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25.05.2018 08:47 Alter: 30 days

Wieder 50 neue Hennen


Kurz vorm Freiflug: Die letzten drei von 50 in Schweden gefangenen Auerhühner entlässt Staatssekretärin Carolin Schilde im Revier Weißhaus bei Doberlug mit Naturparkchef Lars Thielemann (Mitte) und Ralf Rüthnick, stellvertretender Direktor des Landesbetriebes Forst Brandenburg. FOTO: LR / Frank Claus

Doberlug-Kirchhain. Am Tag der Artenvielfalt werden drei Auerhühner des Maifangs in Schweden im Revier Weißhaus bei Doberlug ausgewildert. Die Population entwickelt sich immer stabiler. Von Frank Claus

Es ist immer ein erhebender Moment. Wieder erhebt sich einer der Ende der 90er-Jahre schon ausgestorbenen, einstigen Charaktervögel der Niederlausitz in die Lüfte und sucht im Kiefernwald den Schutz im satt grünenden Teppich der Blaubeerensträucher. Möglich macht es ein besonderes Wiederansiedlungsprojekt im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Dazu dürfen jährlich bis zu 60 Auerhühner in Schweden, wo es sie noch in großer Stückzahl gibt, gefangen werden.

Anlässlich des Tages der Artenvielfalt war es Brandenburgs Agrar- und Umwelt-Staatssekretärin Carolin Schilde am Dienstag vorbehalten, gemeinsam mit Ralf Rüthnick, stellvertretender Direktor des Landesbetriebs Forst, die letzten drei der insgesamt 50 gefangenen Hennen im Revier Weißhaus bei Doberlug auszuwildern. Die Umsiedlung wildlebender Auerhühner aus Schweden in die Niederlausitz ist Teil eines Wiederansiedlungsvorhabens zur Umsetzung des Artenschutzprogramms für diesen imposanten Hühnervogel.

Weltweit nimmt die Artenvielfalt ab.  Dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, gehöre zu den Herausforderungen unserer Zeit. „Projekte wie dieses sind beispielgebend: Hier haben Naturschutz- und Forstbehörden erfolgreich zusammengearbeitet, ebenso wie Wissenschaftler und zahlreiche ehrenamtlich Tätige, von der Idee bis zur Umsetzung. So ist man gemeinsam erfolgreich“, erklärte Staatssekretärin Schilde selbst ergriffen von den wunderschönen Vögeln. Dabei ist es beileibe nicht einfach, eine Art wieder anzusiedeln. Seit 1996 laufen die Vorbereitungen von Forstleuten und Naturschützern. Zunächst wurde überprüft, ob die ins Auge gefassten Flächen wieder den entsprechenden Lebensraum bieten können. Schließlich ist das Ziel des mit 1,4 Millionen Euro geförderten Projektes, wieder eine selbst tragende und langfristig überlebensfähige Population zu etablieren.

Im Jahr 2012 ist schließlich das erste Auerhuhn aus Schweden nach Brandenburg gekommen. Seit 2015 ist die Pilotphase in eine tatsächliche Wiederansiedlung der Art überführt worden. Seit 2013 brüten die Vögel in der Brandenburger Niederlausitz nun wieder erfolgreich. Es gibt inzwischen etwa 100 „Brandenburger“. Projektleiter Dr. Alexander Zimmermann kann anhand genetischer Nachweise bestätigen, dass 2015 zuerst sieben hier geschlüpfte Tiere nachgewiesen wurden. 2016 waren es schon 27 und 2017 sogar 66 Tiere. Dabei lohne der Aufwand, Wildtiere aus Schweden eine neue Heimat zu geben. „Mit Zuchttieren waren die Erfolge deutlich geringer.“ Die hätten in der Wildnis oft nur 16 bis 25 Tage überlebt.

Von den jetzt 50 ausgewilderten Tieren sind zehn wieder mit Sendern versehen. Die Experten haben bereits mehrere Stammplätze der Vögel ausfindig machen können.

Die Vögel sind eindrucksvoll. Sie galten schon immer als eine besondere Art und waren früher als „Hochwild“ dem Hochadel als Jagdbeute vorbehalten. Die besondere Stellung des „Urhahns“ (Tetrao urogallus) wird durch zahlreiche künstlerische Darstellungen dokumentiert und hat ihren Ursprung wohl auch im imposanten Balzverhalten des Hahns, das zu den bemerkenswertesten Naturschauspielen gehört und nun auch wieder in den Wäldern der Niederlausitz aufgeführt wird.

Das Auerhuhn sei, so das Ministerium, aber auch ein Beleg für naturnahe und großräumige Wälder. Ohne hinreichend großen Lebensraum in entsprechender Qualität sei das Auerhuhn nicht zu haben.

Der Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) habe für die beiden im Süden des Landes gelegenen Oberförstereien Doberlug und Lübben das Auerhuhn als Leitart definiert. Damit sei verbunden, dass sich das waldbauliche und jagdliche Handeln auch über die allgemein gültigen Grundsätze des LFB hinaus an den ökologischen Ansprüchen der Art orientiere und somit einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung des Artenschutzprogramms Auerhuhn des Landes Brandenburg leiste. Dies diene darüber hinaus zahlreichen weiteren Arten der Waldlebensgemeinschaft und der Naturnähe unserer Wälder.

Im konkreten Fall seien auch abgestimmte Maßnahmen ergriffen worden, um natürliche Feinde des Auerhuhns – vor allem Waschbär, Mink und Marderhund – einzugrenzen.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 23.5.18

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/auerhuehner-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft_aid-22807787