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19.03.2012 08:58 Alter: 6 yrs

Baumverschnitt:Alles falsch - aber keine Alternative

Wie Elsterwerda Fehler der Vergangenheit heilen will


So sollen nach dem Willen des Landesumweltamtes die Linden auf den Elsterdämmen eingekürzt werden. Im Zuge von Deichbauarbeiten sollen sie ganz gefällt werden. Foto: F. Claus

Elsterwerda Wenn im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg die Linden auf den Elsterdämmen zwischen Elsterwerda und Herzberg (Elbe-Elster) Schritt für Schritt radikal eingekürzt werden sollen, dann ist das völlig verkehrt. Und dennoch gibt es zur Vorgehensweise scheinbar keine Alternative. </header><//header><figure align="left" class="articleImage gradient clearfix zoom"></figure></figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Wenn das Astwerk so stark eingekürzt werde, "wird das physiologische Gleichgewicht zwischen Krone und Wurzeln reduziert" mit der Folge, das Wurzeln absterben. Das wiederum würde dann zu Hohlräumen im Damm führen, sagt Roland Subatzus, unter anderem Sachverständiger für Baumchirurgie und Baumpflege. Und er erläutert weiter, dass Kappungen der Krone, wie im Vorjahr an den Linden in Elsterwerda vollzogen, "erst recht Gefahr erzeugen, denn bei jeder Schnittmaßnahme dieser Art wird die Lebenserwartung der Bäume verkürzt." Deichbauexperten müssten aufhorchen, wenn sie Subatzus' Erfahrung verinnerlichen: "Radikale Kronenkappungen sind nicht nur für den Baum, sondern auch für den Deich gefährlich."

Und dennoch sieht der Experte keine Alternative zum radikalen Sägeschnitt, "denn eigentlich gehören keine Bäume auf den Damm", sondern entweder viel Feuchtigkeit vertragende Arten direkt ans Flussbett oder Harthölzer hinter den Damm. Eine Feststellung, die auch Gerhard Müller von der gleichnamigen Elsterwerdaer Landschafts- und Gartenbaufirma unterstreicht. Auch er kann dem Baumschnitt nichts Gutes abgewinnen, weiß aber: "Wir hatten bei den Hochwassern, die wir bisher erleben mussten, immer Glück, dass gleichzeitig kein Sturm aufgekommen war. Wäre das passiert, wären die Bäume wohl reihenweise umgefallen, denn die Dämme waren nur noch Pudding."

Ähnlich zu beurteilen sei die Lage in vielen Innenstädten, wenn es um die in den 1970er- Jahren "auf Kopf gesetzten" Bäume geht. Auch die werden seitdem mit hohem Kostenaufwand in den Wintermonaten immer wieder radikal verschnitten. Dabei sei auch dies aus Gründen der Baumphysiologie verkehrt. Dort würden sich am Stamm immer wieder nur "Klebeäste" ausbilden, die eine hohe Bruchgefahr hätten. Darüber hinaus würden die Schnittstellen zur "Eintrittspforte für Pilze" werden. Zu den Schnittmaßnahmen gebe es angesichts der veränderten Verkehrsströme in Innenstädten aber ebenfalls keine Alternative. Allerdings – eine aber doch: Diese Bäume fällen und durch solche ersetzen, die in ihrer Wuchsform den Ansprüchen von Innenstädten mit viel Verkehr entsprechen. Darauf setzt Gerhard Müller, der auffordert, "mit dem Quatschen aufzuhören" und Schritt für Schritt den Baumbestand zu erneuern. Inzwischen gebe es Säulenbäume, die sich gut für Städte eignen.

Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos) wies geäußerte Kritiken der Imker, die behauptet hatten, die Schnittmaßnahmen seien "nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Bauhof gewesen, weil in diesem Winter wenig Schnee gefallen sei" und würden "die grüne Lunge der Stadt zerstören", zurück. Herrchen: "Wir haben zum richtigen Zeitpunkt und in richtiger Art verschnitten, weil wir keine andere Wahl haben und mit einem Fehler der Vergangenheit umgehen müssen." Zudem würde die Stadt umfangreiche Ersatzpflanzungen vornehmen und jetzt auch neue Bepflanzungsformen wählen. Auf die Bemerkung des Abgeordneten Helfried Ehrling (Bürgerinitiative), dass die Stadt immer weniger grün werde und an ausgewählten Stellen, wie zum Beispiel an der Postmeilensäule, auch größere Bäume Platz finden könnten", entgegnete Herrchen mit Erkenntnissen aus dem Stadtarchiv: "Schauen Sie sich Postkarten aus dem 18. und 19. Jahrhundert von Elsterwerda an. Da stand kein Baum in der Innenstadt."

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 17./18.3.12 von Frank Claus

http://www.lr-online.de/regionen/Baumverschnitt-Alles-falsch-ndash-aber-keine-Alternative;art96088,3725173