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07.12.2011 11:11 Alter: 6 yrs

Kehrt unser scheues Wappentier zurück?

Pilotprojekt zur Wiederansiedlung des Auerhuhns im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft


Das Auerhuhn war einst das Wappentier der Region, es starb vor 20 Jahren aus. Im Frühjahr 2012 werden die ersten 20 Tiere aus Schweden wieder ausgesetzt. Foto: fotolia

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) soll als Leitart naturnaher Wälder in die Niederlausitz zurück kehren. Ein mit EU-Mitteln gefördertes Pilotprojekt wird in den nächsten beiden Jahren die Erfolgsaussichten einer Wiederansiedlung des in Brandenburg ausgestorbenen imposanten Waldvogels klären.
In den Jahren 2012 und 2013 werden jeweils 20 Tiere, versehen mit modernsten Sendern, in den Naturparken Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken ausgesetzt. Dort war das Auerhuhn bis vor etwa 20 Jahren noch heimisch. Mitte der 90er Jahre ist zum letzten Mal eine Auerhenne in einem Waldgebiet in der Nähe von Doberlug/Kirchhain gesichtet worden. Seit dem gilt das Wappentier der Region als ausgestorben.
„Das Pilotprojekt ist der erste Schritt vor einer möglichen Wiederansiedlung. Damit wird erforscht, ob eine Wiederansiedlung des Auerhuhns bei uns überhaupt möglich ist.“, erklärt Lars Thielemann,  Leiter der Naturparkverwaltung des Naturparks „Niederlausitzer Heidelandschaft“ auf Anfrage des WochenKurier.
Das vom Förderverein des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft e.V. auf den Weg gebrachte Vorhaben sieht vor, schwedische Wildvögel in den hiesigen Lebensraum zu entlassen und mittels Telemetrie zu begleiten. Eine Wildbiologe verfolgt dann die Entwicklung der Tiere im Naturpark. Das so wissenschaftlich dokumentierte Verhalten der Vögel soll Aufschluss über die bevorzugten Waldstrukturen, Raumansprüche und Überlebenschancen geben. „In etwa drei Jahren werden neue Erkenntnisse und Einblicke in das Leben der scheuen Auerhühner erwartet. Die Ergebnisse sollen Entscheidungsgrundlagen für ein Wiederansiedlungsvorhaben liefern, das im Artenschutzprogramm Auerhuhn des Landes Brandenburg vorgesehen ist“, erläutert Lars Thielemann weiter.
Die Voraussetzungen für das Pilotprojekt schuf eine Gruppe von Förstern und Naturschützern, die sich über viele Jahre für Lebensraumverbesserungen der Art engagierte. Woher der Optimismus, dass sich das Auerhuhn hier wieder heimisch fühlen könnte? „Viele Bedingungen haben sich wieder verbessert“, so Lars Thielemann, und: „Die Moore wurden wieder vernässt, der Waldumbau forciert und eine grundsätzliche Entwicklung zu naturnäheren Wäldern ist eingeleitet. Bergbau und Militär spielen keine Rolle mehr. Gewachsen sind die Chancen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung des Auerhuhns auch dadurch, dass für die Art schädliche Landschaftseinflüsse wie eine Waldvernichtung durch Braunkohlentagebaue, große Truppenübungsplätze in den Wäldern oder eine großflächige Kahlschlagsbewirtschaftung der Wälder nun der Vergangenheit angehören.“
Das 2002 erstellte Brandenburger Artenschutzprogramm für das Auerhuhn beschreibt die fachlichen Zielstellungen des Naturschutzes für diese Art, die als Leitart für die Qualität eines Lebensraumes und einer damit verbundenen Lebensgemeinschaft gilt. In der Ökologie wird daher von Umbrella-Arten gesprochen, bei deren Vorkommen die Lebensraumansprüche zahlreicher anderer Arten optimal erfüllt werden und unter deren „Schirm“ ein hohes Maß an Biodiversität gesichert werden kann.        

Auszug aus dem Wochenkurier von Heiko Lübeck

http://www.wochenkurier.info/index.php?id=221&doc=57853