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25.06.2018 15:27 Alter: 89 days

Das Auerhuhn kehrt zurück


Das Auerhuhn war einst der Charaktervogel in den Wäldern der Lausitz. Bis 1998 die letzte Henne in der Rochaer Heide gesichtet wurde und der imposante Vogel als ausgestorben galt. Seit 2011 versuchen Artenschützer das Auerhuhn in der Lausitz wieder anzusiedeln. Mit wachsendem Erfolg. Maren Schibilsky war in der Liebenwerdaer Heide auf Auerhuhnpirsch.

Regelmäßig durchstreift Lars Thielemann die Liebenwerdaer Heide auf der Suche nach Auerhuhnfedern. Am leichtesten findet er sie in sogenannten Huderpfannen. Das sind die Stellen im Wald, wo die Tiere gerne ein Sandbad nehmen. Lars Thielemann: "Das ist hier offensichtlich eine Huderpfanne, ein Sandbad, wo ein Huhn, das sieht man, das ist relativ frisch, im Sand gebadet hat um damit einerseits Parasiten loszuwerden und zum Wohlbefinden beizutragen."

Beim Sandbad lassen die Auerhühner schon mal ein paar Federn. Für den Leiter des Naturparks ´Niederlausitzer Heidelandschaft´ ein wertvoller Fund.  Lars Thielemann: "Das ist schon richtig genetische Information, aus der wir eine ganze Menge mehr erfahren können, als dass hier ein Huhn war."

Mit der Federsammelaktion will Lars Thielemann herausfinden, wie viele Auerhühner in der Lausitz leben. Das Projektgebiet im sogenannten Finsterwalder Ring ist 60 000 Hektar groß mit lichten Eichen-Kiefernwäldern und jeder Menge Blaubeersträucher am Waldboden. Das lieben die bis zu sechs Kilogramm schweren Vögel: "Es braucht große zusammenhängende unzerschnittene Wälder mit großer Naturnähe. Es braucht die Blaubeere und Preiselbeere am Boden als Nahrung und als Deckung. Die laufen ja einen Großteil ihres Lebens in den Blaubeersträuchern herum. Die sind sehr flink und können sich dort verstecken."

Die ersten Auerhühner, die 2012 hier ausgewildert wurden, kamen aus Schweden. Mit vier Meter langen Angelrouten und großen Netzen aus Gummifäden wurden sie dort aus fahrenden Auto heraus gefangen und mit dem Flugzeug in die Lausitz gebracht und ausgewildert. Und noch immer holt Lars Thielemann Tiere aus Schweden: "Wir wollen natürlich nicht mehr Tiere der dortigen Population entnehmen als unbedingt notwendig ist. Man muss natürlich auch wissen, dass nicht jedes Tier, was wir aus Schweden holen, hier überlebt. Auerhühner sind sehr weit unten in der Nahrungspyramide angesiedelt. Es gibt eine Reihe von Gegenspieler oder Möglichkeiten, warum sich das Tier nicht effektiv fortpflanzen kann. Deswegen müssen wir auch ein stückweit auf Masse arbeiten." 

Doch unter den Auerhühnern gibt es schon echte ´Brandenburger´. Um ihre Anzahl zu bestimmen, schickt Lars Thielemann die gesammelten Federn ans Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Tiergenetiker Arne Ludwig gewinnt aus diesen Federn dann die DNA und macht den Vaterschaftstest:  "Wir hatten 2013 den ersten Nachkommen. Seitdem steigt die Anzahl der Nachkommen kontinuierlich an. 2015 hatten wir sieben Nachweise, 2016 siebenundzwanzig und bereits im letzten Jahr 66 Nachkommen."

Trotz dieses Erfolgs ist das Auerhuhn hier noch nicht überm Berg. Viele Waldbesitzer und Jäger helfen aber mit, die Wiederansiedlung zu begünstigen. Mit auerhuhnfreundlicher Waldbewirtschaftung und verstärkter Jagd auf Fuchs, Marder und Waschbär, die Fressfeinde des Auerhuhns sind. Und jeder, der diese imposanten Vögel einmal in freier Wildbahn gesehen hat, ist beeindruckt – meint Lars Thielemann: "Wenn man sie mal an einem Balzplatz erleben konnte, wenn mehrere Hähne in der Morgensonne dieses unglaubliche Ritual vollziehen,  dann wird einem klar, warum das Auerhuhn uns Menschen fasziniert und immer was Besonderes war."

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<time datetime="2018-06-25T10:25" class="archivedisclaimer"></time>Auerhuhnbeitrag im RBB-Inforadio zur Aufführung Stand vom 25.06.2018</time><//time>

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