel schneidet, kommt der sogenannte siebenköpfige Drachen mit vielen Wasserreißern. Das mindert den Obstbesatz. Ein Obstbaum neigt eher zu viel Kernen in Form von kleinen Früchten, wir wollen aber lieber großes Obst“, weiß Urte Delft.  Geschnitten sollten Zweige werden, die sich kreuzen oder reiben. „Bei einem Jungbaum schaut man eher auf den Kronenaufbau, damit er schön wächst. Bei einem Altbaum sollte durch den Schnitt das Gleichgewicht zwischen  Früchten und Triebbildung hergestellt werden.  Ein Baum muss atmen. Wenn man fertig ist, sollte man sich am Baum erfreuen können. Der Merksatz mit dem Hut durchwerfen zählt dabei immer noch“, erklärt die Fachfrau, die meint, dass bis zur Triebbildung die Bäume beschnitten werden können. Eine Ausnahme bilde hier die Kirsche, die als Kernobst anders beschnitten werde und die Walnuss, die erst beschnitten werde, wenn Blätter dran sind, so die 44-jährige Pomologin.

„Ich bin zum ersten Mal bei solch einem Schnittseminar dabei. Wir wollen auf unserem neuen Grundstück eine Streuobstwiese mit alten Sorten anlegen. Die Theorie war schon recht anspruchsvoll“, so Teilnehmer Daniel Tallarek aus Lindena nach dem Kurs. „Nach diesem Seminar schaue ich meine Bäume mit ganz anderen Augen an. In unserem Garten sind viele Bäume, die geschnitten werden müssen. Bisher haben wir es nur probiert. Nun haben wir mehr Vertrauen und  machen uns ans Werk. Der Kurs war sehr verständlich“, sagte Marianne Vogler aus der Schweiz, die zusammen mit ihrem Mann bei dem Kurs vorbei schaute. Das Rentnerehepaar hat sich in Theisa ein Wochenendhaus zugelegt und verbringt viel Zeit im Elbe-Elster-Land.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 27.2.18 von Mirko Sattler

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/vorsicht-vor-siebenkoepfigem-drachen_aid-7614629