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22.05.2019 15:34 Alter: 89 days

Auerhühner erstmals sanft freigelassen


Am Tag nach der Ankunft öffnen Lars Thielemann und Nadja Poser im Forst Grünhaus die Volieren. FOTO: LR / Wildkamera Naturpark

Wieder neue Bewohner für den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und die Rochauer Heide. 34 Hennen und ein Auerhahn sind das Ergebnis der zweiten Frühjahrsfangaktion. Von Frank Claus

Es war die bislang schwierigste Auerhuhn-Fangaktion in den schwedischen Regionen Västerbotten und Jämtland. Zwei Teams – bestehend aus Frank Raden, Torsten Ryslavi, Auerhuhn-Projektchef Dr. Alexander Zimmermann, Christian Funk, Michél Springer und Naturparkleiter Lars Thielemann  – waren diesmal am Start. Lars Thielemann räumt zu Hause angekommen ein: „Das Team hat dieses Mal wirklich hart kämpfen müssen. Ich bin der Mannschaft zu großem Dank verpflichtet. Respekt!“ Denn es waren nicht nur die äußeren Begleitumstände –  teils enorme Sturmböen und Schneeregen – die den Fängern alles abverlangten. Die Hennen, die sich zu dieser Jahreszeit zumeist an schneefreien Straßenrändern aufhalten und das erste zarte Grün und Steinchen (wichtig für die Verdauung) picken, werden mittels Kescher aus dem fahrenden Auto gefangen.

Es war auch der Umstand, dass diesmal einige Neulinge sowohl an den Keschern als auch als Fahrer fungierten. Die alte, bewährte Stammmannschaft durfte wegen administrativer Entscheidungen zum Personaleinsatz nicht mehr fahren. Für das Projekt natürlich ein Problem, denn Auerhühner fangen will gelernt sein und benötigt Erfahrung. Umso mehr freut sich Lars Thielemann über das am Ende respektable Ergebnis. Vorgenommen hatte sich die Crew beim Aufbruch, dass jedes Team 22 Hühner fängt. Nur einem Team ist das gelungen, sodass am Ende anstelle 44 „nur“ 34 Hennen und ein Hahn nach Deutschland umgesiedelt werden konnten. „Wir sind sogar am Abfahrtstag früh um Zwei noch mal raus, um noch Tiere zu fangen.“ Erst danach ging es auf die 1400 Kilometer lange Rückfahrt.

Wie stark dieses Ergebnis ist, belegt das eines anderen, zeitgleich fangenden Teams aus Thüringen in Schweden. Diese Mannschaft hat nur drei Tiere überlisten können.

Dennoch ist Lars Thielemann ein wenig unruhig. „Wir dürfen pro Jahr 60 Tiere entnehmen, die Ergebnisse des ersten Frühjahrsfanges (fünf Auerhähne, eine Henne) eingerechnet, müssen wir Ende September/Anfang Oktober noch 19 Tiere fangen, um die Jahresmenge auch wirklich auszuschöpfen. Auerhühner im Herbst fangen, das wird verdammt schwer.“

Und Lars Thielmann weiß natürlich um die Endlichkeit des 2017 begonnenen, fünfjährigen Projektes zur dauerhaften Etablierung des Auerhuhns. „Wir haben dann nur noch zwei Jahre, wenn wir keine Verläng­erung bekommen“, so der Naturparkchef. Bislang ist die Wiederansiedlung eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen seien 101 Tiere hierzulande genetisch nachgewiesen. Die Sichtungen durch Förster, Jäger, Ornithologen und Naturfreunde inbegriffen, seien es bereits 111 Tiere. Bemerkenswert: Seit im Jahr 2012 die ersten 28 Auerhühner in Schweden gefangen und um Bad Liebenwerda, Finsterwalde und Dahme ausgewildert wurden, hat sich die Population stetig entwickelt. Inzwischen gebe es nachgewiesen 77 echte Brandenburger. Das sind Vögel, die hier geschlüpft sind.

Das Zeitfenster für den Herbstfang ist genau vorgegeben und beträgt nur 14 Tage. Das sind jene zwei Wochen, in der in Schweden die Elchjagd wegen der Brunftzeit verboten ist. Während im Elbe-Elster-Gebiet Auerhühner ausgestorben waren – die letzte Henne wurde 1998 in der Rochauer Heide gesichtet – gibt es in Schweden jede Menge. „Die Experten vor Ort haben uns erzählt, dass die Population sogar noch einmal gewachsen ist“, berichtet Lars Thielemann.

Nachdem die Vögel mit dem Flieger in Schacksdorf gelandet waren, sind sie diesmal nicht wie sonst sofort aus den Transportkisten in die Freiheit entlassen worden, sondern erstmals über Nacht in Zwischenvolieren mitten im Wald eingewöhnt worden. Scheinbar ein sehr gutes Mittel, um die Tiere nach dem Stress wieder auf normalen Blutdruck zu bekommen.

Die dichten Blaubeerbestände haben sie abgegrast. Nachdem die Türen der Volieren geöffnet wurden (siehe Daten der Wildkamera) seien einige Hennen sogar noch einen Tag länger im Gebiet geblieben. „Soft release“ heißt das im Fachjargon, sanfte Freilassung also. Das verhindere auch allzu schnelle Begegnungen mit Feinden wie Fuchs und Habicht.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 21.5.19 von Frank Claus

https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/35-auerhuehner-aus-schweden-fuer-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft_aid-38924249