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21.11.2019 13:28 Alter: 19 days

Blühendes Land durch Streuobst

Naturschutz Ein Paradies für alte Sorten - die besondere Landschaft um Hohenleipisch erhält eine große Vitaminspritze. Allein dieses Jahr werden 1000 Obstbäume gepflanzt. Von Manfred Feller


Foto: Eine Streuobstwiese zwischen Hohenleipisch und Kraupa. Symbolisch für viele weitere Obsgehölze wird ein Apfelbaum gepflanzt.

Naturschutz Ein Paradies für alte Sorten - die besondere Landschaft um Hohenleipisch erhält eine große Vitaminspritze. Allein dieses Jahr werden 1000 Obstbäume gepflanzt. Von Manfred Feller

Bis aus Berlin sind zu DDR-Zeiten die Kirschpflücker in die größte Streuobstwiesenregion auf dem Gebiet des heutigen Brandenburgs angereist. Nach der politischen Wende kam der Einbruch. Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen gab es nun im Handel im Überfluss. Die Streuobstwiesen blieben zumeist sich selbst überlassen und bieten vor allem im Winterhalbjahr zu oft einen traurigen Anblick. Nur während der Obstbaumblüte zeigt sich ansatzweise die einstige Pracht.

1000 Bäume werden gepflanzt

Doch seit ein paar Jahren wird an der Wiederbelebung gearbeitet. Es gibt testweise sogar wieder Obstaufkauftermine. Dafür macht sich die Verwaltung des Naturparkes Niederlausitzer Heidelandschaft in Bad Liebenwerda stark. Ihr großer Kooperationspartner ist der Obst- und Gartenbauverein Hohenleipisch mit wieder rund 80 Mitgliedern.

Mit weiteren privaten Streuobstwiesenbesitzern werden sie in diesem Jahr insgesamt etwa 1000 junge Bäume pflanzen. „Allein 600 werden noch in dieser Woche geliefert“, verrät Andrea Opitz vom Sachbereich Landnutzung und Regionalentwicklung in der Naturparkverwaltung. Diese untersteht dem Landesamt für Umwelt. Landesgelder sind es unter anderem, die in die Vitalisierung der landschaftsprägenden Streuobstwiesen fließen.

Aber es gibt auch starke private Partner, wie die Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH. Der Verein Kerngehäuse, die Kompetenzstelle Streuobst im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, hatte erst im September mit dem namhaften Getränkeproduzenten eine Kooperationsvereinbarung für eine langfristige, strategische Partnerschaft unterzeichnet.

Mineralquellen helfen praktisch

Dahinter stehen nicht nur Absichtserklärungen und beschriebenes Papier, sondern konkretes Engagement. „Wir starten mit einer Anschubfinanzierung von 5000 Euro. Dieses Geld ist für die Pflege des Altbaumbestandes und für Neuanpflanzungen gedacht“, erläutert Annett Stang, Marketingleiterin Ost der RhönSprudel-Gruppe mit Sitz im hessischen Ebersburg. Die Gruppe gehört mit den Mineralquellen Bad Liebenwerda, mit MineralBrunnen RhönSprudel, Spreequell Mineralbrunnen und der Bauer Fruchtsaft GmbH zu den Top Ten der Mineralwasserbranche in Deutschland.

Symbolisch wurde in dieser Woche auf einer 1,8 Hektar großen Streuobstwiese, die der Naturpark von privat erworben hat, gelegen zwischen Hohenleipisch und Kraupa bei Bad Aegir, ein Apfelbaum gepflanzt. Das ist nicht irgendeiner, sondern ein Edelborsdorfer. „Er wird in älteren Büchern auch als der König der deutschen Äpfel bezeichnet.

Diese aus Sachsen stammende Sorte wurde im Jahr 1175 zum ersten Mal erwähnt“, erläutert Andrea Opitz. Der Edelborsdorfer mit seinem harmonisch-süß-sauren, leicht zimtartigen Geschmack gelte als die älteste dokumentierte Sorte. Einst war sie in fast allen Gärten zu Hause. Heute sei sie selten. Auch darum geht es auf den Streuobstwiesen: alte Sorten zu erhalten.

Für eine intakte Natur

„Streuobstwiesen sind nachhaltig und eine tolle Kulturlandschaft. Wir möchten der Natur etwas zurückgeben“, begründet Christian Schindel, Geschäftsführer der RhönSprudel-Gruppe, das Engagement der Mineralquellen Bad Liebenwerda. Nicht zuletzt brauche das quellgesunde Mineralwasser, das aus den Tiefen gefördert werde und seinen Ursprung im Naturpark habe, eine intakte Natur. Nachhaltigkeit, Energie- und Umweltmanagement seien wichtige Themen in dem großen Unternehmen. Dafür spreche auch die jüngste erfolgreiche Umweltzertifizierung nach international geltenden Kriterien.

Die blühenden Ergebnisse der aktuellen Neupflanzungen und der Altbestandspflege werden bereits im kommenden Frühjahr sichtbar sein, ist Lars Thielemann, Leiter des Naturparks, überzeugt. Dies gelte auch für die Muster-Streuobstwiese, die der praktische Garten für jeden Interessenten werden soll. Auf den 1,8 Hektar war der Baumbestand auf 80 bis 100 zurückgegangen.

Ziel seien die ursprünglichen rund 160 Obstbäume, so Andrea Opitz. Daneben werde ein Blühstreifen entstehen. „Unsere Idee ist, dass das hier im Gegensatz zum Lehrgarten in Döllingen eine Bürgerwiese wird“, blickt sie voraus. Noch zu suchende Baumpaten pflegen die Obstgehölze und ernten die Früchte als Gemeinschaftserlebnis mit anschließendem Freiluftfest.

Früchte ernten und verarbeiten

Zu denen, die das Streuobst und andere regionale Produkte verarbeiten und anbieten, gehört die Niederlausitzer Heidemanufaktur von Petra Wetzel aus Hohenleipisch. Sie, die auch die immer beliebteren thematischen Kremsertouren anbietet, sieht wachsendes Potenzial in der heimischen Landschaft.

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 15.11.19 von Manfred Feller