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04.02.2013 11:06 Alter: 5 yrs

Auerhuhn-Projekt in kritischer Phase

Weil Wildfang von Auerhähnen nicht gelingt, sollen Zuchttiere helfen


Bad Liebenwerda Das hat sich angedeutet: Weil es bis jetzt nicht gelungen ist, Auerhähne in Schweden in freier Wildbahn zu fangen, sollen nun Zuchttiere aus Gehegehaltungen für die Auswilderung vorbereitet werden. Zehn Hähne sind dazu in Österreich, Belgien und Deutschland eingekauft worden. 

Naturparkleiter Lars Thielemann hat es schon im Dezember unmittelbar nach der internationalen Auerhuhn-Fachtagung in Bad Liebenwerda deutlich gesagt: "Im Frühjahr müssen die Hähne hier sein." Und er hatte auch erklärt, weshalb das so wichtig ist: "Wenn wir die Hennen in der Balzzeit im Frühjahr allein lassen, besteht die Gefahr, dass sie sich zu weiten Suchflügen aufmachen, verdriften und wir den Kontakt zu ihnen verlieren."

Einstimmig hat der Beirat des Auerhuhn-Projektes deshalb beschlossen, Auerhähne aus Zuchten zu beschaffen. Das konnte zu Jahresbeginn erfolgreich umgesetzt worden. Insgesamt zehn Tiere konnten von Züchtern in Östereich, Belgien und Deutschland erworben werden.

Dabei hat der Beirat Wert auf mindestens drei Jahre alte Hähne gelegt. Lars Thielemann: "Wir wollen ganz einfach sicherstellen, dass sie an der Balz auch teilnehmen können. Ein zu junger Hahn hat da nichts zu bestellen." In einer sechswöchigen Umstellungszeit sollen sie von Ursula Wilmering, anerkannte Auswilderungsexpertin in Vechta (Schleswig-Holstein), für den Abflug in die Freiheit vorbereitet werden.

Doch die Frau, die seit vielen Jahren Nachzuchttiere aus ihren Volieren, unter anderem das ebenso heikle Haselhuhn für Auswilderungsprojekte, früher unter anderem im Harz und aktuell noch im Frankenwald im Grenzbereich zu Thüringen zur Verfügung stellt, tritt auf die Euphoriebremse.

Den Zustand der fünf Tiere aus Österreich hält sie für kritisch. Bedingt durch die Gehegehaltung ist ihr Federkleid nicht gut genug ausgeprägt. "Diese Tiere können nicht einmal richtig fliegen", sagt die Expertin und sieht noch ein anderes Problem: "Der für die Ernährung unbedingt nötigen Blinddarm ist bei diesen Tieren viel zu kurz ausgeprägt." Die Hähne könnten verhungern. Überhaupt sei die Ernährungsumstellung von Zucht- auf Rauhfutter, wie es in der Natur vorkommt, in binnen sechs Wochen bei Tieren dieses Alters schwierig. Sie hätte empfohlen, jüngere Hähne zu erwerben und den Anpassungsprozess länger zu gestalten. Im Frankenwald erfolge bei den Haselhühnern aktuell eine Kombination der Auswilderung von möglichst naturnah aufgezogenen Nachzuchttieren mit einigen wenigen Wildfängen.

Lars Thielemann und Projektbetreuer Uwe Lindner wissen um die Problematik und auch, dass das Projekt jetzt in eine ganz besonders sensible Phase geraten ist. Aus Kostengründen kann nicht noch einmal eine Fang-Abordnung nach Schweden entsendet werden, sodass nur die Hoffnung bleibt, dass die Schweden selbst den Deutschen helfen.

Doch auch dort ist gerade im vergangenen Jahr die Population eingebrochen, eine immer wiederkehrende Erscheinung. Der Erwerb von Hähnen aus Zuchten ? ein Hahn kostet zwischen 150 und 250 Euro ? blieb deshalb nur als Alternative.

Denn immerhin: Das Auerhuhn-Projekt hat in der Bevölkerung breite Akzeptanz gefunden, wie Reaktionen und stetige Nachfragen beweisen würden. Und die erste Zwischenbilanz übersteigt alle Erwartungen und Ergebnisse ähnlicher Projekte. 26 Tiere waren im Frühjahr 2012 ausgesetzt worden, 19 davon wurden mit einem Sender versehen. Zu acht besenderten Tieren gibt es auch heute noch regelmäßigen Kontakt. Insgesamt sind zwölf Tiere nachweislich verendet oder Opfer natürlicher Feinde geworden.Aus Betonelementen wurde der Behälter am Fehrower Weg zusammengesetzt. 2,5 Millionen Liter Trinkwasser werden dort gespeichert.

 

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 31.1.13 von Herrn Claus

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Auerhuhn-Projekt-in-kritischer-Phase;art1059,4109886