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< „Der Wolf in Brandenburg“ – Tagung
08.03.2010 08:53 Alter: 9 yrs

Vortrag zur Umweltgeschichte: Überflutungen führten vor 150 Jahren zur Regulierung der Schwarzen Elster


Die ersten Beschwerden sind aus dem 16. Jahrhundert überliefert: Mühlenstau sei für die häufigen Überschwemmungen verantwortlich, klagten damals die Anwohner der Schwarzen Elster. Entlang des Elsterlaufs reihten sich insgesamt 40 Wassermühlen aneinander, die den Fluss aufstauten. „Der Grundwasserstand stieg dadurch an, was zu einer Versumpfung des Umlandes führte“, verdeutlichte Manuela Armenat von der Universität Göttingen kürzlich bei ihrem Vortrag zur Umweltgeschichte der Schwarzen Elster im Kreismuseum Bad Liebenwerda.

Die Doktorandin beschäftigt sich im Rahmen ihrer Promotion mit dem Wandel der Schwarzen Elster als Bestandteil der Kulturlandschaft. Die Elster sei einer der am stärksten vom Menschen überprägten Flüsse Deutschlands, erklärt sie, wie sie auf den Gegenstand ihrer Untersuchung gestoßen ist. „Auf der Gewässerstrukturkarte ist der Fluss komplett rot eingezeichnet – Ich dachte: Da steckt eine interessante Geschichte dahinter.“ In Büchern, alten Akten und Archiven hat Manuela Armenat recherchiert und aufgeschlüsselt, wie es zu den tief greifenden Veränderungen an der Schwarzen Elster kam. Ihre Schlussfolgerung: Die speziellen klimatischen Bedingungen der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ vom 15. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts sowie der von Technikbegeisterung geprägte Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert führten zur Umgestaltung des Flusses in seine heutige kanalartige Erscheinung.

 

Versuchte man zwischen 16. und 18. Jahrhundert noch, durch „Mühlenordnungen“ des Problems der häufigen Überschwemmungen Herr zu werden, brachte der territoriale Wechsel des Elstergebietes nach Preußen im Jahr 1815 ernsthafte Überlegungen einer Regulierung mit sich. Verstärkt wurden diese Tendenzen durch Veränderungen der Rechtsordnung – erst durch die Separierung des Bodens wurde dauerhafter Grundbesitz ermöglicht – sowie durch einige Extremwetterereignisse.

 

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts hatte es Jahre mit wetterbedingten Missernten gegeben. Ein Vulkanausbruch in der Südsee führt im Jahr 1816, dem „Jahr ohne Sommer“ erneut weltweit zu Überflutungen und Missernten, die sich 1827 und 1830 wiederholen. Als „schmerzlich gefühltes Übel“ bezeichnet daraufhin eine von 180 Liebenwerdaern unterschriebene Petition an den preußischen König die Elsterüberschwemmungen. Man bietet sich an, Gegenmaßnahmen auch mit eigenem Geld zu unterstützen. Erste ernsthafte Überlegungen, wie der Fluss gezähmt werden könnte, folgen. Nachgedacht wird auch darüber, die Schwarze Elster in diesem Zuge schiffbar zu machen. Doch während manche die Regulierung fordern, lehnen sie andere ab: Die Wassermüller fürchten um ihren Erwerb, andere scheuen die Kosten, wieder andere erwarten ein Trockenfallen der Landschaft. Ein eigens erlassenes Gesetz ermöglicht schließlich die Gründung eines Verbandes zur Regulierung der Schwarzen Elster, unter dessen Regie geplant, abgewogen und mitentschieden wird. „Damit wurde den Betroffenen ein hohes Maß an Mitsprache und Einfluss ermöglicht“, verdeutlichte Manuela Armenat in ihrem Vortrag.

 

Entschieden wird schließlich per Abstimmung: Die überwiegende Zahl der Beteiligten lehnt das „Elsterregulierungswerk“ ab – mehr Gewicht kommt jedoch den Stimmen der Rittergutsbesitzer zu, weil sie über mehr Fläche verfügen. Gemeinsam mit den Städten boxen sie das Vorhaben durch. Im Mai 1852 beginnen schließlich bei Zeischa die ersten Arbeiten am Elsterstrom: Bis 1861 ist die Strecke von Tätschwitz bis Arnsnesta begradigt und mit Deichen versehen. Zeitweise bis zu 1400 Arbeiter waren hierfür beschäftigt worden.

 

Abgeschlossen ist die Arbeit am Fluss damit noch nicht. Schon 1861 brechen bei einem Hochwasser erstmals Deiche. 1862 und 1871 wiederholt sich dies. Weitere Überschwemmungen in den Jahren 1895, 1907, 1926 und 1927 geben immer wieder Anlass, die Regulierung auszuweiten: Bedingt durch das verengte Profil des Flusses erreichen die Hochwässer nun höhere Scheitelpunkte, sodass höhere Deiche erforderlich werden. Zudem verlangt der Kohle-Bergbau im Niederlausitzer Revier nach einer schnellen Abflussrinne für die Grubenwässer. „Schon im Kaiserreich galt die Elster als ´Opferstrecke, so bezeichnete man damals einen durch Bergbau und Industrie stark verschmutzten Fluss“, schildert Manuela Armenat.

 

Bedeutend verändert wurde mit der Regulierung auch die Landschaft: Galten 1847 im Einflussgebiet der Schwarzen Elster nur 15 Prozent der Fläche als Ackerland, waren 1984 schließlich 70 Prozent unter dem Pflug. Rund 20 000 Hektar wurden Manuela Armenat zufolge durch Regulierung und Melioration für die Landwirtschaft gewonnen. Auenwald und Feuchtwiesen verschwanden fast vollständig.

 

Aus dem Umgang mit der Schwarzen Elster spricht aus Manuela Armenats Sicht immer die jeweilige Zeit, die ihre eigenen Ansprüche an die Kulturlandschaft stellte. Heute gebe es ein anderes Bewusstsein für ökologische Aspekte. Gleichwohl könne die Regulierung nicht komplett rückgängig gemacht werden: Große Teile der Niederung sind bebaut und werden dauerhaft genutzt.

 

Dass es trotzdem Veränderungen geben wird, darauf machte Hubertus Brückner im Anschluss an den Vortrag aufmerksam. „Die Deiche sind marode und zum Teil schon von der Anlage her nicht zweckmäßig“, sagte Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes Kleine Elster-Pulsnitz, der auch in der ARGE Schwarze Elster tätig ist. Die Hochwasserschutzanlagen in ihrer jetzigen Form zu ertüchtigen, sei kaum bezahlbar. „Es wird eine andere Deichlinie geben, und diese Deichlinie wird nicht durchgängig sein“, zeigte sich Brückner überzeugt. „Die Schwarze Elster wird in Zukunft wieder anders aussehen.“
Von Karsten Bär

 

Artikel in der Lausitzer Rundschau vom 08.03.2010

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Vortrag-zur-Umweltgeschichte-Ueberflutungen-fuehrten-vor-150-Jahren-zur-Regulierung-der-Schwarzen-Elster;art1059,2847104,0