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08.02.2013 08:40 Alter: 4 yrs

Ein Seeadler, der die Fachwelt fasziniert

Janina Albrecht hat die GPS-Daten des bei Oppelhain freigelassenen Seeadlers ausgewertet


Janina Albrecht hat im Rahmen ihrer Masterarbeit die GPS-Daten des Seeadlers ausgewertet und neue Erkenntnisse erlangen können. In Zeischa hat sie Naturfreunden einige Daten vorgestellt.

Elsterwerda Alles fing mit einem Unglücksfall an. Und alles endete mit Selbigem. Und dennoch: Dieser Seeadler hat den Experten gleich einen ganzen Rucksack voller neuer Erkenntnisse beschert.</figcaption><//figcaption></figure><//figure>

Es war am 26. Dezember 2009. Auf einer Wiese unweit von Rückersdorf hat Jäger Dirk Töpfer einen flugunfähigen Seeadler gefunden. Wie sich herausstellt, ist er gegen eine Mittelspannungsleitung geflogen und hat sich dabei schwer verletzt. Der kräftigste Knochen des Schultergürtels ist schwer geschädigt, dazu das Schulterblatt und auch das Schlüsselbein. Hinzu kommen Verrenkungen und zu allem Übel auch noch eine gequetschte Lunge. Dass er überlebt hat, ist der schnellen Ersthilfe in der Greifvogelstation Oppelhain und vor allem den Spezialisten der Tierklinik der Freien Universität (FU) Berlin zu verdanken. Deutschlandweit ist es das erste Mal, dass so eine komplexe Operation an einem Seeadler erfolgreich gestaltet wird. Dabei ist die Operation nur die eine Seite. Wochenlange, physiotherapeutische Behandlungen folgen, schließlich darf sich die Muskelmasse nicht zurückbilden, müssen die Gelenke funktionsfähig bleiben. Schnell entscheiden sich die Ärzte, das Tier zur weiteren Betreuung in die Greifvogelstation nach Woblitz, wo es weitaus größere Volieren als in Oppelhain gibt, gesunden zu lassen. Zuvor wird dem Tier quasi als Rucksack ein Satellitensender unter Vollnarkose angelegt. Es ist ein amerikanisches Modell, das auf Solarbasis funktioniert und etwa 30 Gramm wiegt. Zwischen 3 und 20 Uhr soll der Sender künftig Daten übermitteln.

Im April 2010 ist es dann soweit: Im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft wird der zu diesem Zeitpunkt etwa vier Jahre alte männliche Seeadler in die Freiheit entlassen.

Dass er im Oktober 2010 bei Tangermünde bereits wieder tot aufgefunden wird, ist vermutlich erneut einer Stromleitung geschuldet. Genau weiß man das allerdings nicht. Denn die Finder haben zwar den Sender entfernt, dann das Tier aber einer Tierkörperbeseitigungsanlage zugeführt. War es vielleicht doch eine Bleivergiftung wie bei so vielen Totfunden? Dabei hätten die Vogelexperten gern gewusst, in welchem Zustand sich das Tier befunden hat, ob die Rehabilitation vollständig gelungen ist.

Auch wenn diese Frage nicht beantwortet werden kann, die Erkenntnisse über die zurückgelegten Flugstrecken und Aufenthaltsorte sind enorm. Aufgearbeitet hat sie Janina Albrecht, studierte Forstwirtin, in einer Masterarbeit. Vorgestellt hat sie sie kürzlich in Zeischa. An den 98 Tagen der "Überwachung" hat es 700 Übertragungen vom Sender gegeben, 573 mit exakten Koordinatenangaben und somit gut verwertbar. Auch wenn es Lücken an einzelnen Tagen gibt ? sicher ist, der Adler hat allein im gemessenen Zeitraum 1676 Kilometer zurückgelegt. Das ist die Distanz zwischen Dresden und Moskau. An einzelnen Tagen ist er mehr als 70 Kilometer geflogen. Auf seinen Routen durch Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, so ist jetzt erwiesen, hat er bevorzugte Orte, typische Seeadlerfutterplätze, immer wieder angesteuert. Sehr zum Erstaunen der Experten ist er dabei auch öfter Gast in Revieren älterer Vögel gewesen und, so beweist es die Aufenthaltsdauer, ist nicht verdrängt worden.

Bevorzugt halten sich Seeadler an Stillgewässern, Mooren, Sümpfen und auf Baumreihen auf. Die Auswertung hat ergeben, dass Stopps oft dort gewählt werden, wo Einblicke auf möglichst viele Landschaftsformen ? Wasser, Acker, Wald, Wiesen ? möglich sind. Seine höchste Geschwindigkeit hat der Seeadler am 9. Mai um 9 Uhr mit 80 Stundenkilometern erreicht. Und am 12. September hat der Satellit die höchste Höhe gefunkt: 922 Meter hoch war er da.

Frank Raden aus Lauchhammer, der im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft mit dem Peilsender unter anderem auch den Aktionsradius der Auerhühner verfolgt, zeigt sich angetan: "Diese Erkenntnisse bereichern das jetzige Wissen enorm. In 20 Jahren werden wir die Bücher über die heimische Tierwelt wohl völlig neu schreiben."

Auszug aus der Lausitzer Rundschau vom 08.02.13 von Frank Claus

http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Ein-Seeadler-der-die-Fachwelt-fasziniert;art1059,4118308