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Der Wald ist voller Zäune

Knotengeflechtzäune bieten einen effektiven Schutz vor Wildverbiss, stellen aber auch eine erhebliche Gefahr für Auerhühner dar. Gemeinsam mit Waldbesitzenden wollen wir die Zäune verblenden, um tödliche Kollisionen zu verhindern.

Bild: Bergwaldprojekt e. V.

Aufgrund der geringen Materialstärke und des schwachen Kontrasts der Drähte sind die Knotengeflechtzäune für Vögel nur schwer als Hindernis wahrnehmbar; Kollisionen enden oft tödlich. Überlebende, aber verletzte Tiere werden häufig von Beutegreifern gefunden.

Eine schottische Studie dokumentierte Kollisionen von Vögeln aus 14 verschiedenen Arten. Dabei konnten 1,8 tödlich verunglückte Auerhühner pro Zaunkilometer und Jahr nachgewiesen werden (Baines & Summers, 1997). Das hat zur Folge, dass die dortige Auerhuhnpopulation innerhalb der nächsten 50 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % ausstirbt. Wird jedoch die Sterblichkeit durch Zäune herausgerechnet, sinkt die Aussterbewahrscheinlichkeit drastisch auf lediglich 3 % (Baines & Aebischer, 2023). Die Verblendung von Forstschutzzäunen kann das Kollisionsrisiko deutlich reduzieren (Baines und Andrew, 2003).

Aber nicht nur für Vögel werden Zäune zur Falle: Harrington & Conover (2010) konnten in den USA 0,25 verendete Huftiere pro Zaunkilometer und Jahr ermitteln.

Deshalb wollen wir die Zäune für Tiere sichtbar machen und beschaffen Verblendungsmaterial als unbehandeltem Schälfunier, das wir Waldbesitzenden kostenlos zur Verfügung stellen. Die Lebensdauer des Materials wird mit 6 bis 8 Jahren angegeben, danach kann es im Wald verbleiben und verrotten. In der Vergangenheit wurden bereits 10 Kilometer Zaun verblendet. Jetzt legen wir nochmal eine ordentliche Schippe drauf und wollen weitere 20 Kilometer sichtbar machen. Rechnet man die Zahlen aus Schottland und den USA hoch, können wir 36 Auerhühner und 5 Rehe pro Jahr retten – also los geht’s!

Sie besitzen oder bewirtschaften gezäunten Wald oder kennen jemanden, der wen kennt? Dann wenden Sie sich gerne für mehr Informationen an Leonard Lehmeier per E-Mail an l_lehmeier@naturpark-nlh.de oder unter Tel.: 01520 7469487!

 

Quellen:

Baines, D., Aebischer, N.J. (2023): Estimating capercaillie Tetrao urogallus population size in Scotland from annual leks and counts of broods over the period 2010–2020. Wildl. Biol. e01104. doi.org/10.1002/wlb3.01104

Baines, D., Andrew, M. (2003): Marking of deer fences to reduce frequency of collisions by woodland grouse. Biol. Conserv. 110, 169–176. doi.org/10.1016/S0006-3207(02)00185-4

Baines, D., Summers, R.W. (1997): Assessment of Bird Collisions with Deer Fences in Scottish Forests. J. Appl. Ecol. 34, 941–948. doi.org/10.2307/2405284

Harrington, J. L. & Conover, M. R. (2010): Characteristics of Ungulate Behavior and Mortality Associated with Wire Fences. Wildlife Society Bulletin 34, 1295–1305. https://doi.org/10.2193/0091-7648(2006)34[1295:COUBAM]2.0.CO;2