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Lebendige Streuobstwiesen

Am Tag der Artenvielfalt waren 30 Artenkundige aus Brandenburg und Sachsen auf acht verschiedenen Streuobstwiesenflächen im Einsatz: Sie lauschten, krochen über den Boden, kescherten nach Insekten und sahen bei der Bestimmung ganz genau hin.

Von 21. bis 22. Mai waren die Experten und Expertinnen in Fachgruppen eingeteilt zu unterschiedlichen Uhrzeiten auf den Streuobstwiesen mit verschiedenen landschaftlichen Gegebenheiten unterwegs. Als Ausgangspunkt und Übernachtungsort diente der Pomologische Schau- und Lehrgarten in Döllingen, von wo aus der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft gemeinsam mit dem Kerngehäuse e.V. das  große Vorhaben koordinierte und die Ergebnisse zusammenführte. Ziel war es, Kenntnisse über den Artenreichtum auf den naturnah bewirtschafteten Streuobstwiesen der Region zu gewinnen.

Die Witterung - es war windig und am Samstag noch recht kühl - erschwerte dabei vor allem den Insektenkundler:innen und Fledermausexperten und -expertinnen die Arbeit. Dennoch konnten einige besondere Funde gemacht werden, wie zum Beispiel eine Waffenfliege. Insgesamt wurden mehr als 354 Arten bei den Wirbellosen (Insekten, Schnecken, Spinnen …) gezählt, die Bestimmung einiger Käfer steht noch aus, da hier nur mithilfe von Technik die genaue Art erkannt werden kann. Bei den Fledermäusen gab es ein erstaunliches Wiedersehen. So landete eine Mopsfledermaus, die bereits vor 10 Jahren beringt wurde, in dem feinmaschigen Netz, mit dem die Fledermäuse gefangen werden, ohne dass sich diese verletzen.

Als Ornithologe muss man früh aufstehen: Diese waren bereits ab fünf Uhr morgens unterwegs, um auf den frühen Vogelgesängen zu lauschen. Dass sich der Vogel des Jahres, der Wiedehopf, zwischen den alten Kirschbäumen sichtlich wohlfühlt, war eine erfreuliche Erkenntnis des Tags der Artenvielfalt. Letztendlich wurden 71 Vogelarten gezählt, darunter der für diesen Lebensraum typische Wendehals, aber auch besondere Arten wie der in Mitteleuropa sehr seltene Zwergschnäpper. 

Die Fachleute für Flechten und Moose zeigten sich von der Vielfalt auf den Streuobstwiesen begeistert. Flechten werden häufig für Schädlinge an den Bäumen gehalten – dabei sind die wertvolle Bioindikatoren für gute Luft. Im 20. Jahrhundert litt die Region stark unter Umweltverschmutzung; Abgase aus Fabriken und Kraftwerken sowie saurer Regen sorgten dafür, dass der Anblick von Flechten immer seltener wurde. In den letzten Jahrzehnten wurde die Luft deutlich sauberer, sodass sich die Vorkommen von Flechten und Moose wieder erholen. Laut Dr. Volker Otte vom Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz geschieht dies bei den Flechten schneller als bei den Moosen. Er freute sich darüber, dass auf den Flächen einige Arten gefunden werden konnten, die im übrigen Brandenburg nur selten sind.

Trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen auf den Flächen (umliegende Lebensräume, vorangegangene Nutzungsweisen und ungleich starke Bewirtschaftung) zeigten sie alle eine Gemeinsamkeit: es wurde eine hohe Anzahl der Arten, die Trockenheit anzeigen, nachgewiesen. Zusammen mit dem veränderten Klima verschiebt sich nachweislich auch das Artenvorkommen. Wärme- und trockenheitsliebene Arten, wie zum Beispiel die Italienische Schönschrecke, werden bei uns häufiger, während die Vorkommen von anderen Arten, die früher für den Lebensraum Streuobstwiese typisch waren, abnehmen.