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< Von feurigen Damen und heiligen Quellen
03.04.2018 14:10 Alter: 138 days

Unter besonderem Schutz


Dr. Benjamin Schellenberger Costa kümmert sich im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft um die FFH-Managementplanung. Acht Gebiete werden gegenwärtig untersucht. Bis 2020 sind die Pläne der EU vorzulegen - und Brandenburg ist wie Deutschland insgesamt im Verzug.

Bad Liebenwerda. Weshalb der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft jetzt „für Europa“ Hausaufgaben machen muss. Von Frank Claus

Deutschland ist im Verzug und Brandenburg auch. Während in der Schule bei Nichtabgabe von Hausaufgaben die Note 5 droht, schwebt über der Bundesrepublik die Gefahr von Strafzahlungen. Worum geht es?

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In der Europäischen Union wurde 1992 beschlossen, in Schutzgebietsnetz (Natura 2000) über ganz Europa aufzubauen, welches dem Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient.

In Brandenburg werden in sogenannten Managementplänen die Strukturen, die Artenvielfalt und nötige Erhaltungsmaßnahmen in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) festgelegt. Im Landkreis Elbe-Elster gibt es 13 besonders schutzwürdige Gebiete. Managementpläne existieren bereits für den Mittellauf der Schwarzen Elster und die Alte Röder bei Prieschka. Diese Pläne sind durch den Naturschutzfonds erarbeitet worden. Für drei weitere Gebiete – Westsee Tröbitz und die Naturschutzgebiete Grünhaus und Hohenleipisch (Muna 3) – müssen die vorhandenen Pläne auch nicht neu erstellt werden, da sie erst seit relativ kurzer Zeit als Schutzgebiete ausgewiesenen sind und in diesem Zusammenhang nötige Kartierungen erfolgt sind.

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Bleiben also acht Gebiete  – und die liegen allesamt im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Bis 2020 müssen die nötigen Unterlagen bei der EU eingereicht werden. Damit hat seit März 2017 Diplombiologe Dr. Benjamin Schellenberger Costa zu tun. Der 32-jährige Sachse hat an der Universität in Leipzig Pflanzenphysiologie studiert und ist mit einer „sachgrundmäßigen Befristung“ für zwei Jahre beim Naturpark angestellt. Um das Projekt zu Ende zu führen, hofft man im Naturpark auf eine Verlängerung seiner Beschäftigungszeit, denn nichts wäre fataler, als mitten im Erarbeitungsprozess den Projektkoordinator zu wechseln.

Dass im Naturpark so viele FFH-Gebiete ausgewiesen sind, belegt auch, dass die Natur dort intakt ist und dass eine ganze Reihe von Besonderheiten gibt, die so in Europa nur noch selten anzutreffen sind. Im Loben, Forsthaus Prösa, Hohe Warte, Kleine Elster und Schackenniederung, Seewald, Suden bei Gorden, Welkteich und auf den Wiesen am Floßgraben wird jetzt mit Unterstützung eines Umweltbüros kartiert:

Die zu erarbeitenden Pläne gelten laut Umweltministerium „als zentrales Instrument, um die Erhaltungsziele zu konkretisieren, Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes zu formulieren und vor allem auch um die Akzeptanz und das Engagement für die Umsetzung von Maßnahmen in den jeweiligen Regionen zu fördern.“ Die Managementpläne bilden so „eine Grundlage für das Monitoring und beschreiben gegebenenfalls verträgliche und unverträgliche Nutzungen.“

Was ist nun zu tun? Neben der Bestandsaufnahme in den Gebieten  – also unter anderem der Artenprüfung und der Bewertung des Erhaltungszustandes –  kommt es nun darauf an, die Flächeneigentümer mitzunehmen, um mit ihnen gemeinsam zu besprechen, welcher Pflegeaufwand nötig ist. Dabei gehe es nicht darum, so Dr. Benjamin Schellenberger Costa, Bewirtschaftungs- oder gar Betretungsverbote festzulegen. Aber besprochen werden müsse, wie, wann und in welcher Qualität in die Gebiete eingegriffen werden solle. Mitunter gehe es nur darum, Flächeneigentümer zu bitten, bestimmte Gebiete anstelle bislang einmal, zweimal im Jahr zu mähen und dabei bestimmte Technologien anzuwenden. Werde zum Beispiel von Innen nach Außen gemäht, könnten Kleinlebewesen flüchten. Zu einer Auftaktveranstaltung am 9. April ab 16 Uhr im Natoureum in Maasdorf sind Flächeneigentümer, Mitarbeiter der Forst, des Gewässerunterhaltungsverbandes, Landwirte und interessierte Personen eingeladen, mehr über die Managementplanung zu erfahren.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 26.3.18 von Frank Claus

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/naturpark-ffh-managementplaene_aid-8113575